Alto Piemonte en vogue again

»Conterno’s investment in the area confirms the potential of producing elegant, ageworthy Nebbiolo in Gattinara and Alto Piemonte.« – Kerin O’Keefe

 

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Crémant 85.3

Champagner ist für viele Menschen dieser Erde ein Begriff. Manche haben auch schon von »Crémant de Loire«, »Crémant d’Alsace« oder »Crémant de Bourgogne« gehört, dann hört es meistens schon auf. Das ist schade, da es wesentlich mehr zu entdecken gibt.

Crémant ist grundsätzlich erst einmal französischer Schaumwein, der ebenso nach der méthode traditionnelle oder champenoise hergestellt wird, also so wie auch Champagner, der aber nicht aus der Champagne stammt. Er wird ebenso nach der traditionellen Flaschengärung hergestellt, enthält aber meistens wesentlich weniger Druck (Bar). Kleine side note: Unter bestimmten Voraussetzungen darf auch ein deutscher Sekt »Crémant« heißen.

»Crémant de Savoie«? Davon werden die wenigsten in Deutschland bisher etwas gehört haben. Nicht einmal weinkenner.de (die Seite von Dr. Jens Priewe) listet in ihrem Online-Lexikon diesen regionalen Crémant. Seit Ende 2015 darf Schaumwein aus Savoyen, der unter bestimmten Voraussetzungen erzeugt wurde, so heißen. 60% der regionalen Rebsorten Jacquère und Altesse (auch Roussette genannt) müssen drin sein, mit insgesamt mindestens 40% Jacquère in der finalen Cuvée. Wer etwas mehr über die Weinregion Savoyen erfahren will, kann hier einen älteren Artikel von mir lesen »Savoyen für Weinhipster«.

chablis-1er-cru-vaillons-2015-dauvissat-jean-filsWeine oder Schaumweine, die das Zeug (und das Preis-Genuss-Verhältnis) für einen »Hauswein« haben, findet man nicht alle Tage. Der »Crémant 85.3« von den Brüdern Denis und Didier Berthollier von der »Domaine La Combe des Grand’Vignes« aus Chignin hat für mich aber das Zeug dazu. Was meine ich mit »Hauswein«? Einer, von dem man immer ein paar Flaschen im Keller stehen haben sollte. Dieser Crémant ist sehr vielseitig einsetzbar, aber nicht ohne eigenen Charme.

»Crémant 85.3«, Domaine La Combe des Grand’Vignes, Savoie, 12%, ca. 17€

Die Domaine La Combe des Grand’Vignes blickt auf eine sehr lange Familientradition zurück (1850), wobei erst in den Jahren 1960-1970 von einem Mischbetrieb auf Weinbau umgestellt wurde. Seit 1997 sind die Gebrüder Berthollier in Verantwortung. Beide legen großen Wert auf eine fast biodynamische Arbeitsweise und bewirtschaften so ca. 11 ha Rebfläche.

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Reben an den Hängen des Bauges-Massiv bei Chignin und Francin. Savoyen, vielleicht eine der schönsten Weinregionen der Welt?

Die Böden in Chignin, Francin und Montmélian bestehen aus Kalksteingeröll und Gletschermoräne. Die Parzellen von denen die »Cuvée 85.3« kommt sind mehr geprägt von Kalkstein und Ton. Die Cuvée enthält 60% Jacquère und 40% Chardonnay. Die Flaschengärung trat er im September 2014 an, degorgiert wurde im Oktober 2017, was wie bei einem guten Champagner auf der Flasche auch angegeben ist.

Die Farbe des »85.3« ist eher zurückhaltend, ein mittelkräftiges bis leichtes Strohgelb. Direkt nach dem Öffnen zeigt er sich vom Bouquet dezent hefig mit etwas saurem Apfel. Die Apfelnote erinnert mich tatsächlich an Champagner, ohne das dieser Schaumwein vorgibt etwas zu sein, was er eigentlich nicht ist. Später dann auch Zitrus in der Nase, weiße Blüten und weiß-fruchtiges Steinobst. Dazu gesellt sich eine leichte Würzig- und Nussigkeit. Die Perlage ist mittelfein mit einer zupackenden Säure.

Insgesamt ist dieser Crémant leicht wie eine Feder, ideal als Aperitif, zu Salat oder leichtem Seafood. Trotz seiner Leichtigkeit bleibt er jedoch niemals ausdruckslos oder flach, sondern einfach nur verdammt charmant, zart und elegant.

Mir gefällt der »Crémant 85.3« schlicht richtig gut. Seine feine Fruchtigkeit gepaart mit dezenter Mineralität und einer schwerelosen Leichtigkeit machen einfach Spaß! »85.3« ist das Synonym für trinkanimierend und Freude verbreitend, so wie guter Schaumwein sein sollte!

So lange noch nicht vergriffen, könnt ihr euch bei vinatis.de damit hier eindecken:

»Domaine La Combe des Grand’Vignes Crémant 85.3«

Fetter Chablis

Technisch gesehen gehört »Chablis« – wie auch das ganz im Süden gelegene Beaujolais – noch zur Region Burgund. Dabei ist Chablis ca. 150-160km weit vom Herzen des Burgunds, nämlich dessen Filetstück, der so genannten »Côte d’Or«, entfernt. Klima und Böden sind in Chablis etwas anders und unterscheiden sich vom restlichen Burgund, obwohl auch hier die weiße Rebsorte Chardonnay angebaut wird. Die kühleren Wetterverhältnisse, die von fossilen Muschelschalen (vielleicht haben deshalb Austern und Chablis so eine enge kulinarische Verbindung) geprägten Ton- und Kalksteinböden (Kimmeridge-Kalkmergel) bringen Weine hervor, die, wenn sie authentisch vinifiziert werden um ihr Terroir widerzuspiegeln, einzigartig sind.

Ein guter (Petit-)Chablis hat deshalb etwas karges, steinig-mineralisches, ja salziges und in seiner Jugend auch etwas robustes an sich. Lediglich die besten Premier-Cru- (40) und Grand-Cru-Lagen (7) bringen Weine hervor, die kräftiger, oft auch fruchtbetonter und langanhaltender am Gaumen sind. Guter Chablis kann lange reifen und ist geprägt von einer strahlenden Säureader.

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Fossile Böden in Chablis (© by chablis-weine.de)

Wie wetterabhängig Chablis ist, sieht man vor allem daran, wie sehr sich einzelne Jahrgänge unterscheiden können. Wer das mal praktisch ausprobieren möchte, sollte sich einen Chablis aus 2014 und 2015 vom gleichen Winzer, in gleicher Qualitätsstufe besorgen und diese parallel verkosten. Einen Premier Cru aus dem sonnenverwöhnten und etwas ungewöhnlichem Chablis-Jahr 2015 möchte ich hier gerne vorstellen:

»Vaillons«, Premier Cru, Domaine Jean Dauvissat, Chablis, 2015, 13%, ca. 37€

Zunächst einmal: Die Domaine Jean Dauvissat ist nicht zu verwechseln mit der Domaine Vincent Dauvissat. Vincent Dauvissat gilt für viele Chablis-Liebhaber zusammen mit François Raveneau als einer der besten Produzent in Chablis. Und sie ist auch nicht zu verwechseln mit der ebenso etablierten Domaine Jean et Sebastien Dauvissat (auch aus Chablis). Kompliziert, wie immer in Burgund!

Seit 2010 hat Fabien Dauvissat das Ruder auf dem Weingut in der Hand. Jean Dauvissat lieferte die Trauben noch an größere Handelshäuser, füllte selber nicht ab. Und auch heute wird nicht alles selber abgefüllt, nur die besten Parzellen. chablis-1er-cru-vaillons-2015-dauvissat-jean-filsDas Weingut muss einen enormen logistischen Aufwand bewältigen, da es 53 Parzellen (!) über 22 ha verteilt zu pflegen hat. Den größten Teil davon machen „einfache“ Chablis-Village-Lagen aus, etwas Petit-Chablis und fünf verschiedene Premier-Cru-Lagen. Der hier vorgestellte Wein kommt von einer der größten und bekanntesten Premier-Cru-Lagen: Vaillons (110 ha).

Im Glas ein eher kräftigeres Strohgelb mit leicht grünlichem Stich. Man sieht bereits an der Farbe dieses Chablis die Wärme des Jahres. Wer bei 2015 die Sprizigkeit und Säure von 2014 sucht, wird etwas enttäuscht sein. 2015 ist deutlich gefälliger.

2015 eignet sich daher ideal für Chablis-Einsteiger. Die eher zugängliche Nase erinnert zunächst nicht ausschließlich an Chablis. Gelb- und weißfruchtig (kandierte Frucht), getragen von einer leichten Salzigkeit (Jod) und einer kreidigen Art. Auch wenn die Säurestruktur vielleicht nicht typisch für einen klassischen Chablis-Jahrgang ist, ist dennoch genügend Frische vorhanden.

Vom Mundgefühl her für einen 1er Cru Chablis überraschend vollmundig, cremig, ja fast schon etwas opulent. Hat ordentlich Fleisch auf den Rippen. Mehr etwas zur Begleitung von weißem Fleisch in sahnigen Saucen oder eher öligen Fischen. Wir hatten dazu grünen Spargel, Krevetten, Baguette, Salat und eine selbst kreierte Knoblauch-Senf-Hollondaise. Ging auch gut.

Der Abgang ist enorm, sehr lang anhaltend mit einem kreidig-fruchtigem Nachklang. Kandierte Birne, mineralisch, etwas Feuerstein, aber auch etwas würziges, was mich persönlich an Anis oder Fenchelsamen erinnert. Etwas später dann metallisch-kühl und erinnerd an frischen Teig (weit hinter der reifen Opulenz, die noch immer vordergründig ist).

Am zweiten Tag dann noch würziger, in der Nase jetzt erinnernd an Schießpulver (oder China-Böller) und weißen Pfeffer. Die Frucht ist nicht mehr ganz so vordergründig. Gefällt mir an Tag zwei deutlich besser. Eine schöne Ballance zwischen Frucht und Mineralität.

Wäre interessant zu wissen wo die Reise in den nächsten Jahren bei diesem Wein hin geht. Er ist schon jetzt sehr gut trinkbar. Luft tut ihm gut. Bei vinatis.de kann man den Wein kaufen:

»Domaine Jean Dauvissat 1er Cru Vaillons 2015«

Savoyen für Weinhipster

Schon einmal von Jacquère, Mondeuse, Persan oder Roussette gehört? Ich vermute, dass die Wenigsten das haben. Fragt sich eigentlich warum? Denn die daraus gekelterten Weine dieser allesamt autochthonen Rebsorten der französischen Weinregion »Savoie« (Deutsch: »Savoyen«) können etwas Besonderes sein.

Savoyen liegt in einem Dreiländereck. Dem entsprechend bewegt ist die Historie dieser Region. Hier begegnen sich Frankreich, Schweiz und Italien. Erst seit etwa 150 Jahren ist Savoyen ein Teil Frankreichs. Gelegen in und an den französischen Alpen, nahe des Genfer Sees, unweit des Mont Blanc und dem italienischen Aosta-Tal bietet Savoyen eine sehr heterogene Landschaft mit einigen Seen, Bergen und Tälern. Es ist eine der höchstgelegenen Regionen in ganz Europa und den meisten am ehesten noch bekannt durch das Ski fahren im Winter.

Überwiegend wird hier Weiß- und Perlwein erzeugt, der zumeist sehr frisch und trinkig ausfällt und oft mit sehr moderaten Alkoholgehalten (oft zwischen 11-12%) ausgestattet ist. Ein weiteres Goody: Die Weine sind verglichen zu den nach oben schießenden Preisen anderer, bekannterer Regionen Frankreichs, noch sehr moderat bepreist. Ich vermute, dass sich dies in den nächsten Jahren ändern wird, da Savoyen – ähnlich wie das Jura – wieder hip zu werden scheint.

Ein Grund warum so wenige Weintrinker und -liebhaber die Weine der Region Savoyen schätzen, liegt wohl in der einfachen Tatsache begründet, dass die wenigsten Weine in den Export gelangen (zumindest seltenst nach Deutschland). Man kann sie fast nirgends kaufen. Vieles wird vor Ort getrunken.

So war es Anfang diesen Jahres auch mehr oder weniger ein riesiger Zufall, dass ich in einem Käseladen in Hannover auf Weine aus Savoyen stieß. Dass der Händler diese Weine zu bestimmten französischen Käsesorten verkauft, war wiederum kein Zufall, denn zu einigen passen diese frisch-mineralischen Weine sehr gut. Vor allem zu den entsprechenden Käsesorten, die selbst aus Savoyen stammen. Kein Zufall wiederum war auch, dass der Besitzer Franzose war. Was wiederum erklärt, dass er solche Weine überhaupt führte.

Kaum ein interessierter Gaumen wird jetzt nach Hannover fahren, um den besagten Käsehändler ausfindig zu machen. Muss auch niemand, denn bei vinatis.de – einem mittelständischen Weinversand aus der Haute-Savoie – genauer gesagt Annecy, gelegen am Nordufer des wunderschönen Lac d’Annecy, kann man Weine aus dieser Region direkt nach Hause bestellen. Da vinatis aus der Region kommt, führen sie Weine, an die man sonst so gut wie gar nicht in Deutschland kommt. Zwei Weine aus diesem Sortiment möchte ich gerne vorstellen.

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Lac d’Annecy

»Le Golliat«, Cru Marestel, Château de la Mar, Savoie, 2015, 12,5% oder 13%, ca. 18€

Das »Château de la Mar« liegt mitten in den Weinbergen des kleinen Ortes Jongieux. Lediglich 7 ha Weinberge gehören zum Anwesen des schön restaurierten und zum Verweilen einladenden Hotels.

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Beim »Le Golliat« handelt es sich um die einheimische Rebsorte »Roussette«, welche auch »Altesse« genannt wird. Roussette ist die hochgelobteste Weißweinsorte aus Savoyen, der das größte Potential nachgesagt wird. »Marestel« ist ein »Cru Roussette de Savoie«, d.h. auf Deutsch ein Großes Gewächs. Es gibt nur vier Crus in Savoyen, die diese Bezeichnung für einen Roussette zulassen: Marestel, Frangy, Monterminod und Monthoux.

Der »Le Golliat« hat kein Holz gesehen, sondern wurde für 1 Jahr im Stahltank auf der Feinhefe ausgebaut. Nur ca. 4000 Flaschen werden jährlich davon produziert. Er hat eine strohgoldene Farbe, eher kräftiger im Vergleich zu den meisten Weinen, die ich bisher aus Savoyen kenne. So unterscheidet sich auch das Bouquet: Aus dem Glas steigen eher reifere Noten von Aprikosen, Pfirsich, Honig, Butter, Nüssen und leicht süßlichem Gebäck empor. Alles mit einem leicht floralen Touch.

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Bei der Lese. Unten: Das Château de la Mar

Le Golliat bietet einen schönen Trinkfluss, gestützt durch eine präsente Säure und eine leichte Süße (wobei ich annehme, dass er nicht all zu viel Restzucker besitzt). Der Wein wirkt sehr kräftig und komprimiert und könnte durchaus noch etwas mehr Flaschenreife vertragen. Kleines Manko hier: Der Schaumstoffkorken, der Wein meist schneller altern lässt, als unter einem normalen Korken. Schade eigentlich, denn der Inhalt dieser Flasche besitzt durchaus die Würde für einen echten Kork.

Im Mund erinnert der Wein an kandierte Birne, hat einen leicht nussigen und mineralischen Geschmack mit einer dezenten Bitternote im Abgang. Für mich ein Wein zu weißem Fleisch wie z.B. Hähnchen Schenkel in Orangensauce. Hier kann man den neuen Jahrgang 2016 kaufen:

»Château de la Mar Le Golliat Marestel 2016«

Zu empfehlen ist auch der einzige Rotwein von Château de la Mar, der »Mondeuse«. Auch wenn dieser aktuell bei vinatis ausverkauft ist.

»Argile Blanc«, Domaine des Ardoisières, IGP Vin des Allobroges, 2016, 11%, ca. 18€

argile-2016-domaine-des-ardoisieresDie »Domaine des Ardoisières« ist ein sehr junges Weingut, welches erst 1998 ins Leben gerufen wurde. Beflügelt von einem Traum eine große, verfallene und außergewöhnliche Lage in Cevins wiederzubeleben. Derzeit sorgt die Domaine vor allem in Frankreich für Aufsehen.

Die Lagen sind mit bis zu 60% Neigung schwer zu bearbeiten, von denen inzwischen knapp 13 ha von Brice Omont, einem ehemaligen Agraringenieur aus der Champagne, und seinem Team biologisch bewirtschaftet werden.

Die Trauben für den Argile Blanc stammen aus der Region um St. Pierre de Soucy. »Argile«, was übersetzt »Ton« bedeutet (eine Anspielung auf den tonhaltigen Oberboden), ist eine Cuvée aus 40% Jacquère, 40% Chardonnay und 20% Mondeuse Blanche. Die Erträge sind minimal und liegen zwischen 15-35 Hektolitern pro Hektar. Der Argile Blanc und der Argile Rouge sind die Einstiegsweine der Domaine und zugleich dessen zugänglichsten Weine. Der Ausbau erfolgt für knapp 8 Monate zu 1/3 in gebrauchten Barriques und zu 2/3 im Edelstahl. Es wird spontan vergoren und am Ende leicht filtriert. Produktion für den Argile Blanc: Ca. 20.000 Flaschen.

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Domaine des Ardoisières: Lagen mit bis zu 60% Neigung

Im direkten Vergleich zum Le Golliat zeigt sich der Argile deutlich heller in seiner Farbe, fast schon mit minimaler Farbausprägung. Das Bouquet ist sehr zart und zurückhaltend. Es wirkt zitrisch, leicht mineralisch und hat eine funky Note, die man nicht gleich identifizieren kann. Weit entfernt im Hintergrund erkennt man einen reiferen Kern, der mich persönlich an etwas tropisches erinnert, vielleicht Litschi. Leichte Nuancen von Feuerstein oder abgebrannten Streichhölzern sind erkennbar, etwas frischer Zitronensaft mit dezenter weiß-gelber Frucht als Rückgrat.

Schöne alpine Frische beim Trinken. Sehr klar, aber auch etwas zurückhaltend, leicht medizinal und buttrig, deutlich leichter als der Le Golliat. Der Wein wirkt fast unaufgeregt, irgendwie in sich ruhend und dennoch nicht banal.

Für mich ein Seafood-Wein par exellence. Toll auch als Aperitif im Sommer oder zu leichten Speisen. Hier könnt ihr den Stoff kaufen:

»Domaine des Ardoisières Argile Blanc 2016«

Weihnachtliche Rhône

Wir steuern mit ziemlicher Sicherheit auf Weihnachten zu. In weniger als zwei Wochen ist es wieder einmal soweit. Dann kommt auch schon Silvester und wir befinden uns schneller als wir gucken können im Jahr 2018. Zumindest für mich als Pastor fühlt es sich so an, als wenn die letzten zwei Monate des Jahres an mir am vorbeirauschen sind. Pastoren arbeiten? Ja! Auch an Tagen die man nicht als „Sonntag“ bezeichnet? Jup!

Während der kommenden Feiertage gönnt man sich für gewöhnlich ja Mal etwas, z.B. einen guten Wein oder Schaumwein zu einem festlichen Essen. Welch besseres Fest gibt es dafür als Weihnachten (auch wenn die Umstände der Geburt Jesu alles andere als „festlich“ waren) und die darauf folgenden Feiertage?

Aus gegebenem Anlass möchte ich gleich drei Weine teilen, die meines Erachtens nach sehr gut zu klassischen weihnachtlichen Festtagsgerichten passen. Alle drei kommen aus dem Rhônetal und decken geografisch betrachtet quasi die Nord- bis Südachse ab. Die Weine der Nordrhône (Hauptrebsorte: Syrah) unterscheiden sich in ihrer Stilistik von denen der Südrhône (Hauptrebsorte: Grenache) nicht unerheblich. Und auch innerhalb dieser mehr als groben Aufteilung ist die Rhône äußerst vielfältig.

Die Weine der Rhône stehen anderen großen Weinregionen in nichts nach. Dennoch scheinen sie meiner Einschätzung nach beim allgemeinen Volk gegenüber Burgund oder Bordeaux irgendwie hinten dran zu sein. Warum ist für mich nicht ganz nachvollziehbar, handelt es sich doch um einzigartige Weine und um Weine, die ein winterliches Festessen bestens komplementieren.

»Côte-Rôtie Village«, Stéphane Ogier, Rhône, 2014, 12,5%, ca. 38€

Der erste Wein kommt ganz aus dem Norden, direkt unter der Stadt Vienne gelegen, von der »Côte-Rôtie«. »Côte-Rôtie« bedeutet so viel wie „geröstete Hänge/Küste“. Eine Anspielung auf die steilen und sonnendurchfluteten Hänge, die teilweise ähnlich steil sind wie an der Mosel. Der Côte-Rôtie gehört mit dem Condrieu und dem Hermitage zu den bekanntesten und nobelsten Appellationen der nördlichen Rhône. Hier spielt fast ausschließlich die Rebsorte Syrah die Hauptrolle, die mit etwas Viognier (weiß) verschnitten werden darf.

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Hänge der Côte-Rôtie

Die Nordrhône wird von ein paar großen Handelshäusern dominiert (z.B. E. Guigal oder M. Chapoutier). Die Domaine Ogier spielt hier wirtschaftlich betrachtet eher eine kleine Rolle, auch wenn Stéphane Ogier dabei ist, in andere Regionen des Rhônetals zu expandieren.

Stéphane Ogiers »Côte-Rôtie Village« wird aus 100% Syrah gekeltert und für 18 Monate im Barrique (davon zu 1/3 in Neuholz) ausgebaut. Es handelt sich um eine Blend aus verschiedenen Lagen und eher jüngeren Reben. Es ist der „kleinste“ Côtie-Rôtie von Ogier. Farblich ist der Wein ziemlich dunkel, fast ins schwarz-lila gehend, mit hellerem Rand.

cote-rotie-village-2015-domaine-ogier-d-ampuisAm ersten Tag zeigt sich dieser Côte-Rôtie sehr frisch und pfeffrig zugleich, mit schwarz-grünen Oliven, eher roten Früchten und etwas verbranntem Fleisch. Im Trunk und in der Nase schon erstaunlich zugänglich für einen so jungen Côte-Rôtie.

Vom Mundgefühl her zeigt sich dieser Syrah kühl und dennoch persistent mit einem mittel-langen Nachhall. Der Wein ist nicht breit und dennoch eng gewoben. Er wird getragen von der Säure, ist fest und strukturiert, vielleicht noch etwas zu jung, um sich in seiner ganzen Pracht zu zeigen.

Mich persönlich erinnert er tatsächlich etwas an den Côtes du Rhône der Domaine Jamet (ebenso ein sehr bekannter und kleinerer Erzeuger in der Appellation Côte-Rôtie). Nur das Ogiers Village etwas länger und tiefer ist, als Jamets Côtes du Rhône.

Am zweiten Tag in der Karaffe deutlich würziger und kräutriger. Das Bouquet hat sich mehr geöffnet und wird auch schwarzfruchtiger: Reife Blaubeeren, Pflaumen, Nelken, Paprikapulver, dezente Lakritze, dezent schokoladig mit etwas Kakao, schwarzer Pfeffer, leicht rauchig und verbrannt und etwas Oliventapenade.

Ein sehr guter Begleiter zu verschiedenen, eher gehaltvolleren Gerichten und nicht nur zu rotem Fleisch einsetzbar. Sehr gut denkbar wäre hier auch die klassische Weihnachtsgans und anderes, auch geschmortes Geflügel oder kräftige vegetarische Küche. Hier kann man den Wein kaufen:

»Domaine Ogier Côte-Rôtie Village 2015«

Hinweis: Es handelt sich bei dem Link um den aktuellen Jahrgang 2015. Beschrieben wurde hier der Jahrgang 2014. Beide Jahrgänge waren große Jahrgänge an der nördlichen Rhône!

»Hermitage«, E. Guigal, Rhône, 2011, 14%, ca. 38€

Die Domaine Guigal ist eine von den oben bereits erwähnten großen Handelshäusern der Nordrhône und wie die Domaine Ogier ansässig in der Appellation Côte-Rôtie in Ampuis. Guigal ist hier der Platzhirsch, der hier seit 2003 sogar eine eigene Tonnellerie (Küferei/Fassbinderei) betreibt. Unter anderem eben ein Händler, der Weine auch zukauft, aber bis zum einfachen »Côtes du Rhône« gute bis sehr gute Qualitäten erzeugt.

Richtig bekannt geworden ist Guigal durch seine für die Côte-Rôtie eher untypischen LaLaLa-Weine (La Landonne, La Moulin und La Turque). Diese Weine werden knapp vier Jahre lang in Neuholz ausgebaut und kosten um die 300,-€ die Flasche.

Guigal produziert jedoch auch Weine aus anderen Appellationen der Nordrhône, unter anderem einen „kleinen“ »Hermitage«, den ich hier gerne vorstellen möchte. Die Marktmacht von Guigal ist hier noch nicht ganz so groß wie an der Côte-Rôtie.

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Blick vom Hermitage-Hang auf die Stadt Tain

Der Hermitage-Hügel liegt ca. 50km südlich von der Côte-Rôtie und gebiert seit Jahrzehnten einen der berühmtesten Weine Frankreichs. Er stammt im Gegensatz zu anderen Appellationen vom gegenüberliegenden Ostufer der Rhône, die an dieser Stelle eine deutliche Kurve Richtung Osten zieht. Der Untergrund besteht hier zu einem großen Teil aus Granit, Feuer- und Kalkstein. Es ist eine kleine Region mit ca. 140ha Anbaufläche und im Prinzip ein einziger Hang mit Südausrichtung, der eben »Hermitage« heißt. Von Fotos ist vielen sicherlich die kleine Kapelle »L’Hermite«, aus dem 17. Jh. oben auf dem Kamm des Hügels, bekannt.

Guigals Hermitage hat eine sehr kräftige und dunkle Robe, auch hier ins schwarz gehend. Direkt nach dem Karaffieren sehr vom Neuholz geprägt: Vanillig und dennoch sehr charmant, ja geradezu betörend und irgendwie „sexy“.

Guigal-Web-Hermitage-RGNach fast 12 Stunden an der Luft ein super nobles Bouquet, das sich von der Beschreibung her vielleicht nicht so nobel anhören mag: Verbranntes pfeffriges Rinderfleisch, ätherisch und minzig, schwarze Oliven, Kräuter (Thymian), getragen von einer steinigen Mineralität, Lakritz und reife, saftige, schwarze Früchte. Wow!

Im Gaumen kühl und lang, aber nicht wirklich fett oder satt machend. Auch hier verbranntes Fleisch, Lakritz, reife Blaubeeren und Oliven. Der Nachhall ist sehr lang mit einer leicht bitter-süßen Note, steinig und etwas salzig, erinnernd an Lakritzpastillen. Enorme Tiefe und dennoch super Finessenreich! Der Spagat zwischen Eleganz, Wildheit und Konzentration, ja irgendwie männlich-elegant und kraftvoll. Das Tannin ist zwar immer noch vordergründig spürbar, aber nicht zu stark.

Dieser Hermitage war definitiv ein genialer Begleiter zu einem guten dry aged T-Bone-Steak. Er hat sicherlich noch mindestens 10-15 Jahre Potential zur weiteren Reife. Ein super komprimierter Wein, der dennoch nicht sattmachend ist. Fast schon ein großer Rotwein? Auf jeden Fall ist ihm schwer zu widerstehen.

Bitte mindestens 3 Stunden vor Genuss karaffieren, damit sich das volle Bouquet entfalten kann!

Den 2011er Hermitage gibt es aktuell im Weihnachtsangebot bei vinatis.de für ca. 38,-€, was ein sehr guter Preis für diesen Wein von Guigal ist:

»Domaine E. Guigal Hermitage 2011«

»Aux Lieux-Dits Gigondas«, Domaine Santa Duc, Rhône, 2013, 14%, ca. 20€

Der letzte Wein, den ich für die Fest- und Feiertage empfehlen möchte, kommt von der Südrhône, genauer gesagt von einem der »Crus« der südlichen Rhône, aus »Gigondas« und keinem geringeren als Yves Gras und der Domaine Santa Duc. Inzwischen ist auch Benjamin Gras, ein Sohn von Yves mit für die Weine verantwortlich. Bereits in der 6. Generation werden hier rund 30ha Weinberge biologisch von der Familie Gras in Gigondas bewirtschaftet.

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Yves Gras am Fuße des „Dentelles de Montmirail“

In Gigondas spielt die Rebsorte Grenache die erste Geige, die diese Cuvée zu 75% ausmacht, ergänzt durch 10% Syrah, 13% Mourvèdre und 2% Cinsault von ca. 40 Jahre alten Weinstöcken. »Aux lieux-dits« bedeutet „von verschiedenen Ortschaften“. Und so stammen die Trauben für diesen Wein aus 8 verschiedenen Ortschaften in der Region Gigondas, ausgebaut im großen Holzfass.AuxLieuxDits2014

Wie zu erwarten eine kräftige, ebenso ins schwarz gehende Farbe und direkt nach dem Öffnen leicht verhalten mit schwarzen und roten Waldbeeren, vor allem Johannisbeeren und einer schönen Würzigkeit.

Nach ca. 4 Stunden an der Luft richtig da, aber wie: Cassis, Menthol, Lakritz, Kräuter und sehr steinig. Im Mund nachhaltig und lang, aber nicht schwer, sondern richtig trinkfreudig (trotz der 14% Alkohol). Der Wein füllt alles im Mund aus und zieht sich kühl und immer kräftiger aufbauend am Gaumen entlang. Mittelkräftige und leicht mehlige Tannine lassen ihn etwas archaisch anmuten und dennoch auf einer feinen Minzenote ausklingen.

Für mich ein Wein erschaffen zu Wildgerichten, vor allem aber auch geschmorten Gerichten. Wie den Hermitage gibt es aktuell auch den Gigondas bei vinatis.de im Weihnachtsangebot für ca. 21,-€:

»Domaine Santa Duc Aux Lieux-Dits Gigondas 2013«

Joyeux Noël!

Gold aus dem Jura

Ausgefallene, kleine und etwas ins Hintertreffen geratene Weinbauregionen der Welt erleben aktuell eine echte Renaissance. Dazu gehört auch die kleine französische Weinregion »Jura« mit ihren lediglich 2000 ha Anbaufläche. Es ist eines der ältesten Weinanbaugebiete von Frankreich. Nicht ganz unschuldig an dem Revival der Weine des Jura wird das im Jahr 2014 erschiene Buch „Jura Wine“ der britischen Weinjournalistin Wink Lorch sein. Ein weiteres Buch mit dem Titel „Wines of the French Alps“ soll nächstes Jahr erscheinen.

Geografisch äußerst interessant zwischen Burgund und französischen bzw. schweizer Alpen (Juragebirge) gelegen, und durch die Reblauskatastrophe Ende des 19. Jhds. auf heute 1/10 der Anbaufläche dezimiert. Wie der Name schon andeutet prägt hier Jurakalk – ähnlich wie in Burgund – die Böden. Trotz der Herausforderungen in der Vergangenheit hat sich das Jura weiterhin kontinuierlich an ihren alten Traditionen orientiert. Dazu gehört auch der »Vin Jaune« (gelber Wein).

vin-jaune-2010-domaine-badozVin Jaune ist ein echtes Unikat aus der französischen Weinregion Jura und dem Otto Normalverbraucher in Deutschland nicht bekannt. Dies hat sicher auch mit der urfranzösischen Natur dieser Rarität zu tun, die nur ca. 5% der gesamten Produktion im Jura ausmacht. Er wird ausschließlich aus der Rebsorte Savagnin gekeltert, die außer in der Schweiz kaum noch irgendwo anzutreffen ist.

Der Wein wird oxidativ ausgebaut und muss mindestens 6 Jahre (!) im Fass reifen, bevor er auf den Markt kommen darf. Zumeist tut er dies in alten burgundischen Fässern, die von Beginn an nicht gänzlich gefüllt werden. Die Besonderheit dabei ist, dass er eben nicht wie z.B. bei einem Sherry, aufgesprittet wird, sondern unter seiner eigenen und natürlichen Florhefeschicht (franz. voile = Schleier), die eine Art Schutzfilm bildet, vor weiterer Oxidation geschützt ist. Der Inhalt der Fässer reduziert sich über die Jahre um bis zu 20-40%. Vielleicht wird er aus diesem Grund in der besonderen Flaschenform (»Clavelin«) mit einem Füllinhalt von 0,62 ml abgefüllt. Ein guter Vin Jaune kann länger als ein Menschenleben andauert gelagert werden!

„Vin Jaune“, Domaine Badoz, Côtes de Jura, 2010, 14,5%, ca. 30€

domaine-badoz-galerie-05Die Trauben für den Vin Jaune der Domaine Badoz kommen aus dem Herzen des Juragebietes um die Stadt Poligny, der Côtes de Jura. Tradition ist hier das Stichwort, denn hier wird bereits in der zehnten Generation Weinbau betrieben (seit 1659!).

Bevor Benoît Badoz im Jahre 2003 die Verantwortung für die Domaine übernahm, sammelte er zuvor Erfahrung bei Carillon in Burgund (Puligny-Montrachet) und in Bordeaux bei Château Pétrus (!) in Pomerol.

Der Vin Jaune der Domaine Badoz hat eine irre kräftige, ja tief goldene, fast schon bernsteinfarbene Robe. Direkt nach dem Karaffieren zeigt er eine sehr strenge und auch etwas alkoholische Sherrynase, Noten von Curry und Nüssen. Der Wein erinnert tatsächlich sofort an Sherry ohne ein Sherry zu sein.

Erst nach mehreren Stunden in der Karaffe beginnt sich der Stoff zu harmonisieren. Witziger Weise wird der Wein immer „frischer“. Er offeriert ein total irres Bouquet: Gewürze (Curry und Senf), Walnüsse, Honig, überreifer Apfel, aber auch knackig grüner Apfel, getrocknete Früchte wie Rosinen und auch Karamell.

Dann der erste Schluck. Verunsicherung. Im Gaumen ist der Wein ganz anders, als man ihn sich vorgestellt hat: Eine wahnsinns präzise, fast schon läserstrahlartige Säure. Auch hier Noten von grünem Apfel, Curry, anderen Gewürzen und Nüssen. Irrer Stoff! Anfänger oder unerfahrene Weintrinker wird dieser Wein zunächst verstören. Sie werden ihn nicht „verstehen“, auch wenn sich über Geschmack streiten lässt. Ein Wein für Freaks!

Nach 1-2 Tagen an der Luft wird der Wein immer weicher. Er zieht sich schlank und etwas sauer am Gaumen hinunter und endet dennoch in einem unendlich langen salzigen Abgang. Man sollte den Vin Jaune nicht zu kalt trinken, irgendwo zwischen Weiß- und Rotweintemperatur (15C°). Tut euch einen Gefallen und karaffiert den Wein mindestens 2 Stunden vor Genuss.

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Reben der Domaine Badoz

Kulinarisch total genial zu unterschiedlichsten Gerichten einsetzbar. Wir hatten ihn zuerst mit Kalbsfleisch und an einem anderen Tag mit indischer Linsensuppe, was beides sehr gut ging. Klassisch wäre Huhn bzw. ein Hahn mit Morcheln („Coq au vin jaune et morilles“), der in Vin Jaune gegart wurde. Man sagt so schön: „Das bestmögliche Ende für einen Hahn (bzw. ein Huhn).“.

Wie sehr in der Familie Badoz Essen und Wein miteinander verwoben sind, wird auch daran deutlich, dass sie eine eigene Fromagerie (Käsegeschäft) in Poligny betreiben und, wenn ich mich nicht täusche, ihr Käse bereits seit 1830 sogar aus eigener Produktion kommt (www.fromagerie-badoz.com). Ihr Wein, vor allem der Vin Jaune, ist mit ziemlicher Sicherheit ein exzellenter Begleiter des einheimischen Comté.

Dem langen Ausbau entsprechend sind diese speziellen Essenzen nicht unbedingt „günstig“. Schnell liegt bei einem Vin Jaune bei 50,-€ die Clavelin-Flasche. Der Vin Jaune der Domaine Badoz ist mit seinen 30 Euronen ein sehr gutes Preis-Genuss-Verhältnis! Man kann ihn in Deutschland, soweit ich weiß, bisher ausschließlich bei vinatis.de kaufen:

»Domaine Badoz Vin Jaune 2010«

 

Morgon 2016 von Mathieu & Camille Lapierre

Das Beaujolais ist nicht unbedingt die Weinregion, die sehr bekannt in Deutschland ist. Im Gegenteil, viele werden nicht einmal genau wissen, wo diese Weinregion in Frankreich genau liegt (nördlich von Lyon). Nach Johnson und Robinson zählt das Beaujolais zur Region Burgund, wobei sich die Weine hinsichtlich Weinbereitung und Rebsorte doch deutlich vom restlichen Burgund unterscheiden (können). Statt Pinot Noir (nördliches Burgund), spielt hier die Rebsorte Gamay die Hauptrolle, die im 15. Jhd. von Philipp dem Kühnen aus dem Norden verbannt wurde.

Auch wenn sich Rebsorte und Weinbereitung oft sehr unterscheiden, muss man zugeben, dass die besten Beaujolais-Weine in Sachen Preis-Genuss-Verhältniss so manchem teurem Burgunder den Rang ablaufen und ihnen auch sehr ähneln können.

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Camille & Mathieu Lapierre

Hinzu kommt jedoch, dass diese Region durch einen gewissen Weinstil – den Beaujolais Nouveau – seit Ende der 70ger bzw. Beginn der 80ger Jahre nicht unbedingt durch qualitative Weine hervorstach.

Gott sei Dank ist es heute nicht mehr ganz so schlecht um das Beaujolais bestellt. Die Produktion von hochwertigen, qualitativen Weinen ist deutlich gestiegen. Weltweit werden in der gehobeneren Gastronomie wieder mehr Weine aus dem Beaujolais getrunken. Auch Weintrinker bevorzugen wieder einen leichteren Weinstil und keine sirupartigen Essenzen, die man nach einen Glas nicht mehr trinken kann.

Nicht unwesentlich dazu beigetragen haben Winzer wie Marcel Lapierre, der mit Namen wie Jean Foillard ein Vorreiter der Naturweinszene („vin naturel“ oder „vin nature“) war. Leider ist Marcel Lapierre im Herbst 2010 verstorben. Man darf jedoch deutlich sagen, dass seine Kinder, Camille und Mathieu Lapierre, das Weingut mit hoher Qualität und gleicher Philosophie weiterführen. Das heißt: Macération semi-carbonique (halbe Kohlensäuremaischegärung), Spontangärung, geringe Schwefelung der Weine, keine Chaptalisierung (keine Aufzuckerung des Mostes, was weit verbreitet im Beaujolais wie im Burgund ist), behutsamer Ausbau im großen und kleinen Holzfass und keine Filtration, der auf die Flasche gezogenen Weine. Bewirtschaftet werden inzwischen ca. 16 ha Weinberge auf zertifizierte, biologische Art und Weise.

„Morgon“, M. & C. Lapierre, Beaujolais, 2016, 13%, ca. 20€

Der Wein, den ich heute vorstelle, ist so etwas wie eine Visitenkarte für das Beaujolais geworden, denn Marcel Lapierre war eine Beaujolais-Ikone. Er stammt von einem der 10 Crus des Beaujolais, Morgon. Morgon ist der zweitgrößte Cru des Beaujolais. Er verfügt über sehr interessante Bodenformationen, manganreichen Schieferböden. Die Weine aus dem Cru Morgon haben Substanz und eine gewisse Fleischigkeit. So auch der Cru von Lapierre. Die Rebstöcke sind durchschnittlich 60 Jahre alt!

domaine-marcel-lapierre-morgon-2016.jpgDer Wein besitzt eine wunderschöne und ansprechende Farbe. Man sieht sofort, dass er nicht filtriert ist. Dunkel-Lila und dennoch durschschaubar, etwas himbeer- oder granatfarben. Sehr ansprechend.

Obwohl der Wein noch sehr sehr jung ist, ist die Nase nach dem karaffieren sofort relativ offen: zu Beginn Himbeeren, sehr saftig und etwas Lakritz. Sehr einladend. Später Hagebutte, rote Waldbeeren und Gewürze. Dann auch Kirschen, Veilchen, kandierte Pralinen, Fruchtsaft. Meine Frau erinnerte der Wein an Weihnachten. „Weihnachten“ beschreibt es nach 1-2 Tagen an der Luft sehr gut.

Der Wein besitzt einen wunderbaren Trinkfluss und ein unheimlich charmantes Mundgefühl: Weich, saftig, samtiges Tannin und genügend Säure. Irgendwie schlank ohne richtig schlank zu sein. Erstaunlich langer Abgang.

Der Wein ist meiner Meinung nach äußerst vielfältig zu verschiedenen Gerichten einsetzbar. Dies passt dann sehr gut zu Mathieu Lapierres ehemaligen Beruf als Koch. Bei vinatis.de kann man sich dann auch gleich eine Magnum oder eine Doppelmagnum zulegen. Leer werden die auf jeden Fall…

»M. & C. Lapierre Morgon 2016«

»M. & C. Lapierre Morgon 2016 Magnum«

»M. & C. Lapierre Morgon 2016 Doppelmagnum / Jeroboam«