Weltmeisterlicher Gamay

Wer hätte gedacht, dass die Équipe Tricolore Fussball-Weltmeister wird? Félicitations! Ich wünsche ihnen auf jeden Fall, dass sie sich in vier Jahren nicht so kläglich von der WM verabschieden, wie Deutschland es als amtierender Weltmeister in diesem Jahr getan hat. Was den Wein betrifft wird Frankreich sicherlich auch noch in vier Jahren ganz oben mit dabei sein, was dieser fantastische Gamay des Winzers Jean Foillard exemplarisch bezeugt.

Jean Foillard war – unter anderem mit Marcel Lapierre (†) – ein Vorreiter von qualitativ hochwertigen Beaujolais-Weinen im burgundischen Stil. Winzer wie er haben den Crus des Beaujolais mit Anbeginn der 80ger Jahre wieder zu altem Ansehen verholfen und der ganzen Region einen Qualitätsschub verpasst, der bis heute anhält. Warum das so kommen musste, zeigt z.B. die einzigartige Qualität seines Gamays aus der wohl besten Lage des Crus »Morgon«, der »Côte du Py«.

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Weinstöcke in Morgon im Winter, Lage »Côte du Py«. Photo by Jameson Fink

Die Lage »Côte du Py« liegt am Hang des »Mont du Py« mit einer Höhenlage von etwa 350 Metern. Hier stand mal ein aktiver Vulkan. Die Böden in Morgon sind geprägt von manganhaltigem Gestein (manganèse), Granit und Schiefer, was hier zu einem eher kräftigen und lagerfähigen Gamay führt. Mit zunehmender Reife ähneln die meisten Weine dieses Crus mehr und mehr einem Pinot Noir aus dem nördlichen Burgund.

Jean Foillard erzeugt seine Weine nach biologischen Richtlinien, dass heißt er nutzt keine Herbizide oder Pestizide. Ähnlich wie Lapierre verzichtet er weitestgehend auf den Einsatz von Schwefel im Ausbau seiner Weine. Wie im Beaujolais üblich wird die Gärung durch die »macération carbonique« (Kohlensäuremaischung) in Gang gesetzt. Natürlich wird spontan und mit Stilen und Stengeln vergoren. Je nach Jahrgang kommt der »Côte du Py« zwischen 6 bis 9 Monaten in gebrauchte Barriques, die von Top-Domainen aus dem nördlichen Burgund stammen. Die Weine werden nicht geschönt, vor der Abfüllung nur leicht geschwefelt und danach unfiltriert auf die Flasche gezogen. Inzwischen bewirtschaftet Foillard ca. 17ha Weinberge in Morgon und darüber hinaus.

»Morgon: Côte du Py«, Jean Foillard, Beaujolais, 2016, 13%, ca. 25€wines_1577_big

Ins Glas fließt ein farblich ansprechendes Stöffchen mit saftigem Granatrot und einem lila Stich. Leicht durchschaubar, wenn auch unfiltriert.

Nach der ersten „Nase“ ist sofort klar, dass dies ein richtig außergewöhnlicher Wein ist. Ich würde sogar frech behaupten, dass er in der Preiskategorie 20-30 Euro ganz weit oben mitspielt und mehr Komplexität und Trinkfluss ins Glas bringt, als die meisten Weine in dieser Preisklasse. An diesem Wein wird nachvollziehbar, dass Weine aus den Crus »Morgon« oder auch »Moulin à Vent« zu Beginn des 20. Jahrhunderts teurer waren, als die besten Gewächse in manchen Regionen des nördlichen Burgunds.

Der »Côte du Py« schafft das, was nur wenige Weine auf Anhieb schaffen: Er zaubert mir sofort ein breites und zufriedenes Grinsen ins Gesicht. Jeder Weinverrückte weiß, was damit gemeint ist…

Das Bouquet direkt nach dem Öffnen der Flasche – ohne dass der Wein lange vorher „geatmet“ hat – kann man getrost als vibrierend „funky“ bezeichnen: Firecracker, Cherry Coke, etwas Pfeffer, Himbeeren, Hagebutte, etwas Cassis, Eisen, leicht medizinal wirkend, Bleistiftspitze und saftige Kirschen. Später gesellen sich Noten von Unterholz, Muskatnuss, Brombeeren, etwas Pflaumen und diversen Gewürzen dazu.

Wunderschöne weiche Textur am Gaumen, die sich fast so anfühlt, als wenn dieser Gamay in Kaschmir gekleidet ist. Dabei leicht fleischig wirkend. Auch hier mit dieser Firecracker-Note, die sich mit einer saftigen rot- und schwarzfruchtigen Frucht von kleinen Waldbeeren vermählt. Die Frucht öffnet sich erst so richtig hinten am Gaumen in einem langen mineralischen Spiel. Alles natürlich eingebunden in ein wunderbares Säuregerüst. Sollte mindestens 10 Jahre ohne Probleme lagerfähig sein, wenn nicht länger.

Am zweiten Tag offeriert das Bouqeut intensivere Noten von Bleistiftspitze (Grafit), Zündplätzchen (oder auch Schießpulver), Unterholz, schwarzes englisches Weingummi, Zahnbürstenbaumrinde (salvadora persica) und Brombeeren. Wirkt jetzt auch etwas „staubig“ trocken in der Nase.

Vom Geschmack her jetzt leicht lakritzig ausklingend, mit Wild- und Sauerkirschen sowie einer famosen Mineralität, die terroir schmeckbar macht: Grafit auf der Zunge. Wunderbarer „Säurelift“. Unterholz und Gewürze mit süßlich wirkender Frucht in Perfektion verwoben. Sehr mineralisch, sehr elegant, sehr komplex und dicht und gleichzeitig schon jung richtig gut trinkbar.

Was ein genialer Gamay! Suchtgefahr! Ein Kultwein des Beaujolais. Man weiß nicht, was Foillard hätte besser machen können… Ein genialer Begleiter zu kräftigeren Geflügelgerichten sowie auch leichteren Wildgerichten. Geht sicherlich auch wunderbar zu würziger und eher rustikaler vegetarischer Küche.

Bei vinatis.de könnt ihr diesen Wein gleich in drei verschiedenen Flaschenformaten kaufen. Es wäre definitiv keine falsche Entscheidung sich auch größere Formate von diesem grandiosen Stoff zuzulegen. Vive la france! Vive la vin frainçais!

»Jean Foillard Morgon Côte du Py 2016«

»Jean Foillard Morgon Côte du Py 2016 Magnum«

»Jean Foillard Morgon Côte du Py 2016 Doppelmagnum / Jeroboam«

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