Alpiner Schieferwein

Weintrinken hat für mich mit Neugier zu tun. Nichts Neues auszuprobieren bedeutet für mich, seine Geschmackssinne nicht erweitern zu wollen. Die Freude am Weintrinken besteht zu einem großen Teil darin, die weite Welt des Weines zu erkunden, neue Eindrücke zu sammeln und sich seine eigene „Geschmacksmeinung“ zu bilden. Einen neuen, bisher unbekannten Wein zu öffnen, der einem am Ende im besten Fall gefällt und überrascht, dass ist die Freude eines Weinliebhabers.

Weintrinken hat also mit Erkunden zu tun, auch wenn Leute, die bereits etwas länger in der Welt des Weines unterwegs sind, so wirken, als hätten sie die Weisheit mit Löffeln getrunken. Natürlich kann man von erfahreneren Verkostern lernen, dies ersetzt allerdings niemals den eigenen Geschmack und die eigene Verantwortung, aus seiner Komfortzone zu treten.

Ein ideales Beispiel für einen Wein, den die meisten meiner Leser sicherlich noch nicht probiert haben, geschweige denn generell einen Wein aus Savoyen im Glas hatten, ist der »Schiste« (»Schiefer«) von der »Domaine des Ardoisières« (»Weingut am Schiefersteinbruch«). Wenn ihr etwas mehr über die kleine Weinbauregion »Savoyen« (franz. »Savoie«) – gelegen südlich vom Genfer See – erfahren wollt, könnt ihr meinen älteren Artikel »Savoyen für Weinhipster« lesen, in dem – unter anderem – auch ein Wein von der Domaine des Ardoisières vorgestellt wurde.

Ardoisières 1
Le Coteau de Cevins: Lage der Domaine des Ardoisières in Cevins im Winter. Sieht nicht nur steil aus, ist auch steil. © Domaine des Ardoisières

Wie der Name des Weines und des Weingutes schon andeuten, stammt der »Schiste« von Schieferlagen (schwarzer Schiefer und Glimmerschiefer), genauer gesagt Steillagen mit bis zu 60-70% Neigung. Schweißtreibende Handarbeit ist hier gefordert. Geringe Erträge zwischen 15 bis max. 40 hl/ha ergeben sich hier fast von selbst. Beim »Schiste« sind es 30hl/ha. Wer erahnen kann, was den Mitarbeitern der Domaine hier abverlangt wird, der findet den Preis von ca. 30€ für diese Cuvée zwar ordentlich, aber angemessen bepreist.

igp-vin-des-allobroges-schiste-2016-domaine-des-ardoisieres»Schiste«, Domaine des Ardoisières, IGP Vin des Allobroges, 2016, 12%, ca. 30€

Die Reben werden – ähnlich wie an vielen Hanglangen der Mosel oder der Côte-Rôtie – an einem Pfahl/Stock erzogen. Die Domaine arbeitet biodynamisch (der 4. biodynamische Erzeuger in Folge in diesem Blog), vergärt spontan und lässt den »Schiste« für 12 Monate in hauptsächlich gebrauchten Barriques reifen. Er besteht zu 40% aus der autochthonen und in Savoyen weit verbreiteten Rebsorte Jacquère, 30% Roussanne, die man auch an der Rhône antrifft, 20% Malvoisie und 10% der autochthonen Mondeuse Blanche, dem weißen Gegenpart der Mondeuse.

Die Domaine des Ardoisières wurde 1998 ins Leben gerufen, um diesen über Jahrhunderte bekannten Hang in Cevins wiederzubeleben, von dem unter anderem der »Schiste« stammt. Wein wurde hier bereits gepflanzt bevor die Römer kamen.

Farblich deutlich kräftiger als der Einstiegswein der Domaine, der »Argile Blanc«, eher in ein goldeneres Strohgelb gehend.

Das Bouquet ist äußerst subtil. Ich habe mich sofort gefragt, wie sich dieser Wein in den nächsten 10-15 Jahren entwickeln wird. Man hat hier weiße Blüten, frische Butter, etwas Orangenzeste, etwas grünlich wirkende Birne und am zweiten Tag auch etwas Honig/Met und eine gewisse Kalkigkeit. Die alpine Frische ist schon in der Nase spürbar. Ähnlich wie der »Argile Blanc« ist der »Schiste« keine Fruchtbombe in der Nase, sondern eher leise.

Im Trunk wie zu erwarten frisch, präzise, klar, aber mit enorm komprimierter Substanz, die sich einen wieder fragen lässt, wie sich dieser Wein in 10-15 Jahren zeigen wird. Der »Schiste« wirkt ordentlich druckvoll am Gaumen, wirkt zuerst cremig und wird dennoch sofort von dieser präzise und frisch wirkenden Säure überrannt. Der Wein bleibt lange am Gaumen mit einer Mischung aus agrumes (Zitrusfrüchten) und einer angenehm leichten Bitternote, die allerdings nichts mit Unreife zu tun hat. Sehr gut ausbalanciert und frisch.

Was gab es dazu zu Essen? Flußkrebse auf einer Erbsenpaste und Baguette (siehe Instagram).

Ein Wein für Leute die hinhören und hinschmecken wollen. Kein Metallkonzert, sondern eher eine zarte Sinfonie mit Tiefgang. Bei vinatis könnt ihr den Wein kaufen:

»Domaine des Ardoisières Schiste 2016«

Den preiswerteren »Argile Blanc« gibt es hier:

»Domaine des Ardoisières Argile Blanc 2016«

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