Cabernet Franc in seiner denkbar pursten Form

Hin und wieder – wenn auch sehr sehr selten – begegnet man Weinen, die im Preis-Genuss-Verhältnis einfach eine Ausnahme zur breiten Norm bilden. Die Loire ist in diesem Zusammenhang für mich persönlich nicht unbedingt eine Fundgrube. Dies mag zu einem großen Teil auch daran liegen, dass die Loire aktuell nicht unbedingt eine Region ist, mit der ich mich viel beschäftige. Und es hat auch damit zu tun, dass meine ersten Erfahrungen mit Rotweinen der Loire – um ehrlich zu sein – eher grausam waren.

Im Mai 2018 hatte ich mehr oder weniger „aus der Hüfte heraus“ vermutet das Thierry Germains »Les Roches« der denkbar beste Einstiegswein in die Welt des Cabernet Franc der Loire sein könnte. Heute, also ca. ein Jahr später, muss ich bekennen, dass der Einstiegswein »Clos Mazurique« von Arnaud Lambert ziemlich nah an den »Les Roches« von Germain herankommt (wobei mir persönlich der Les Roches noch einen Tick besser gefällt). Er liegt aktuell preislich sogar noch darunter und stammt ebenfalls aus Saumur, genauer gesagt von einem clos (ein umfriedeter Weinberg, der aus einem guten Grund vor langer Zeit mit einer Mauer umzogen wurde) der großen Lage »Brézé«.

Chenin-Blanc-Liebhabern zaubert dieser Lagen- und Gemeindenamen ein breites Lächeln auf die Lippen. Sie denken in erster Linie an die trockenen Weißweine der Kult-Domaine »Clos Rougeard« oder die Weine der »Domaine Guiberteau«. Jemand, der sich voraussichtlich in den nächsten Jahren auf einem ähnlich hohen Niveau ansiedeln dürfte, ist der eben schon genannte Arnaud Lambert.

Arnaud Lambert im »Clos de la Rue«. © http://www.thesourceimports.com

Dabei steht es aktuell eigentlich gar nicht so gut um die Weine aus Brézé, auch wenn Wein aus der Gemeinde Brézé geschichtlich gesehen in vergangenen Zeiten einen ausgezeichneten Ruf genoss. Ja scheinbar sogar so gut, dass Brézé-Wein etwa so viel Wert war wie Wein von »Château d’Yquem«. Das ist heute leider nicht mehr der Fall, da der größte Teil von Brézé nicht für Qualitätsweinbau genutzt wurde und noch wird. Man fragt sich warum? Und wie konnte es dazu kommen? Aber das ist eine andere Geschichte…

Yves Lambert – Arnauds Vater, der leider bereits im Jahr 2011 verstorben ist – gründete im Jahr 1996 als Quereinsteiger aus der Finanzbranche die »Domaine de Saint-Just« in Saint-Cyr-en-Bourg. Arnaud stieg nach Önologiestudium und diversen Weiterbildungen, hauptsächlich im önologischen Bereich, im Jahr 2005 mit in das väterliche und noch immer sehr junge Weingut ein. Arnaud ist eine Person, die sich kontinuierlich weitergebildet und entwickelt hat, um ein besserer vigneron zu werden.

Im Jahr 2005 kamen die Lamberts durch freundschaftliche Beziehungen zu den Besitzern des »Château de Brézé« an ca. 20ha (11ha weiß, 9ha rot) der besten Weinlagen in Brézé. Darunter befanden sich 8 von 13 (!) vorhanden clos in Brézé! Der Zustand, in dem Arnaud die Lagen übernommen hat, war nach eigener Aussage eine Katastrophe. Der Oberboden war durch die chemische Bewirtschaftung der Reben über Jahrzehnte hinweg quasi tot. In Zusammenarbeit mit seinem Vater stellte Arnaud Stück für Stück auf ökologischen Weinbau um, um die Böden und Reben „wiederzubeleben“. Verkostet man Arnauds einfachsten Saumur Rouge (eben den Clos Mazurique), scheint die Reanimation gelungen zu sein.

Den clos Mazurique wählte er aus einem einfachen Grund für seinen Saumur Rouge, es war der größte zusammenhänge und mit Cabernet Franc bestockte clos. Ja, irgendwie fast verrückt, dass dieser „10-Euro-Wein“ aus einem eigenen clos stammt. Arnaud fermentiert und baut den Wein bewusst nur kurz im Stahltank aus (ich meine nur 6 Monate), was zu einem puren, aromatischen und saftigem Stil führt. Das ist für mich sehr purer Ausdruck des Cabernet Franc, wie man ihn eigentlich nur von der Loire kennt. Sehr aromatisch und in einem guten Sinne „fruchtig“. Für jeden Weintrinker gut „zu verstehen“ – und vor allem zu trinken – und dennoch keine Sekunde oberflächlich.

»Clos Mazurique«, Domaine Arnaud Lambert, Loire, Saumur (Brézé), 2018, 13%, ca. 10€clos-mazurique-2018-chateau-de-breze

Farblich zeigt sich dieser Cabernet Franc mit durchaus intensiver lila Robe (auch wenn der Most nur kurz mazeriert wurde) und leichter Transparenz. Das Bouquet ist wie bereits erwähnt sehr aromatisch, fruchtig, leicht wild und irgendwie puristisch. Der typische Pfeffer des Cabernet Franc ist wahrnehmbar, dazu Kräuter, Kirsche und Lakritz (auch ohne Holzeinfluss). Hat bereits eine schöne Tiefe und Substanz in der Nase.

Im Trunk mit einer gewissen Leichtfüssigkeit durch die vorhandene Säurestruktur und dennoch mit einem recht langen Abgang, wie ich finde. Auch hier pfeffrig, an Pflaumen, Zwetschgen, Lakritz und eher dunkle Kirschen erinnernd. Das ist sehr saftig und frisch, ja trinkig. Kaum störendes Tannin ist vorhanden, wenn auch spürbar, was dem Wein ein gewisses Rückrat verleiht. Am zweiten Tag wirkt er fast schon etwas weihnachtlich von der Nase her und erinnert mich zunehmend an Kirsche und auch etwas Zimt. Auch die Pfeffrigkeit hat jetzt abgenommen. Er wirkt jetzt fruchtbetonter als am ersten Tag. Eine echte Überraschung dieser Einstiegs-Saumur-Rouge aus einer Monopollage in Brézé.

Um es in den Worten von Hendrik Thoma zu formulieren: Das ist richtig viel „Spaß im Glas“ (für wenig Geld)! Definitiv ein echter Weinwert, der von mir bereits schon nachbestellt wurde. In den nächsten Jahren werden die Preise von Arnauds Weinen mit Sicherheit steigen, aber auch an Feinheit und Präzision dazugewinnen. Da bin ich mir sicher. Solch einem ansprechenden Rotwein in der Kategorie 10,-€ begegne ich seltenst. Auf vinatis.de könnt ihr Arnauds »Clos Mazurique« kaufen:

»Domaine Arnaud Lambert Clos Mazurique 2018«

»Domaine Arnaud Lambert / Château de Brézé«

»Vinatis Loire«

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