Grandios gute Rhône

Die Weihnachtszeit naht. Das ist zumindest bei mir die Zeit, in der man sich sehr wohl gut überlegt, was man kocht und was man dazu trinkt. Es ist auch die Zeit, in der man sich eine Flasche Wein aus dem Keller holt, die man sonst nicht einfach so öffnen würde. Für alle Unentschlossenen oder derzeit mehr schlecht als recht bestückten Keller möchte ich in den nächsten Wochen Weine teilen, die für die kommenden Festtage bestens geeignet sind, aber eigentlich keinen festlichen Anlass benötigen, weil sie einfach gut sind, für sich sprechen und selbst der festliche Anlass sein können (Fest- und Feiertage hin oder her).

Eine Region die meiner Meinung nach sehr gut zur aktuellen Jahreszeit und zu weihnachtlichen Gerichten passt, ist und bleibt die Rhône. Dazu hatte ich letztes Jahr bereits einen Artikel mit dem Titel »Weihnachtliche Rhône« veröffentlicht, in dem ich drei verschiedene Weine aus unterschiedlichen Appellationen vorgestellt hatte (einen »Côtie-Rôtie«, einen »Hermitage« und einen »Gigondas«). Aus derselben Region möchte ich heute zwei sehr gute Weine mit euch teilen.

Ich muss zugeben, dass ich inzwischen Weine der nördlichen Rhône in mein Wein-Herz geschlossen habe. Die Rebsorte Syrah bringt hier einfach eine eigene Stilistik und Charakteristik hervor, die für mich bisher einzigartig geblieben ist. Nur knapp 10% der gesamten Produktion der Rhône stammen von hier. Eine wahrlich große Region (im Sinne von »herausragend«), aber bei vielen Deutschen noch immer eher unbekannte Appellation, ist »Côte-Rôtie«. Was mich zum ersten Wein bringt:

»Côte-Rôtie Champon’s«, Domaine Pichat, Rhône, 2016, 13%, ca. 34€

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Irgendwie mag ich seine Weinlabels…

Schon seit Monaten war ich interessiert daran, die Weine der kleinen »Domaine Pichat« aus Ampuis zu probieren. Dessen Weine sind in Deutschland so gut wie gar nicht zu bekommen. Ich meine vinatis ist der einzige Händler, um sie in Deutschland zu beziehen. So viel vorab: Ich sollte nicht enttäuscht werden!

Die Domaine Pichat ist noch relativ jung und vermarktet im Prinzip erst seit dem Jahr 2000 ihre Weine unter eigenem Label. Stéphane begann damals mit knapp 900 Flaschen pro Jahr. Sein Vater verkaufte die Trauben noch an die großen Handelshäuser der nördlichen Rhône. Aktuell bewirtschaftet Stéphane Pichat lediglich knapp 5ha Weinberge. Im Vergleich zu den dominierenden großen Playern der nördlichen Rhône (allein E. Guigal vinifiziert laut Johnson und Robinson 40% der hier gelesenen Trauben!) also ein unscheinbar kleines Weingut, aber mit fantastischer Qualität, wie dieser Côte-Rôtie eindrucksvoll beweist.

 

 

Pressailles
Auch wenn Stéphane Pichat erst seit 2000 selbst abfüllt, Weinbau hat in der Familie seit Generationen Tradition. © Domaine Pichat

Die Cuvée »Champon’s« besteht aus 98% Syrah und 2% der weißen Rebsorte Viognier. Eine klassische Assemblage also. 90% der verarbeiteten Trauben stammen aus der Lage »Le Champon«, die restlichen 10% von »Cognet« und »Le Plomb«. Die Trauben stammen also vom nördlichen Teil der »Côte-Rôtie« und somit von Schieferböden (der südliche Teil besteht überwiegend aus Gneis). Der Wein lag für 2 Jahre in 30-40% neuen und 60-70% ein- bis viertbelegten 300 Liter-Fässern. Der Neuholzeinfluss wurde über die Jahre immer mehr reduziert. Stéphane schönt und filtriert seine Weine nicht. Das Ergebnis kann sich mehr als sehen lassen!

Sehr saftige und dunkle Farbe, fast ins schwarz gehend. Der erste Eindruck ist recht offen mit Blaubeeren, dezenter Vanillenote, Kirschen und etwas Pflaume. Vielleicht auch an Maulbeere und Hagebutte erinnernd. Alles in sich „kühl“ wirkend. Sehr elegant und komprimiert, dennoch saftig.

Nach dem ersten Schluck weiß man sofort, dass dieser Syrah noch blutjung ist und am Anfang seiner Karriere steht. Das Tanningerüst ist zwar weich, aber dennoch recht stämmig und kräftig. Am Gaumen zupackend mit griffigem Tannin, das über die Jahre noch abschmelzen wird, und schon jetzt stützend für eine eher deftige Küche ist (z.B. Rindersteaks).

»Champon’s« ist ein muskulöser Wein mit ausgezeichneter Struktur, wenn auch so jung noch etwas „hart“ wirkend. Von vorne bis hinten zeigt er deutliche Geradlinigkeit, die mir sehr gefällt. Er wirkt eher dunkelbeerig, dabei aber überhaupt nicht „gekocht“. Im Gegenteil: Frische, knackige Beeren dominieren das Bouquet, untermalt von einer erdigen Note. Die Nase ist sehr sehr fein gewoben, ist elegant und zeigt eine leichte Süße.

Das ist richtig gefühlvoll und fein gearbeitet, aber auch irgendwie offen und ansprechend für Jedermann. Ein echter Charmör und gleichzeitig ein elegantes Kraftpaket! Da ist viel Potential für die nächsten 2 Jahrzehnte, lässt sich aber schon jetzt sehr gut mit Essen genießen. Ein wunderbarer Côte-Rôtie von Pichat, der bei mir Lust auf mehr von ihm macht, auch auf seinen „einfachen“ Syrah »Côtes de Verenay«. Wer noch nie einen »Côtie-Rôtie« im Glas hatte, macht hier wirklich gar nichts falsch, um das mal zu ändern. Bei vinatis.de könnt ihr seine Weine kaufen:

»Domaine Pichat Côtie-Rôtie Champon’s 2016«

»Vinatis Domaine Pichat«

»Vinatis Côtie-Rôtie«

Der zweite Wein stammt aus der „Namedropping“-Region »Châteauneuf-du-Pape« (zu Deutsch »Neues Schloss des Papstes«) und von keinem geringeren als einem der führenden Önologen der südlichen Rhône, Xavier Vignon.

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Der Mann der Stunde: Xavier Vignon. © xaviervignon.com

»Châteauneuf-du-Pape« (= CdP) ist wohl – auch schon vom Namen her – die bekannteste Region der Rhône. Hier residierten ehemals im Sommer nicht nur Päpste (bzw. in Avignon), wie auch immer man über das Papsttum oder die katholische Kirche denken mag, hier wurde 1929 auch der Grundstein des heutigen AOC-Systems Frankreichs gelegt.

In CdP entstehen vor allem ziemlich kräftige und alkoholreiche Rotweine (90% der Produktion), die meistens hauptsächlich aus Grenache bestehen, aber rein theoretisch mit bis zu 18 anderen Rebsorten (u.a. auch weißen) verschnitten werden. Das Xavier Vignon ein Meister der marriage bzw. assemblage (Vermählung von Rebsorten) ist, wird an seiner »Cuvée Anonyme« exemplarisch deutlich.

CdP ist bekannt für die großen runden Kieselsteine (franz. galet), die den Boden prägen und die Hitze des Tages auch für die Nacht speichern. Wenn man jedoch einen genaueren Blick auf die Bodenformationen von CdP wirft, wird einem schnell klar, dass die Böden doch sehr unterschiedlich sein können. Die knochigen Reben stehen hier größtenteils unerzogen mitten in den Kieselbetten. So knochig und kantig fallen auch klassische CdPs aus, ganz anders verhält es sich bei Xaviers »Cuvée Anonyme«.

»Cuvée Anonyme Châteauneuf-du-Pape«, Domaine Xavier Vignon, Rhône, 2012, 15%, ca. 39€

chateauneuf-du-pape-cuvee-anonyme-2012-xavier-vignonDie erste Nase zeigt sich steinig-mehlig mit kräuterig-ätherischem Touch und schwarzer Frucht. Die 15 Umdrehungen sind sehr gut eingebunden und nicht spürbar. Tatsächlich eine Mischung aus Kraft und spielerischer Leichtigkeit.

Auch am Gaumen zeigt er sich – direkt nach dem Öffnen – leicht mehlig mit etwas Lakritz. Nach ein paar Stunden Zeit in der Karaffe offenbart er sich immer mehr in seiner poliert wirkenden Art. Sehr feinkörniges Tannin. Dicht gewoben, aber ohne ein Gramm Fett. Ein gaumenschmeichelnder CdP!

Nach ein paar Stunden an der Luft deutliche Noten von Brombeeren, Süßholz, feiner dunkler Schokolade, Pflaumen und dezenter Lakritz. Das Bouquet ist nicht aufdringlich in seiner Machart, sondern eher subtil, nobel und poliert.

Am zweiten Tag gemahlene Steine und Lakritz, umwoben von schwarzer Beerenfrucht. Enorm lang und kräftig, aber nicht überbordend, sondern fast „frisch“ wirkend. Ein CdP, dem auch ein großes Burgunderglas steht. Hier mit Noten von Cassis, feinem Meersalz, Hagebutte, Kräutern und einer feinen Süße (vielleicht erinnernd an süßliches Paprikapulver). Schmiegt sich jetzt gänzlich wie Samt an den Gaumen und offeriert dabei Noten von (herbem) Kakao.

Ich hatte bisher selten einen Wein mit 15% im Glas den man so gerne „trinkt“ und der dennoch so dicht gewoben ist. Bei all dem muss man sich bewusst sein, dass Xavier Vignon als négociant arbeitet, d.h. er kauft das Traubengut lediglich an, was ihm durch seine Kontakte und Verwurzelung in der Region sicherlich nicht all zu schwer fallen dürfte. Chapeau Monsieur Vignon!

Wer vorerst einen visuellen anstatt einen sensorischen Eindruck von CdP gewinnen will, wird in diesem Video fündig:

Für einen sensorischen Eindruck von diesem CdP und den Weinen von Xavier Vignon generell, bitte hier klicken:

»Domaine Xavier Vignon Cuvée Anonyme Châteauneuf-du-Pape 2012«

»Vinatis Domaine Xavier Vignon«

»Vinatis Châteauneuf-du-Pape«

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