Ein fester Stern am Jurahimmel

Ich muss zugeben, dass sich die kleine Region des französischen »Jura« inzwischen einen festen Platz in meinem Weinherz erobert hat. Gerade die unter der Florhefe ausgebauten Weißweine haben es mir besonders angetan. Sie bringen eine Komplexität (und meist auch Intensität) mit sich, die man sonst selten bei Weißweinen im Preissegment zwischen 10-20 Euro findet. Meistens werden diese Weine für 2 bis 4 Jahre lang ausgebaut. Dafür sind sie immer noch erstaunlich „günstig“. Sie munden vorzüglich zum gereiften Vorzeigekäse der Region, dem »Comté«.

Und ja, sie haben alle einen ähnlichen Charakter, wenn sie »sous voile« (franz. für „unter dem Schleier“) ausgebaut wurden. D.h., der allmählich verdunstende Wein im Fass wird bewusst nicht aufgefüllt. Meist bildet sich dann auf natürliche Weise ein Florhefeschleier an der Oberfläche des Weines. Diese schützt den Wein vor weiterer Oxidation, andererseits verleiht sie ihm aber auch seinen einzigartigen Geruch und Geschmack, der auch einen stark oxidativen Charakter haben kann. Diese Weine zeigen sich zumeist nussig, salzig, manchmal auch wachsig oder honigartig und erinnern an frische bis mostige Äpfel, reife Quitten oder Birnen. Sie sind grundsätzlich trocken und haben meist eine frische und tragende Säurestruktur. Meine Frau hasst diese Weine. Ich liebe sie (die Jura-Weine und meine Frau)!

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Fossile See-Lilienstiele. Vielleicht die Namensgeber der Appellation »L’Étoile«. © http://www.le-lorrain.fr

Nach »Château-Chalon« (ausschließlich für »Vin Jaune« als AOC zugelassen) ist »L’Étoile« mit ca. 75ha die zweitkleinste Unterregion des Jura. L’Étoile liegt nördlich der Stadt Lons-le-Saunier und südlich von Arlay. L’Étoile (franz. „der Stern“) verdankt seinen Namen entweder den kleinen fossilen und fünfarmigen See-Lilienstielen, die an einen fünfarmigen Stern erinnern und reichlich im Mergelboden zu finden sind, oder den fünf kleinen Hügeln, die die Stadt l’Étoile umschließen. Die kleine Appellation ist vor allem bekannt für ihren Crémant (erscheint seit 1995 unter der AOC »Crémant du Jura«) und ihren Chardonnay. Rotwein darf nicht unter der AOC L’Étoile verkauft werden.

Der wahrscheinlich beste Erzeuger in l’Étoile ist die »Domaine de Montbourgeau«. Die Domaine wird inzwischen in 4. Generation geführt (gegründet 1920) und verfügt über 11ha Weinberge. Nicole Deriaux hat die Verantwortung in diesem Jahr an ihren jüngsten Sohn, César, übertragen.

Ich durfte bisher drei Weine der Domaine verkosten und kann direkt sagen, dass sie mit zu den feinsten Jurakreationen gehören, die ich bisher probieren durfte. Es sind wunderbare – wenn man so will – traditionelle Botschafter ihrer Region.

»En Banode«, Domaine Montbourgeau, Jura, L’Étoile, 2015, 13%, ca. 21€etoile-en-banode-2015-domaine-montbourgeau

»En Banode« ist eine besondere Cuvée aus den zwei weißen Hauptrebsorten des Jura, die im Jahre 1970 zusammen in einem einzigen Weinberg mit selbigem Namen angepflanzt wurden. 60% Chardonnay und 40% Savagnin werden gleichzeitig geerntet und gemeinsam vergoren, was ungewöhnlich fürs Jura ist. Ausgebaut wird diese field blend (engl. für „gemischter Satz“) für mindestens ein Jahr lang in größeren foudres (2.000 Liter und mehr fassende Fässer) und darauf folgend für weitere 2 bis 2 1/2 Jahre in demi-muids (500-Liter-Fässern).

Das Ergebnis ist ein Wein mit einer wunderbaren Spannung und Energie am Gaumen. Er wirkt fast etwas herb und kernig. Definitiv noch sehr jung und braucht Zeit zum Reifen. Vom Bouquet her erinnert er an Apfeltart, mehr Haselnuss als Walnuss, Apfel, Birne und Morcheln. Die klassische „oxidative“ Jurastilistik ist eher zurückhaltend, wenn auch vorhanden. Nach 2-3 Tagen an der Luft nimmt man auch Kastanienhonig, reife Quitten und Lemoncake in der Nase war. Die kristalline Säureader klingt im Abgang zitrisch und vor allem nussig (Haselnuss) aus. Sehr interessanter Wein, der sehr gut reifen wird und dem dies auch gut tun wird.

etoile-cuvee-speciale-2014-domaine-montbourgeau»Cuvée Spéciale«, Domaine Montbourgeau, Jura, L’Étoile, 2014, 13%, ca. 24€

Die »Cuvée Spéciale« ist der Flagschiff-Weißwein des Hauses. Er besteht hauptsächlich aus Chardonnay, der von alten Reben stammt, und einem Touch Savagnin. Ausgebaut wird der Wein für 4-5 Jahre (!) in fûts (230-Liter-Fässern).

Mir kommt sofort ein Wort in den Kopf, wenn ich mich an den Wein zurückerinnere: Intensiv. Dies zeigt sich bereits auch in der fast ins Bronze gehenden Farbe. Direkt nach dem Karaffieren der Flasche strömen Noten von Honig, Klebstoff, Bienenwachs und Walnüssen (alles aber sehr charmant) aus dem Glas. So richtig an zu singen fängt erst nach 2-3 Tagen in der Karaffe. Sehr viele Gewürze (im Sinne des franz. curry), Steinobst, Orangenzeste (?), grüner bis reifer Apfel, Salz, Trockenobst, Salznüsse und auch heller Tabak sind wahrnehmbar. Am Gaumen super intensiv und nach Apfel und Bienenwachs schmeckend. Was eine hammer Säure dieser Wein hat (läserstrahlartig)! Man kann ihn jetzt schon trinken (mit Essensbegleitung), er ist aber eigentlich noch viel zu jung.

»Savagnin«, Domaine Montbourgeau, Jura, L’Étoile, 2015, 13%, ca. 27€etoile-savagnin-2015-domaine-montbourgeau

Der Savagnin ist wohl der aktuell zugänglichste Wein dieser Serie. Auch hier fällt mir direkt ein Stichwort ein, das auch schon Wink Lorch im Kopf hatte, als sie diesen Wein verkostete: Eleganz. Großartiger Savagnin! Nach 3 bis 4 Jahren Fassreife zeigt er sich sehr sehr fein. Die funkige Jurastilistik durch die Florhefe ist so gut integriert in den Wein, dass er mich zeitweise auch an guten weißen Burgunder erinnert hat. Der Wein zeigt eine tolle Einheit und Ausgewogenheit in seiner Aromatik. Kurzzeitig habe ich mich gefragt, ob er vielleicht etwas viel Neuholz hatte oder seine vanillige Art doch von der Rebsorte Savagnin stammt.

Wie auch immer, auch die dezente Vanille-Note ist gut in das Gesamtpaket eingebunden. Dazu gesellen sich nussige Noten und Apfelschale. Er wirkt kraftvoll-elegant und hat ebenso eine geniale zitrische und frische Säureader. Eindeutig der „rundeste“ Wein dieser Triologie. An Tag zwei erdiger in seiner Art mit Nuancen von Muskatnuss, Salznüssen, Backwaren und Gewürzen. Toller Savagnin, den wir zum klassischen Jura-Gericht »Poulet au Vin Jaune et morilles« genossen haben!

Die Weine der Domaine Montbourgeau sind in Deutschland wohl eher eine Ausnahmeerscheinung und normaler Weise so gut wie gar nicht zu bekommen (allein schon aufgrund der Größe der Appellation). Wer sie probieren will, und dafür nicht ins Jura fahren möchte, sollte auch bei vinatis.de schnell sein, da sie dort sicherlich bald vergriffen sein werden. Wer ausreichend Flaschen ergattern konnte, braucht sich nicht zu beeilen sie zu trinken, denn sie werden vorzüglich reifen können und ihr ganzes Potential erst noch entfalten. Hier könnt ihr sie (noch) kaufen:

»Domaine de Montbourgeau En Banode 2015«

»Domaine de Montbourgeau Cuvée Spéciale 2014«

»Domaine de Montbourgeau Savagnin 2015«

»Vinatis Domaine de Montbourgeau«

»Vinatis Jura«

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