DER Guts-Riesling?

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Lecker lecker!

Guts-Riesling – also der Einstiegswein – vom Weingut Wittmann aus Rheinhessen, genauer gesagt Westhofen:

„Riesling“, Weingut Wittmann, 12,5%, 2014, ca. 10€

Schlimmes Etikett, auch farblich, aber er ist fast unverkennbar in der Nase: Mineralität (Salz, Kalk – auch wenn man das vermeintlich nicht riechen kann), kristallklar in der Nase untermalt von Frucht: verdeckte Mango, verdeckter Pfirsich, Zitrus (!), Vanille – das alles in sich fein verwoben. Große Klasse für einen 10€-Riesling.

Im Mund zupackend zitrusfrisch und je nach Jahrgang mit laserstrahlartiger Säure (ich erinnere mich noch sehr gut an den Jahrgang 2012). Fließt einfach runter der Stoff. Ebenso je nach Jahrgang mal länger anhaltend im Nachklang, mal kürzer, grundsätzlich aber für die Preiskategorie eine Klasse für sich.

Für mich ein „must-buy“ (6 Flaschen) in einem passenden Jahr! Für das Jahr 2014 kann man jetzt entspannt eine Kiste kaufen.

Das erste Mal Meursault

Ich bin am 17.08.2016 Vater geworden. Um das gebührend zu feiern, habe ich was schönes für meine Frau und mich gekocht (Jakobsmuscheln mit gerösteten Tomaten, weißem Bohnenbrei, Prosciutto und Rucola) und einen besonderen Wein aufgemacht: einen Meursault. Dazu gleich vorweg: einer der größten Weißweine, die ich bisher getrunken habe. Leider nicht ganz billig.

Antoine Jobard Meursault

Antoine Jobard Meursault

„Meursault“, Antoine Jobard, 2011, 13%, ca. 55€

Meursault ist eine Stadt im Burgund und befindet sich an der Côte d’Or („Goldküste“), genauer gesagt der Côte de Beaune (etwa: „gute Küste“). Die Region um Meursault gilt als heiliger Gral für komplexe, reiche und mineralische Weißweine. Hier entstehen aus Chardonnay nach einhelliger Meinung einige der besten Weißweine der Welt. Hier wird seit Jahrhunderten Weinbau betrieben. Schon in vorchristlicher Zeit war Burgund berühmt für seine Weine. Ab dem 12. Jahrhundert arbeiteten hier Bendektiner- und Zisterziensermönche besondere Lagen (Crus) und Einzellagen (Climats) heraus. Keine andere Region der Welt ist so detailiert in seiner Qualitäts- und vor allem Lageneinstufung wie Burgund. Vereinfacht kann dies so dargestellt werden:

  1. Grand Cru (nur 30 Lagen)
  2. Premier Cru (oder 1er Cru, 622 Lagen)
  3. Village (Ortswein, z.B. „Meursault“ oder „Pommard“)
  4. Bourgogne (rouge oder blanc, also rot oder weiß)
Jakobsmuscheln

Jakobsmuscheln

Als wichtiger Hinweis für alle, die sich ins Burgund eintrinken wollen, sei hier erwähnt, dass es in erster Linie nicht so sehr auf die Lage oder die Qualitätsstufe ankommt, sondern vielmehr auf den Faktor Mensch, den jeweiligen Winzer. Es lohnt sich hier also Weinhändlern zu vertrauen, die sich im Burgund auskennen. In Meursault gibt es keinen als „Grand Cru“ klassifizierten Weinberg, sondern lediglich „Premier Crus“. Bei dem hier getrunken Wein handelt es sich „lediglich“ um einen Ortswein (Village). Dieser Ortswein hatte es jedoch schon in sich:

Kräftiges, goldenes Gelb im Glas. Erste Nase: super tiefgründiger Stoff, aber äußerst fein gewoben. Salz, Kalk, Butter, feine Bourbon-Vanille, leicht nussig, etwas Karamell, Ananas, Zabaione, Zitrus, stechendes Jod, reife Kiwi – was auch immer man alles riechen könnte: der Wein ist komplex, super tiefgründig, einfach ein großartiger Weißwein. Dabei bleibt der Wein trotz seiner Fülle immer elegant. Beim Trinken wird er durch eine äußerst feine Säureader getragen. Die Säure wird mit der Reife weicher werden. Sehr saftiger Stoff mit enormer Spannung im Gaumen und langem Zitrus-Nachhall. Gekonnt vinifiziert: dicht und persistent, dennoch immer grazil. Der Wein hat sicherlich noch 5 Jahre vor sich, in denen er gut trinkbar sein wird, vielleicht noch länger. Für mich schon groß.

 

Moderner Weinsprech: Kommunizieren im Nonsens-Modus | weinkenner.de

Die Art, wie heute über Wein gesprochen und geschrieben wird, vernebelt den Kopf, findet Jens Priewe. Ist leidenschaftsloser Routinesprech oder sinnfreies Geschwafel. Zeit für mich, sich an die eigene Nase zu fassen.

Quelle: Moderner Weinsprech: Kommunizieren im Nonsens-Modus | weinkenner.de

Gute rote Bourgogne unter 20 Euro

Gibt es das überhaupt? Und überhaupt, was heißt hier „gut“? Lange habe ich daran gezweifelt in Deutschland einen guten roten Burgunder – ja, einen Pinot Noir, der auch aus dem Burgund in Frankreich stammt – für unter 20€ finden zu können. Tatsächlich Patrice Rion - Bourgognemuss ich sagen, dass die Ausbeute bisher nicht sehr groß war, aber da ich Pinot Noir liebe, trinke ich auch viel davon. Aus diesem Erfahrungsschatz möchte ich heute zwei Weine aus Frankreich teilen, die ein solides Weinvergnügen bieten und die in Deutschland für 15-18€ zu haben sind:

„Bourgogne“, Patrice Rion, 2012, 12,5%, ca. 18€

„Bourgogne“, Domaine Gulliot-Broux, 2013, 13%, ca. 15€

Was meine ich mit „gut“? Man sollte nicht erwarten bei diesen beiden Weinen einen sehr tiefgründigen Grand Cru oder 1er Cru im Glas zu haben. Pinot gehört zudem sowieso zu den zarten Vertretern des Rotweins. Mit Domaine Guillot-Broux Bourgogne„gut“ meine ich, dass diese beiden Weine in ihrer Machart so niemals in Deutschland – und zudem in dieser Preiskategorie – zu haben wären. Sie sind von ihrer Stilistik unterschiedlich und beide dennoch erkennbar nach Frankreich, genauer gesagt ins Burgund, verortbar. Wer abseits von deutschen Spätburgunder einen ersten Schritt in das „echte“ Burgund wagen möchte, ist mit diesen beiden Vertretern sehr gut beraten.

Patrice Rions (www.patricerion.com) Pinot wirkt wesentlich weicher und runder in Nase und Gaumen als Guillot-Brouxs. Rions Trauben stammen von der Côte d’Or, genauer gesagt aus der Gegend bei Nuits-Saint-Georges, also aus dem nördlichen Teil des Burgund. Auch farblich unterscheiden sich beide Weine voneinander. Rions Burgunder zeigt sich in einem strahlenden Rubinrot, welches mit der Reife deutlich mehr ins rostfarbene übergeht, mit mittelkräftiger Intensität. Klassisch für einen Pinot, ist der Wein gut durchschaubar.

Was Rion hier als Visitenkarte in die Flasche zaubert ist schon beachtlich. Die Nase zeigt sich sehr charmant: erinnert an klein-beerige Waldfrüchte, die zwar eine gewisse Reife in sich tragen, aber auch die nötige Säure mitbringen. Eine charmante Süße schwingt in die Nase, wirklich differenzierbar sind die Sorten von Waldfrüchten zuerst nicht, es ist ein kleiner Früchtekorb. Hagebutte (viel davon), rote Johannisbeere, etwas Süß- oder Sauerkirsche, sehr dezent lässt sich Vanille und etwas Piment erahnen. Bei aller Reife, die auch an Fruchtsaft oder rote Grütze erinnert, wird der Wein von einer „Kühle“ getragen, die ich so nur aus Burgund kenne.

Weinbaugebiet Frankreich (Burgund)

Weinbaugebiet Burgund in Frankreich

Auch beim Trinken zeigt sich Rions Einstiegswein rund und charmant ohne langweilig zu sein. Es macht einfach Spaß ihn zu trinken. Säure und Tannin sind mittelkräftig vorhanden und geben dem Wein eine gewisse Langlebigkeit. Der 2012er ist jetzt (2016) immer noch gut trinkbar und wird dies voraussichtlich auch noch in den nächsten 2-3 Jahren sein, was meines Erachtens für einen Einstiegswein schon beachtlich ist. Einfach ein schöner und runder Burgunder für unter 20 Euro! Hier kann man den Wein kaufen:

Weinhandlung Drexler Freiburg

Guillot-Brouxs (www.guillot-broux.com) Einstiegswein stammt aus dem südlichen Teil des Burgund, genauer gesagt dem Mâconnais. Farblich wirkt der Wein dunkler (wenn auch durchschaubar) und wilder als Rions Bourgogne. Die Nase ist sehr ordentlich und ebenso ansprechend: Weichselkirsche, Himbeere, Kirschsaft (wirkt animierend Süß), etwas Wald und ordentliche Würze (Zimt und Nelkenpfeffer). Das Bouquet macht Freude, da es schon eine gewisse Tiefgründigkeit aufweist. Durch seinen ätherischen Touch erinnert der Wein entfernt auch an Kinder Em-eukal.

Dem Wein fehlt leider etwas Substanz beim Trinken. Gerbstoff weist der Wein wenig auf, dafür eine angenehme Säure. Dennoch ist dies für mich eher ein Wein zum Essen, der einen tollen Trinkfluss mitbringt.

Definitiv der beste rote Burgunder, den ich für solch einen Preis (14,90€!) bisher in Deutschland gekauft habe. Hier kann man den Wein kaufen, wenn er wieder verfügbar ist:

K&U Weinhalle Nürnberg

Edition SL Spätburgunder vom Weingut Schaffner

In meinem letzten Eintrag ging es um den Flagschiffwein vom Weingut Schaffner. Heute möchte ich kurz den Wein „darunter“ vorstellen, der durchaus auch – je nach Jahrgang – einige Jahre reifen kann:

“Spätburgunder Edition SL”, Weingut Schaffner, Spätlese, 2008, 13,5% (ca. 20€)

IMAG0931Von der Farbe her geht der Wein schon ins bräunliche, besitzt aber noch farbliche Substanz. Die Nase zeigt sich wunderbar gereift. In der ersten halben Stunde zeigt der Wein leicht süßliche Noten, die an die Zeit des Barriques erinnern, in dem der Wein ausgebaut wurde. Das Holz ist jetzt jedoch klasse eingebunden und unterstützt die Frucht des Weines: tiefgründige Frucht verbindet sich mit nassem Waldboden und Pilzen, alles enorm zart und nicht drückend in der Nase. Nach längerer Zeit im Glas verändert sich der Duft: dezentes Marzipan, Balsamico und Orangenzeste.

Im Gaumen ein mittellanger Nachhall, hätte fast 1-2 Jahre früher getrunken werden können, auch wenn die Nase null Alterschwäche zeigt. Auch hier reife Noten mit Sauerkirschen, Süße und Pilzen. Das noch vorhandene Tannin deutet an, dass der Wein der Zeit auch noch länger stand gehalten hätte.

2003er Deluxxxe Spätburgunder vom Kaiserstuhl

Nicht jeden Tag darf man sich bei seinem Schwiegervater einen Wein aus dem Keller aussuchen. Ich entschied mich für den Flagschiff-Spätburgunder vom Weingut Schaffner (www.weingut-schaffner.de) aus dem heißen „Jahrhundertjahrgang“ 2003:

„Deluxxxe Spätburgunder“, Weingut Schaffner, Auslese, 2003, 14% (ca. 30€) / getrunken im Jahr 2014

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Blick aus einem Weinberg von Thomas auf einen Teil von Bötzingen.

Der „Deluxxxe“-Stoff wird nicht jedes Jahr erzeugt. Nur in Jahren, in denen Thomas Schaffner das Potential der reifenden Trauben im Weinberg vorfindet, produziert er diesen Wein. Je nach Jahrgang werden von diesem Saft, der aus den besten Lagen stammt, lediglich um die 350-400 Flaschen erzeugt. Deshalb ist der sich aktuell im Verkauf befindende Jahrgang „2009“ auch ausverkauft. Inzwischen kostet eine Flasche auch knapp 40€, was mehr als berechtigt für diesen Wein ist.

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Der kleine – aber feine – Barriquekeller von Thomas Schaffner.

In der Jugend zeigt sich der Deluxxxe noch sehr komprimiert und geprägt vom Neuholzeinfluss des Barriques. Er wartet dann direkt nach dem Öffnen mit Noten von Karamell, Vanille, Calippo-Cola und Kirsche auf. Daher sollte man diesen Stoff auf gar keinen Fall vor fünf Jahren trinken. Bei manchen Jahrgängen bin ich der Überzeugung, dass der Wein an die zehn Jahre reifen darf, um sein ganzes Potential zu entfalten. Natürlich muss man dafür Geduld mitbringen und auch reife Pinot-Noten im Wein mögen.

Wer warten kann wird nicht enttäuscht. Nach dem „Korken-Plop“ zeigt der 2003er Noten von Rauch & Speck, nassem Waldboden und im Hintergrund dunkle und reife Kirschen sowie Pflaume. Dazu gesellen sich aber auch balsamische Noten, die an Minze erinnern, Lakritz, Würze und etwas Petrol. Die 14% Alkohol steckt der Wein weg wie nichts. Der Wein verändert sich halbstündlich im Glas, zeigt mal mehr reifliche Noten von Pilzen und Erde, dann aber auch wieder frische Sauerkirschen und Cassis.

Nach ca. 3 Stunden drängen sich die Fruchtnoten (Primäraromen) wieder in den Vordergrund und tiefgründige Kirsche, Cassis und eine marzipanartige Süße mit einer Mischung aus Maronen lassen einen Pinot-Trinker sprachlos werden und schweigend genießen.

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Deluxxxe-Stoff!

Beim Trinken extrem elegant abgeschliffenes Tannin, welches jedoch auch noch angenehm präsent scheint. Minze und Sauerkirschen, Pilze und erdige Töne klingen schier endlos (minutenlang) im gesamten Gaumen nach.

Kein alltägliches Weinerlebnis, sondern besonders. Wenn ein Wein Zeit braucht und Jahre langer reife würdig ist, dann dieser Pinot. Für Weintrinker, die noch keine Erfahrungen mit (gutem!) gereiftem Wein gemacht haben, sicher auch speziell. Als Laie muss man sich in diesen Wein „eintrinken“. Ein enorm tiefgründiger Spätburgunder, dem es dennoch nicht an Eleganz mangelt, fast ein großer Wein, ein großer Spätburgunder?

Wer mir nicht glaubt, versuche es mit dem Wein „unter“ dem Flagschiffwein von Thomas, dem Spätburgunder „Edition SL“ (Spätlese) für ca. 23€ die Flasche. Schon bei diesem Wein erhält man einen Vorgeschmack auf den „Deluxxxe“. Viel Spaß beim Probieren, sofern der Deluxxxe wieder verfügbar ist, greife man auf den „Edition SL“ zurück (bestellbar auf www.weingut-schaffner.de). Nach Aussagen von Thomas soll der 2015er „Deluxxxe“ richtig gut werden. Ich bin gespannt.