Die Einstiegsdroge von Thierry Germain

Ich habe etwas länger als gewöhnlich überlegt, wie ich diesen kleinen Artikel beginnen soll, aber ich kann irgendwie nicht anders, als so anzufangen: Weine wie dem »Les Roches« von der »Domaine des Roches Neuves« begegne ich sehr selten. Das letzte Mal, dass mich ein Wein in der Preiskategorie um 10,-€ so ins Staunen versetzt hat, ist schon etwas her. Dieser »Saumur-Champigny« ist ein echter Weinwert im Vergleich zu seinem Preis. Oder um es mit anderen Worten zu formulieren: Er ist eine echte Bank!

F1382_2016NM_cAuch wenn ich zugeben muss, dass ich mich an der Loire nicht sehr gut auskenne, vermute ich, dass Germains »Les Roches« mit einer der denkbar besten Einstiegsweine in die Welt des Cabernet Franc von der Loire sein könnte.

»Les Roches«, Domaine des Roches Neuves, Saumur-Champigny, 2016, 12,5%, ca. 13€

2016 war kein einfaches Jahr an der Loire (Frostschäden), so dass Germain sich gezwungen sah für diesen Jahrgang sogar Trauben zuzukaufen. Aber man sagt ja so schön, dass Winzer, die ihr Handwerk beherrschen, auch in schwierigen Jahren herausragende Weine produzieren können. Thierry Germain scheint sein Handwerk zu beherrschen und dazu noch sehr sehr gut mit Cabernet Franc umgehen zu können. Dies beweist schon sein „einfachster“ Wein, der allerdings alles andere als einfach ist.

Germain stammt eigentlich aus dem Bordelais und kam erst Anfang der 90er Jahre an die Loire. Nach und nach folgte ihm auch seine Familie. Seit 2000 arbeitet er biodynamisch, d.h. unter anderem basierend auf der anthroposophischen Philosophie Rudolf Steiners (1861-1925). Er selbst sagt, dass die Umstellung auf biodynamischen Weinbau erst ab 2008 wirklich „Früchte“ getragen hat.

Ich persönlich habe ja so meine Probleme mit der esoterischen Philosophie, die hinter dem Gedankengut von Rudolf Steiner steht, kann mir aber sehr gut vorstellen, dass ein zuvor konventionell behandelter Weinberg einige Jahre Zeit benötigt, bis sich der Boden und das gesamte Ökosystem von der chemischen Keule erholt hat. Ob biodynamisch oder „nur“ biologisch arbeitend, dies wird Auswirkungen auf die entstehenden Trauben im Weinberg haben, und aus diesen wird ja dann schließlich der Wein gemacht.

Wie auch immer man über Biodynamie denkt, der Wein schmeckt verdammt gut. Das wird allerdings auch daran liegen, dass Thierry sein Handwerk als Winzer beherrscht. Denn ein schlechter Winzer macht auch aus guten und gesunden Trauben mit Sicherheit keinen herausragenden Wein. Vielleicht kann man das auch so umschreiben: Ein teurer Grand Cru aus Burgund wird kein herausragender Wein sein, wenn der Winzer im Weinberg und im Keller nicht gut reagiert und begleitet. Einfach nur eine Grand-Cru-Lage zu besitzen, bedeutet noch nicht, dass der Wein, der am Ende auf die Flasche gezogen wird, auch ein echter Grand Cru sein wird.

Roches-Neuves
Thierry Germain und Pferd. Pferde werden auf der Domaine fast ausschließlich für die Bodenbearbeitung eingesetzt. © by Facebook Domaine des Roches Neuves.

Aber wie schmeckt er denn nun? Auffallend für mich war vor allem die Textur, die der Wein auf die Zunge und an den Gaumen bringt: Er ist eher leicht, aber mit genügend Rückgrat, einer weichen, fast schon cremigen Textur und verfügt gleichzeitig über eine angenehme Säurestruktur, die dem Wein einen gewissen Lift verpasst. Das ist sehr trinkanimierender Stoff, der vielseitig kulinarisch einsetzbar ist (passt sehr gut zur gerade beginnenden Grillsaison). Er hat nur 12,5% Umdrehungen und ist dennoch – trotz seiner Leichtigkeit – niemals banal oder langweilig. Finessenreich, frisch und dennoch mit Geschmackstiefe beschreibt es sicherlich gut.

Aus dem ersten Glas, direkt nach dem Öffnen der Flasche, steigen Noten von Pfeffer und Paprika auf (die niemals störend und laut, sondern bereichernd ist), begleitet von Frucht (schwarz und rotfruchtig). Könnte auch etwas an die Nordrhône und schwarze Oliven erinnern, denn bei den ersten Schlücken wird auch verbranntes Fleisch schmeckbar. Nach ein paar Minuten wird der Wein etwas „weicher“ in der Nase und offeriert feuchte, nasse Erde.

Ich hatte ihn zuerst im Gabriel Glas, bin dann aber umgeschwenkt auf das Zalto Bordeaux Glas, was ihm noch besser gestanden hat. Vielleicht sollte man es sogar mal in einem noch bauchigeren Glas wie einem Burgunderglas probieren.

Am zweiten Tag deutliche Noten von Brombeeren, Cassis, Hagebutte, Veilchen, schwarzem Pfeffer und Kräutern. Dazu kommt aber auch etwas Schießpulver (China Böller), was mir persönlich sehr gut gefällt. Die erdigen Noten sind jetzt noch präsenter und erinnern mich tatsächlich zeitweise auch etwas an feuchte, mit schwarzer Erde überzogene, Kartoffeln.

Er klingt leicht herb, kräuterig und schwarzfruchtig im Gaumen aus. Da ist auch etwas Lakritz wahrnehmbar. Klasse Wein! Tolle Visitenkarte von Thierry Germain, die Lust auf die ganze Palette macht.

Ich habe bereits – was sehr selten der Fall ist – nachbestellt. Ich konnte nicht anders. Zumal es bei vinatis.de diesen Wein für unschlagbare 12,43€ die Flasche gibt. Ich habe nicht bewusst danach gegoogelt, aber sonst sieht man diesen Wein meist für um die 18,-€ in deutschen Weinläden. Wenn man den Preisunterschied bei der Bestellung von 6 Flaschen, was man bei diesem Wein getrost machen sollte, einberechnet, fallen auch die anfallenden Versandkosten von knapp 6,-€ kaum noch ins Gewicht. Wer diesen Wein nicht selbst probiert, ist selber schuld.

»Domaine des Roches Neuves Les Roches 2016«

Die ganze Palette seiner Weine findet ihr hier:

»Domaine des Roches Neuves«

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