Weihnachtliche Rhône

Wir steuern mit ziemlicher Sicherheit auf Weihnachten zu. In weniger als zwei Wochen ist es wieder einmal soweit. Dann kommt auch schon Silvester und wir befinden uns schneller als wir gucken können im Jahr 2018. Zumindest für mich als Pastor fühlt es sich so an, als wenn die letzten zwei Monate des Jahres an mir am vorbeirauschen sind. Pastoren arbeiten? Ja! Auch an Tagen die man nicht als „Sonntag“ bezeichnet? Jup!

Während der kommenden Feiertage gönnt man sich für gewöhnlich ja Mal etwas, z.B. einen guten Wein oder Schaumwein zu einem festlichen Essen. Welch besseres Fest gibt es dafür als Weihnachten (auch wenn die Umstände der Geburt Jesu alles andere als „festlich“ waren) und die darauf folgenden Feiertage?

Aus gegebenem Anlass möchte ich gleich drei Weine teilen, die meines Erachtens nach sehr gut zu klassischen weihnachtlichen Festtagsgerichten passen. Alle drei kommen aus dem Rhônetal und decken geografisch betrachtet quasi die Nord- bis Südachse ab. Die Weine der Nordrhône (Hauptrebsorte: Syrah) unterscheiden sich in ihrer Stilistik von denen der Südrhône (Hauptrebsorte: Grenache) nicht unerheblich. Und auch innerhalb dieser mehr als groben Aufteilung ist die Rhône äußerst vielfältig.

Die Weine der Rhône stehen anderen großen Weinregionen in nichts nach. Dennoch scheinen sie meiner Einschätzung nach beim allgemeinen Volk gegenüber Burgund oder Bordeaux irgendwie hinten dran zu sein. Warum ist für mich nicht ganz nachvollziehbar, handelt es sich doch um einzigartige Weine und um Weine, die ein winterliches Festessen bestens komplementieren.

»Côte-Rôtie Village«, Stéphane Ogier, Rhône, 2014, 12,5%, ca. 38€

Der erste Wein kommt ganz aus dem Norden, direkt unter der Stadt Vienne gelegen, von der »Côte-Rôtie«. »Côte-Rôtie« bedeutet so viel wie „geröstete Hänge/Küste“. Eine Anspielung auf die steilen und sonnendurchfluteten Hänge, die teilweise ähnlich steil sind wie an der Mosel. Der Côte-Rôtie gehört mit dem Condrieu und dem Hermitage zu den bekanntesten und nobelsten Appellationen der nördlichen Rhône. Hier spielt fast ausschließlich die Rebsorte Syrah die Hauptrolle, die mit etwas Viognier (weiß) verschnitten werden darf.

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Hänge der Côte-Rôtie

Die Nordrhône wird von ein paar großen Handelshäusern dominiert (z.B. E. Guigal oder M. Chapoutier). Die Domaine Ogier spielt hier wirtschaftlich betrachtet eher eine kleine Rolle, auch wenn Stéphane Ogier dabei ist, in andere Regionen des Rhônetals zu expandieren.

Stéphane Ogiers »Côte-Rôtie Village« wird aus 100% Syrah gekeltert und für 18 Monate im Barrique (davon zu 1/3 in Neuholz) ausgebaut. Es handelt sich um eine Blend aus verschiedenen Lagen und eher jüngeren Reben. Es ist der „kleinste“ Côtie-Rôtie von Ogier. Farblich ist der Wein ziemlich dunkel, fast ins schwarz-lila gehend, mit hellerem Rand.

cote-rotie-village-2015-domaine-ogier-d-ampuisAm ersten Tag zeigt sich dieser Côte-Rôtie sehr frisch und pfeffrig zugleich, mit schwarz-grünen Oliven, eher roten Früchten und etwas verbranntem Fleisch. Im Trunk und in der Nase schon erstaunlich zugänglich für einen so jungen Côte-Rôtie.

Vom Mundgefühl her zeigt sich dieser Syrah kühl und dennoch persistent mit einem mittel-langen Nachhall. Der Wein ist nicht breit und dennoch eng gewoben. Er wird getragen von der Säure, ist fest und strukturiert, vielleicht noch etwas zu jung, um sich in seiner ganzen Pracht zu zeigen.

Mich persönlich erinnert er tatsächlich etwas an den Côtes du Rhône der Domaine Jamet (ebenso ein sehr bekannter und kleinerer Erzeuger in der Appellation Côte-Rôtie). Nur das Ogiers Village etwas länger und tiefer ist, als Jamets Côtes du Rhône.

Am zweiten Tag in der Karaffe deutlich würziger und kräutriger. Das Bouquet hat sich mehr geöffnet und wird auch schwarzfruchtiger: Reife Blaubeeren, Pflaumen, Nelken, Paprikapulver, dezente Lakritze, dezent schokoladig mit etwas Kakao, schwarzer Pfeffer, leicht rauchig und verbrannt und etwas Oliventapenade.

Ein sehr guter Begleiter zu verschiedenen, eher gehaltvolleren Gerichten und nicht nur zu rotem Fleisch einsetzbar. Sehr gut denkbar wäre hier auch die klassische Weihnachtsgans und anderes, auch geschmortes Geflügel oder kräftige vegetarische Küche. Hier kann man den Wein kaufen:

»Domaine Ogier Côte-Rôtie Village 2015«

Hinweis: Es handelt sich bei dem Link um den aktuellen Jahrgang 2015. Beschrieben wurde hier der Jahrgang 2014. Beide Jahrgänge waren große Jahrgänge an der nördlichen Rhône!

»Hermitage«, E. Guigal, Rhône, 2011, 14%, ca. 38€

Die Domaine Guigal ist eine von den oben bereits erwähnten großen Handelshäusern der Nordrhône und wie die Domaine Ogier ansässig in der Appellation Côte-Rôtie in Ampuis. Guigal ist hier der Platzhirsch, der hier seit 2003 sogar eine eigene Tonnellerie (Küferei/Fassbinderei) betreibt. Unter anderem eben ein Händler, der Weine auch zukauft, aber bis zum einfachen »Côtes du Rhône« gute bis sehr gute Qualitäten erzeugt.

Richtig bekannt geworden ist Guigal durch seine für die Côte-Rôtie eher untypischen LaLaLa-Weine (La Landonne, La Moulin und La Turque). Diese Weine werden knapp vier Jahre lang in Neuholz ausgebaut und kosten um die 300,-€ die Flasche.

Guigal produziert jedoch auch Weine aus anderen Appellationen der Nordrhône, unter anderem einen „kleinen“ »Hermitage«, den ich hier gerne vorstellen möchte. Die Marktmacht von Guigal ist hier noch nicht ganz so groß wie an der Côte-Rôtie.

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Blick vom Hermitage-Hang auf die Stadt Tain

Der Hermitage-Hügel liegt ca. 50km südlich von der Côte-Rôtie und gebiert seit Jahrzehnten einen der berühmtesten Weine Frankreichs. Er stammt im Gegensatz zu anderen Appellationen vom gegenüberliegenden Ostufer der Rhône, die an dieser Stelle eine deutliche Kurve Richtung Osten zieht. Der Untergrund besteht hier zu einem großen Teil aus Granit, Feuer- und Kalkstein. Es ist eine kleine Region mit ca. 140ha Anbaufläche und im Prinzip ein einziger Hang mit Südausrichtung, der eben »Hermitage« heißt. Von Fotos ist vielen sicherlich die kleine Kapelle »L’Hermite«, aus dem 17. Jh. oben auf dem Kamm des Hügels, bekannt.

Guigals Hermitage hat eine sehr kräftige und dunkle Robe, auch hier ins schwarz gehend. Direkt nach dem Karaffieren sehr vom Neuholz geprägt: Vanillig und dennoch sehr charmant, ja geradezu betörend und irgendwie „sexy“.

Guigal-Web-Hermitage-RGNach fast 12 Stunden an der Luft ein super nobles Bouquet, das sich von der Beschreibung her vielleicht nicht so nobel anhören mag: Verbranntes pfeffriges Rinderfleisch, ätherisch und minzig, schwarze Oliven, Kräuter (Thymian), getragen von einer steinigen Mineralität, Lakritz und reife, saftige, schwarze Früchte. Wow!

Im Gaumen kühl und lang, aber nicht wirklich fett oder satt machend. Auch hier verbranntes Fleisch, Lakritz, reife Blaubeeren und Oliven. Der Nachhall ist sehr lang mit einer leicht bitter-süßen Note, steinig und etwas salzig, erinnernd an Lakritzpastillen. Enorme Tiefe und dennoch super Finessenreich! Der Spagat zwischen Eleganz, Wildheit und Konzentration, ja irgendwie männlich-elegant und kraftvoll. Das Tannin ist zwar immer noch vordergründig spürbar, aber nicht zu stark.

Dieser Hermitage war definitiv ein genialer Begleiter zu einem guten dry aged T-Bone-Steak. Er hat sicherlich noch mindestens 10-15 Jahre Potential zur weiteren Reife. Ein super komprimierter Wein, der dennoch nicht sattmachend ist. Fast schon ein großer Rotwein? Auf jeden Fall ist ihm schwer zu widerstehen.

Bitte mindestens 3 Stunden vor Genuss karaffieren, damit sich das volle Bouquet entfalten kann!

Den 2011er Hermitage gibt es aktuell im Weihnachtsangebot bei vinatis.de für ca. 38,-€, was ein sehr guter Preis für diesen Wein von Guigal ist:

»Domaine E. Guigal Hermitage 2011«

»Aux Lieux-Dits Gigondas«, Domaine Santa Duc, Rhône, 2013, 14%, ca. 20€

Der letzte Wein, den ich für die Fest- und Feiertage empfehlen möchte, kommt von der Südrhône, genauer gesagt von einem der »Crus« der südlichen Rhône, aus »Gigondas« und keinem geringeren als Yves Gras und der Domaine Santa Duc. Inzwischen ist auch Benjamin Gras, ein Sohn von Yves mit für die Weine verantwortlich. Bereits in der 6. Generation werden hier rund 30ha Weinberge biologisch von der Familie Gras in Gigondas bewirtschaftet.

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Yves Gras am Fuße des „Dentelles de Montmirail“

In Gigondas spielt die Rebsorte Grenache die erste Geige, die diese Cuvée zu 75% ausmacht, ergänzt durch 10% Syrah, 13% Mourvèdre und 2% Cinsault von ca. 40 Jahre alten Weinstöcken. »Aux lieux-dits« bedeutet „von verschiedenen Ortschaften“. Und so stammen die Trauben für diesen Wein aus 8 verschiedenen Ortschaften in der Region Gigondas, ausgebaut im großen Holzfass.AuxLieuxDits2014

Wie zu erwarten eine kräftige, ebenso ins schwarz gehende Farbe und direkt nach dem Öffnen leicht verhalten mit schwarzen und roten Waldbeeren, vor allem Johannisbeeren und einer schönen Würzigkeit.

Nach ca. 4 Stunden an der Luft richtig da, aber wie: Cassis, Menthol, Lakritz, Kräuter und sehr steinig. Im Mund nachhaltig und lang, aber nicht schwer, sondern richtig trinkfreudig (trotz der 14% Alkohol). Der Wein füllt alles im Mund aus und zieht sich kühl und immer kräftiger aufbauend am Gaumen entlang. Mittelkräftige und leicht mehlige Tannine lassen ihn etwas archaisch anmuten und dennoch auf einer feinen Minzenote ausklingen.

Für mich ein Wein erschaffen zu Wildgerichten, vor allem aber auch geschmorten Gerichten. Wie den Hermitage gibt es aktuell auch den Gigondas bei vinatis.de im Weihnachtsangebot für ca. 21,-€:

»Domaine Santa Duc Aux Lieux-Dits Gigondas 2013«

Joyeux Noël!

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