Cabernet Franc in seiner denkbar pursten Form

Hin und wieder – wenn auch sehr sehr selten – begegnet man Weinen, die im Preis-Genuss-Verhältnis einfach eine Ausnahme zur breiten Norm bilden. Die Loire ist in diesem Zusammenhang für mich persönlich nicht unbedingt eine Fundgrube. Dies mag zu einem großen Teil auch daran liegen, dass die Loire aktuell nicht unbedingt eine Region ist, mit der ich mich viel beschäftige. Und es hat auch damit zu tun, dass meine ersten Erfahrungen mit Rotweinen der Loire – um ehrlich zu sein – eher grausam waren.

Im Mai 2018 hatte ich mehr oder weniger „aus der Hüfte heraus“ vermutet das Thierry Germains »Les Roches« der denkbar beste Einstiegswein in die Welt des Cabernet Franc der Loire sein könnte. Heute, also ca. ein Jahr später, muss ich bekennen, dass der Einstiegswein »Clos Mazurique« von Arnaud Lambert ziemlich nah an den »Les Roches« von Germain herankommt (wobei mir persönlich der Les Roches noch einen Tick besser gefällt). Er liegt aktuell preislich sogar noch darunter und stammt ebenfalls aus Saumur, genauer gesagt von einem clos (ein umfriedeter Weinberg, der aus einem guten Grund vor langer Zeit mit einer Mauer umzogen wurde) der großen Lage »Brézé«.

Chenin-Blanc-Liebhabern zaubert dieser Lagen- und Gemeindenamen ein breites Lächeln auf die Lippen. Sie denken in erster Linie an die trockenen Weißweine der Kult-Domaine »Clos Rougeard« oder die Weine der »Domaine Guiberteau«. Jemand, der sich voraussichtlich in den nächsten Jahren auf einem ähnlich hohen Niveau ansiedeln dürfte, ist der eben schon genannte Arnaud Lambert.

Arnaud Lambert im »Clos de la Rue«. © http://www.thesourceimports.com

Dabei steht es aktuell eigentlich gar nicht so gut um die Weine aus Brézé, auch wenn Wein aus der Gemeinde Brézé geschichtlich gesehen in vergangenen Zeiten einen ausgezeichneten Ruf genoss. Ja scheinbar sogar so gut, dass Brézé-Wein etwa so viel Wert war wie Wein von »Château d’Yquem«. Das ist heute leider nicht mehr der Fall, da der größte Teil von Brézé nicht für Qualitätsweinbau genutzt wurde und noch wird. Man fragt sich warum? Und wie konnte es dazu kommen? Aber das ist eine andere Geschichte…

Yves Lambert – Arnauds Vater, der leider bereits im Jahr 2011 verstorben ist – gründete im Jahr 1996 als Quereinsteiger aus der Finanzbranche die »Domaine de Saint-Just« in Saint-Cyr-en-Bourg. Arnaud stieg nach Önologiestudium und diversen Weiterbildungen, hauptsächlich im önologischen Bereich, im Jahr 2005 mit in das väterliche und noch immer sehr junge Weingut ein. Arnaud ist eine Person, die sich kontinuierlich weitergebildet und entwickelt hat, um ein besserer vigneron zu werden.

Im Jahr 2005 kamen die Lamberts durch freundschaftliche Beziehungen zu den Besitzern des »Château de Brézé« an ca. 20ha (11ha weiß, 9ha rot) der besten Weinlagen in Brézé. Darunter befanden sich 8 von 13 (!) vorhanden clos in Brézé! Der Zustand, in dem Arnaud die Lagen übernommen hat, war nach eigener Aussage eine Katastrophe. Der Oberboden war durch die chemische Bewirtschaftung der Reben über Jahrzehnte hinweg quasi tot. In Zusammenarbeit mit seinem Vater stellte Arnaud Stück für Stück auf ökologischen Weinbau um, um die Böden und Reben „wiederzubeleben“. Verkostet man Arnauds einfachsten Saumur Rouge (eben den Clos Mazurique), scheint die Reanimation gelungen zu sein.

Den clos Mazurique wählte er aus einem einfachen Grund für seinen Saumur Rouge, es war der größte zusammenhänge und mit Cabernet Franc bestockte clos. Ja, irgendwie fast verrückt, dass dieser „10-Euro-Wein“ aus einem eigenen clos stammt. Arnaud fermentiert und baut den Wein bewusst nur kurz im Stahltank aus (ich meine nur 6 Monate), was zu einem puren, aromatischen und saftigem Stil führt. Das ist für mich sehr purer Ausdruck des Cabernet Franc, wie man ihn eigentlich nur von der Loire kennt. Sehr aromatisch und in einem guten Sinne „fruchtig“. Für jeden Weintrinker gut „zu verstehen“ – und vor allem zu trinken – und dennoch keine Sekunde oberflächlich.

»Clos Mazurique«, Domaine Arnaud Lambert, Loire, Saumur (Brézé), 2018, 13%, ca. 10€clos-mazurique-2018-chateau-de-breze

Farblich zeigt sich dieser Cabernet Franc mit durchaus intensiver lila Robe (auch wenn der Most nur kurz mazeriert wurde) und leichter Transparenz. Das Bouquet ist wie bereits erwähnt sehr aromatisch, fruchtig, leicht wild und irgendwie puristisch. Der typische Pfeffer des Cabernet Franc ist wahrnehmbar, dazu Kräuter, Kirsche und Lakritz (auch ohne Holzeinfluss). Hat bereits eine schöne Tiefe und Substanz in der Nase.

Im Trunk mit einer gewissen Leichtfüssigkeit durch die vorhandene Säurestruktur und dennoch mit einem recht langen Abgang, wie ich finde. Auch hier pfeffrig, an Pflaumen, Zwetschgen, Lakritz und eher dunkle Kirschen erinnernd. Das ist sehr saftig und frisch, ja trinkig. Kaum störendes Tannin ist vorhanden, wenn auch spürbar, was dem Wein ein gewisses Rückrat verleiht. Am zweiten Tag wirkt er fast schon etwas weihnachtlich von der Nase her und erinnert mich zunehmend an Kirsche und auch etwas Zimt. Auch die Pfeffrigkeit hat jetzt abgenommen. Er wirkt jetzt fruchtbetonter als am ersten Tag. Eine echte Überraschung dieser Einstiegs-Saumur-Rouge aus einer Monopollage in Brézé.

Um es in den Worten von Hendrik Thoma zu formulieren: Das ist richtig viel „Spaß im Glas“ (für wenig Geld)! Definitiv ein echter Weinwert, der von mir bereits schon nachbestellt wurde. In den nächsten Jahren werden die Preise von Arnauds Weinen mit Sicherheit steigen, aber auch an Feinheit und Präzision dazugewinnen. Da bin ich mir sicher. Solch einem ansprechenden Rotwein in der Kategorie 10,-€ begegne ich seltenst. Auf vinatis.de könnt ihr Arnauds »Clos Mazurique« kaufen:

»Domaine Arnaud Lambert Clos Mazurique 2018«

»Domaine Arnaud Lambert / Château de Brézé«

»Vinatis Loire«

Der Pirat von Bordeaux

Die meisten Menschen, die beginnen sich mit dem Thema Wein auseinanderzusetzen oder auch schon etwas länger damit beschäftigt sind, sagen, dass das »Burgund« kompliziert sei. Ich kann dies nachvollziehen, da das Burgund sehr viele kleine Winzerbetriebe beherbergt und so sehr fragmentiert zu sein scheint. Dennoch finde ich, dass man einen gewissen Überblick über das Burgund gewinnen kann, ohne völlig überfordert zu werden. Anders geht es mir persönlich mit »Bordeaux«, dessen Weine so wunderbar in die Winter- und Weihnachtszeit passen, und die nicht umsonst eine weltbekannte und Vorbild gebende Region für die gesamte Weinwelt ist.

Ich wundere mich immer wieder darüber, dass in diesem Zusammenhang (in Bezug auf die Komplexität der Weinregion) der Name Bordeaux so selten fällt, mal unabhängig von der völlig verschiedenen Stilistik der Weine, verschiedenartigen Rebsorten und den ganz anderen Klimata und Böden. Bordeaux überfordert mich immer wieder, auch wenn das Appellationssystem, verglichen mit Burgund, auf den ersten Blick einfacher zu sein scheint.

Dies mag wohl auch an der schieren Größe des Weinanbaugebietes liegen, wo so viel Wein produziert wird wie in ganz Deutschland zusammengefasst. Ein unüberschaubares Angebot an – meist im Gegensatz zum Burgund – großen Weingütern, Subzonen und einer Klassifikation (der Güter), die auf das Jahr 1855 zurück geht. Sie basiert auf dem Wert, den damalige Händler dem Wein des jeweiligen Weinguts beimaßen. Eine ehrenswerte, aber für mich fragwürdige Norm der Klassifizierung, die der Realität von heute kaum entsprechen kann.

 

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Saint-Émilion findet ihr direkt über »Entre-Deux-Mers« © http://www.weingueter-in.de

 

Umso mehr freue ich mich über die Aktualität der Klassifikation in »St. Émilion«, denn von dort stammt der Wein, den ich in diesem Artikel vorstellen möchte. Die »Gironde« ist der Zusammenfluss der Flüsse »Garonne« und »Dordogne«. Die Appellation St. Émilion befindet sich an der – im Gegensatz zur Garonne – nördlicher verlaufenden Dordogne, anschmiegend an die zweite Weinhauptstadt des Bordeaux, »Libourne«. Daher wird die Region um St. Émilion auch »Libournais« genannt.

St. Émilion ist seit 1999 UNESCO Weltkulturerbe und gemeinsam mit »Pomerol« die bekannteste Region am so genannten „rechten Ufer“. Die Klassifikation in St. Émilion wurde zuletzt 2012 „geupdatet“. Sie ist aktueller als die des »Médoc«, des so genannten „linken Ufers“, und mir daher wesentlich sympathischer.

Ganz im Gegensatz zu den meisten Châteaus in Bordeaux entstand das »Château Valandraud« in St. Émilion aus einem kleinen Garagenweingut (microcuvée), das ähnlich wie das Weingut »Le Pin« in Pomerol Vorbild für Nacheiferer geworden ist. Jean-Luc und Murielle begannen 1989 mit lediglich 0,6 ha (inzwischen ca. 9 ha). 1995 erhielten sie für ihren Wein eine höhere Wertung von Robert Parker, als das weltbekannte »Château Pétrus« aus dem nahegelegenden Pomerol. Kein Wunder, dass die Preise stiegen. Ein echter Pirat sozusagen…

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Die zwei Piraten Jean-Luc und Murielle Thunevin (Andraud). © bodeboca.de

Im Jahre 2012 wurde Valandraud in den Status Premier Grand Cru Classé (B) erhoben, quasi die „High Society“ in St. Émilion. Die „High High Society“ bilden lediglich vier Weingüter, Cheval Blanc, Ausone, Angélus und Pavie. Den Zweitwein von Valandraud, „lediglich“ ein Grand Cru, möchte ich hier gerne vorstellen:

virginie-de-valandraud-2014-saint-emilion-grand-cru-chateau-valandraud»Virginie de Valandraud«, Château Valandraud, Bordeaux, Saint-Émilion Grand Cru, 2014, 13,5%, ca. 38€

Dieser (Zweit-)Wein ist eine Hommage an die Tochter von Jean-Luc Thunevins, Namens »Virginie«. Jean-Luc ist inzwischen vielleicht der bekannste Önologe und négociant von St. Émilion. Seine Cuvée »Virginie de Valandraud« besteht aus 65% Merlot, 25% Cabernet Franc, 5% Cabernet Sauvignon, 4% Malbec und 1% Carmenère, die etwa 18-24 Monate neues Holz geküsst haben. Jahresproduktion ca. 50.000 Flaschen.

Tiefe, violette Farbe, die deutlich ins Schwarz geht. Schon ohne viel Sauerstoffzufuhr ist klar, dass dies ein fein-fruchtiger und vielschichtiger Wein ist. Zu Beginn noch leicht reduktiv wirkend, mit Noten von reifen Kirschen, Blau- und Brombeeren, Zimt, sehr dezentem Leder und einem feinen floralen Touch. Noch sehr jung in seiner Art. Am Gaumen kühl und schwarzfruchtig.

Nach mehr Zeit an der Luft saftige und reife Kirschen, Kräuterwürze und edles Nougat. Immer fein mineralisch in seiner Art, mit süß-schwarzen Beeren im Bouquet.

Am zweiten Tag mit unglaublicher Dichte und fein-fruchtigem, mineralischen Kern. Jetzt kommt auch etwas Salz, wieder Nougat, intensive Lakritz, etwas Tabak, intensive Kräuter und tief-schwarze, nasse Erde.

Ein wunderbar komplexer Saint-Émilion, der bereits nach vier Jahren Reife Trinkfreude ins Glas bringt. Sicherlich auch bewusst so vinifiziert. Dennoch mit deutlichem Potential für die nächsten Jahre.

Bei vinatis.de gibt es »Virginie« aktuell noch (!) in der „Weihnachts-Selektion“ bis zum 26.12. für 30,-€, anstatt für sonst knapp 40,-€. Da kann man getrost zuschlagen!

»Château Valandraud Virginie de Valandraud 2014«

»Vinatis Château Valandraud«

»Vinatis Bordeaux«

Grandios gute Rhône

Die Weihnachtszeit naht. Das ist zumindest bei mir die Zeit, in der man sich sehr wohl gut überlegt, was man kocht und was man dazu trinkt. Es ist auch die Zeit, in der man sich eine Flasche Wein aus dem Keller holt, die man sonst nicht einfach so öffnen würde. Für alle Unentschlossenen oder derzeit mehr schlecht als recht bestückten Keller möchte ich in den nächsten Wochen Weine teilen, die für die kommenden Festtage bestens geeignet sind, aber eigentlich keinen festlichen Anlass benötigen, weil sie einfach gut sind, für sich sprechen und selbst der festliche Anlass sein können (Fest- und Feiertage hin oder her).

Eine Region die meiner Meinung nach sehr gut zur aktuellen Jahreszeit und zu weihnachtlichen Gerichten passt, ist und bleibt die Rhône. Dazu hatte ich letztes Jahr bereits einen Artikel mit dem Titel »Weihnachtliche Rhône« veröffentlicht, in dem ich drei verschiedene Weine aus unterschiedlichen Appellationen vorgestellt hatte (einen »Côtie-Rôtie«, einen »Hermitage« und einen »Gigondas«). Aus derselben Region möchte ich heute zwei sehr gute Weine mit euch teilen.

Ich muss zugeben, dass ich inzwischen Weine der nördlichen Rhône in mein Wein-Herz geschlossen habe. Die Rebsorte Syrah bringt hier einfach eine eigene Stilistik und Charakteristik hervor, die für mich bisher einzigartig geblieben ist. Nur knapp 10% der gesamten Produktion der Rhône stammen von hier. Eine wahrlich große Region (im Sinne von »herausragend«), aber bei vielen Deutschen noch immer eher unbekannte Appellation, ist »Côte-Rôtie«. Was mich zum ersten Wein bringt:

»Côte-Rôtie Champon’s«, Domaine Pichat, Rhône, 2016, 13%, ca. 34€

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Irgendwie mag ich seine Weinlabels…

Schon seit Monaten war ich interessiert daran, die Weine der kleinen »Domaine Pichat« aus Ampuis zu probieren. Dessen Weine sind in Deutschland so gut wie gar nicht zu bekommen. Ich meine vinatis ist der einzige Händler, um sie in Deutschland zu beziehen. So viel vorab: Ich sollte nicht enttäuscht werden!

Die Domaine Pichat ist noch relativ jung und vermarktet im Prinzip erst seit dem Jahr 2000 ihre Weine unter eigenem Label. Stéphane begann damals mit knapp 900 Flaschen pro Jahr. Sein Vater verkaufte die Trauben noch an die großen Handelshäuser der nördlichen Rhône. Aktuell bewirtschaftet Stéphane Pichat lediglich knapp 5ha Weinberge. Im Vergleich zu den dominierenden großen Playern der nördlichen Rhône (allein E. Guigal vinifiziert laut Johnson und Robinson 40% der hier gelesenen Trauben!) also ein unscheinbar kleines Weingut, aber mit fantastischer Qualität, wie dieser Côte-Rôtie eindrucksvoll beweist.

 

 

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Auch wenn Stéphane Pichat erst seit 2000 selbst abfüllt, Weinbau hat in der Familie seit Generationen Tradition. © Domaine Pichat

Die Cuvée »Champon’s« besteht aus 98% Syrah und 2% der weißen Rebsorte Viognier. Eine klassische Assemblage also. 90% der verarbeiteten Trauben stammen aus der Lage »Le Champon«, die restlichen 10% von »Cognet« und »Le Plomb«. Die Trauben stammen also vom nördlichen Teil der »Côte-Rôtie« und somit von Schieferböden (der südliche Teil besteht überwiegend aus Gneis). Der Wein lag für 2 Jahre in 30-40% neuen und 60-70% ein- bis viertbelegten 300 Liter-Fässern. Der Neuholzeinfluss wurde über die Jahre immer mehr reduziert. Stéphane schönt und filtriert seine Weine nicht. Das Ergebnis kann sich mehr als sehen lassen!

Sehr saftige und dunkle Farbe, fast ins schwarz gehend. Der erste Eindruck ist recht offen mit Blaubeeren, dezenter Vanillenote, Kirschen und etwas Pflaume. Vielleicht auch an Maulbeere und Hagebutte erinnernd. Alles in sich „kühl“ wirkend. Sehr elegant und komprimiert, dennoch saftig.

Nach dem ersten Schluck weiß man sofort, dass dieser Syrah noch blutjung ist und am Anfang seiner Karriere steht. Das Tanningerüst ist zwar weich, aber dennoch recht stämmig und kräftig. Am Gaumen zupackend mit griffigem Tannin, das über die Jahre noch abschmelzen wird, und schon jetzt stützend für eine eher deftige Küche ist (z.B. Rindersteaks).

»Champon’s« ist ein muskulöser Wein mit ausgezeichneter Struktur, wenn auch so jung noch etwas „hart“ wirkend. Von vorne bis hinten zeigt er deutliche Geradlinigkeit, die mir sehr gefällt. Er wirkt eher dunkelbeerig, dabei aber überhaupt nicht „gekocht“. Im Gegenteil: Frische, knackige Beeren dominieren das Bouquet, untermalt von einer erdigen Note. Die Nase ist sehr sehr fein gewoben, ist elegant und zeigt eine leichte Süße.

Das ist richtig gefühlvoll und fein gearbeitet, aber auch irgendwie offen und ansprechend für Jedermann. Ein echter Charmör und gleichzeitig ein elegantes Kraftpaket! Da ist viel Potential für die nächsten 2 Jahrzehnte, lässt sich aber schon jetzt sehr gut mit Essen genießen. Ein wunderbarer Côte-Rôtie von Pichat, der bei mir Lust auf mehr von ihm macht, auch auf seinen „einfachen“ Syrah »Côtes de Verenay«. Wer noch nie einen »Côtie-Rôtie« im Glas hatte, macht hier wirklich gar nichts falsch, um das mal zu ändern. Bei vinatis.de könnt ihr seine Weine kaufen:

»Domaine Pichat Côtie-Rôtie Champon’s 2016«

»Vinatis Domaine Pichat«

»Vinatis Côtie-Rôtie«

Der zweite Wein stammt aus der „Namedropping“-Region »Châteauneuf-du-Pape« (zu Deutsch »Neues Schloss des Papstes«) und von keinem geringeren als einem der führenden Önologen der südlichen Rhône, Xavier Vignon.

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Der Mann der Stunde: Xavier Vignon. © xaviervignon.com

»Châteauneuf-du-Pape« (= CdP) ist wohl – auch schon vom Namen her – die bekannteste Region der Rhône. Hier residierten ehemals im Sommer nicht nur Päpste (bzw. in Avignon), wie auch immer man über das Papsttum oder die katholische Kirche denken mag, hier wurde 1929 auch der Grundstein des heutigen AOC-Systems Frankreichs gelegt.

In CdP entstehen vor allem ziemlich kräftige und alkoholreiche Rotweine (90% der Produktion), die meistens hauptsächlich aus Grenache bestehen, aber rein theoretisch mit bis zu 18 anderen Rebsorten (u.a. auch weißen) verschnitten werden. Das Xavier Vignon ein Meister der marriage bzw. assemblage (Vermählung von Rebsorten) ist, wird an seiner »Cuvée Anonyme« exemplarisch deutlich.

CdP ist bekannt für die großen runden Kieselsteine (franz. galet), die den Boden prägen und die Hitze des Tages auch für die Nacht speichern. Wenn man jedoch einen genaueren Blick auf die Bodenformationen von CdP wirft, wird einem schnell klar, dass die Böden doch sehr unterschiedlich sein können. Die knochigen Reben stehen hier größtenteils unerzogen mitten in den Kieselbetten. So knochig und kantig fallen auch klassische CdPs aus, ganz anders verhält es sich bei Xaviers »Cuvée Anonyme«.

»Cuvée Anonyme Châteauneuf-du-Pape«, Domaine Xavier Vignon, Rhône, 2012, 15%, ca. 39€

chateauneuf-du-pape-cuvee-anonyme-2012-xavier-vignonDie erste Nase zeigt sich steinig-mehlig mit kräuterig-ätherischem Touch und schwarzer Frucht. Die 15 Umdrehungen sind sehr gut eingebunden und nicht spürbar. Tatsächlich eine Mischung aus Kraft und spielerischer Leichtigkeit.

Auch am Gaumen zeigt er sich – direkt nach dem Öffnen – leicht mehlig mit etwas Lakritz. Nach ein paar Stunden Zeit in der Karaffe offenbart er sich immer mehr in seiner poliert wirkenden Art. Sehr feinkörniges Tannin. Dicht gewoben, aber ohne ein Gramm Fett. Ein gaumenschmeichelnder CdP!

Nach ein paar Stunden an der Luft deutliche Noten von Brombeeren, Süßholz, feiner dunkler Schokolade, Pflaumen und dezenter Lakritz. Das Bouquet ist nicht aufdringlich in seiner Machart, sondern eher subtil, nobel und poliert.

Am zweiten Tag gemahlene Steine und Lakritz, umwoben von schwarzer Beerenfrucht. Enorm lang und kräftig, aber nicht überbordend, sondern fast „frisch“ wirkend. Ein CdP, dem auch ein großes Burgunderglas steht. Hier mit Noten von Cassis, feinem Meersalz, Hagebutte, Kräutern und einer feinen Süße (vielleicht erinnernd an süßliches Paprikapulver). Schmiegt sich jetzt gänzlich wie Samt an den Gaumen und offeriert dabei Noten von (herbem) Kakao.

Ich hatte bisher selten einen Wein mit 15% im Glas den man so gerne „trinkt“ und der dennoch so dicht gewoben ist. Bei all dem muss man sich bewusst sein, dass Xavier Vignon als négociant arbeitet, d.h. er kauft das Traubengut lediglich an, was ihm durch seine Kontakte und Verwurzelung in der Region sicherlich nicht all zu schwer fallen dürfte. Chapeau Monsieur Vignon!

Wer vorerst einen visuellen anstatt einen sensorischen Eindruck von CdP gewinnen will, wird in diesem Video fündig:

Für einen sensorischen Eindruck von diesem CdP und den Weinen von Xavier Vignon generell, bitte hier klicken:

»Domaine Xavier Vignon Cuvée Anonyme Châteauneuf-du-Pape 2012«

»Vinatis Domaine Xavier Vignon«

»Vinatis Châteauneuf-du-Pape«

Weltmeisterlicher Gamay

Wer hätte gedacht, dass die Équipe Tricolore Fussball-Weltmeister wird? Félicitations! Ich wünsche ihnen auf jeden Fall, dass sie sich in vier Jahren nicht so kläglich von der WM verabschieden, wie Deutschland es als amtierender Weltmeister in diesem Jahr getan hat. Was den Wein betrifft wird Frankreich sicherlich auch noch in vier Jahren ganz oben mit dabei sein, was dieser fantastische Gamay des Winzers Jean Foillard exemplarisch bezeugt.

Jean Foillard war – unter anderem mit Marcel Lapierre (†) – ein Vorreiter von qualitativ hochwertigen Beaujolais-Weinen im burgundischen Stil. Winzer wie er haben den Crus des Beaujolais mit Anbeginn der 80ger Jahre wieder zu altem Ansehen verholfen und der ganzen Region einen Qualitätsschub verpasst, der bis heute anhält. Warum das so kommen musste, zeigt z.B. die einzigartige Qualität seines Gamays aus der wohl besten Lage des Crus »Morgon«, der »Côte du Py«.

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Weinstöcke in Morgon im Winter, Lage »Côte du Py«. Photo by Jameson Fink

Die Lage »Côte du Py« liegt am Hang des »Mont du Py« mit einer Höhenlage von etwa 350 Metern. Hier stand mal ein aktiver Vulkan. Die Böden in Morgon sind geprägt von manganhaltigem Gestein (manganèse), Granit und Schiefer, was hier zu einem eher kräftigen und lagerfähigen Gamay führt. Mit zunehmender Reife ähneln die meisten Weine dieses Crus mehr und mehr einem Pinot Noir aus dem nördlichen Burgund.

Jean Foillard erzeugt seine Weine nach biologischen Richtlinien, dass heißt er nutzt keine Herbizide oder Pestizide. Ähnlich wie Lapierre verzichtet er weitestgehend auf den Einsatz von Schwefel im Ausbau seiner Weine. Wie im Beaujolais üblich wird die Gärung durch die »macération carbonique« (Kohlensäuremaischung) in Gang gesetzt. Natürlich wird spontan und mit Stilen und Stengeln vergoren. Je nach Jahrgang kommt der »Côte du Py« zwischen 6 bis 9 Monaten in gebrauchte Barriques, die von Top-Domainen aus dem nördlichen Burgund stammen. Die Weine werden nicht geschönt, vor der Abfüllung nur leicht geschwefelt und danach unfiltriert auf die Flasche gezogen. Inzwischen bewirtschaftet Foillard ca. 17ha Weinberge in Morgon und darüber hinaus.

»Morgon: Côte du Py«, Jean Foillard, Beaujolais, 2016, 13%, ca. 25€wines_1577_big

Ins Glas fließt ein farblich ansprechendes Stöffchen mit saftigem Granatrot und einem lila Stich. Leicht durchschaubar, wenn auch unfiltriert.

Nach der ersten „Nase“ ist sofort klar, dass dies ein richtig außergewöhnlicher Wein ist. Ich würde sogar frech behaupten, dass er in der Preiskategorie 20-30 Euro ganz weit oben mitspielt und mehr Komplexität und Trinkfluss ins Glas bringt, als die meisten Weine in dieser Preisklasse. An diesem Wein wird nachvollziehbar, dass Weine aus den Crus »Morgon« oder auch »Moulin à Vent« zu Beginn des 20. Jahrhunderts teurer waren, als die besten Gewächse in manchen Regionen des nördlichen Burgunds.

Der »Côte du Py« schafft das, was nur wenige Weine auf Anhieb schaffen: Er zaubert mir sofort ein breites und zufriedenes Grinsen ins Gesicht. Jeder Weinverrückte weiß, was damit gemeint ist…

Das Bouquet direkt nach dem Öffnen der Flasche – ohne dass der Wein lange vorher „geatmet“ hat – kann man getrost als vibrierend „funky“ bezeichnen: Firecracker, Cherry Coke, etwas Pfeffer, Himbeeren, Hagebutte, etwas Cassis, Eisen, leicht medizinal wirkend, Bleistiftspitze und saftige Kirschen. Später gesellen sich Noten von Unterholz, Muskatnuss, Brombeeren, etwas Pflaumen und diversen Gewürzen dazu.

Wunderschöne weiche Textur am Gaumen, die sich fast so anfühlt, als wenn dieser Gamay in Kaschmir gekleidet ist. Dabei leicht fleischig wirkend. Auch hier mit dieser Firecracker-Note, die sich mit einer saftigen rot- und schwarzfruchtigen Frucht von kleinen Waldbeeren vermählt. Die Frucht öffnet sich erst so richtig hinten am Gaumen in einem langen mineralischen Spiel. Alles natürlich eingebunden in ein wunderbares Säuregerüst. Sollte mindestens 10 Jahre ohne Probleme lagerfähig sein, wenn nicht länger.

Am zweiten Tag offeriert das Bouqeut intensivere Noten von Bleistiftspitze (Grafit), Zündplätzchen (oder auch Schießpulver), Unterholz, schwarzes englisches Weingummi, Zahnbürstenbaumrinde (salvadora persica) und Brombeeren. Wirkt jetzt auch etwas „staubig“ trocken in der Nase.

Vom Geschmack her jetzt leicht lakritzig ausklingend, mit Wild- und Sauerkirschen sowie einer famosen Mineralität, die terroir schmeckbar macht: Grafit auf der Zunge. Wunderbarer „Säurelift“. Unterholz und Gewürze mit süßlich wirkender Frucht in Perfektion verwoben. Sehr mineralisch, sehr elegant, sehr komplex und dicht und gleichzeitig schon jung richtig gut trinkbar.

Was ein genialer Gamay! Suchtgefahr! Ein Kultwein des Beaujolais. Man weiß nicht, was Foillard hätte besser machen können… Ein genialer Begleiter zu kräftigeren Geflügelgerichten sowie auch leichteren Wildgerichten. Geht sicherlich auch wunderbar zu würziger und eher rustikaler vegetarischer Küche.

Bei vinatis.de könnt ihr diesen Wein gleich in drei verschiedenen Flaschenformaten kaufen. Es wäre definitiv keine falsche Entscheidung sich auch größere Formate von diesem grandiosen Stoff zuzulegen. Vive la france! Vive la vin frainçais!

»Jean Foillard Morgon Côte du Py 2016«

»Jean Foillard Morgon Côte du Py 2016 Magnum«

»Jean Foillard Morgon Côte du Py 2016 Doppelmagnum / Jeroboam«

Perlen aus Savoyen für unter 10 Euro

In meinem letzten Artikel habe ich einen eher hochpreisigen savoyener Wein aus einer besonderen Lage in Cevins, der von einem besonderen Boden stammt, nämlich (Glimmer-)Schiefer, vorgestellt. Heute möchte ich euch zwei Weine aus Savoyen vorstellen, die unter 10,-€ die Flasche kosten und dafür richtig viel Freude ins Glas bringen, zumindest war dies bei mir der Fall. Beide stammen von alten Reben (»Vieilles Vignes«). Einer der Weine kommt sogar von einer Genossenschaft. Ich habe mir beide bereits nachbestellt.

Von der »Domaine de Rouzan« habe ich schlichtweg nicht einmal eine Internetseite im Netz gefunden. Was sich herausfinden lässt ist, dass die Domaine 1991 gegründet wurde, in Saint-Baldoph nahe Chambéry ansässig ist, also südlich des Lac du Bourget und Denis Fortin ca. 7ha Weinberge an den Hängen des Mont Granier bewirtschaftet. Klein ist er also, was kein Synonym für gut ist im Weinbau. Denis Fortin will seine Weine handwerklich erzeugen, um authentische Weine zu produzieren, die ihr Terroir widerspiegeln. Bei diesem Wein ist ihm dies gelungen, wie ich finde. Wer noch Weine aus seiner Hand bekommen will, wird nur beim Jahrgang 2016 erfolgreich sein (oder früher), denn die Domaine wurde von Mathieu Apffel übernommen.

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Weinreben in Saint-Baldoph. Im Hintergrund müsste der Mont Granier zu sehen sein.

»Apremont«, Domaine de Rouzan, Vin de Savoie, 2016, 11%, ca. 9€

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Wie alt die Reben für diesen bekannten Cru aus Savoie sind, konnte ich leider nicht herausfinden, aber dieser »Apremont«, erzeugt zu 100% aus der autochthonen Rebsorte Jacquère, ist für mich ein Synonym für „karg“ und „mineralisch“. »Apremont« ist einer von 15 weiteren Crus aus Savoyen, die eine Ortsbezeichnung angeben dürfen. Er reift für ca. 1 Jahr sur lie (auf der Feinhefe).

Dieser »Apremont« hat eine sehr transparente und leichte Farbe. Die Nase ist total karg, puristisch, fast schon irgendwie „nackig“. Tatsächlich erinnert mich der Geruch an zwei aneinander geschlagene Feuersteine, wie ich es noch aus meiner Kindheit kenne. Ließe sich vielleicht auch als abgebranntes Streichholz (jedoch sehr dezent) umschreiben. Aber da ist auch Frucht wahrnehmbar: Agrumes (Zitrusfrüchte) mit unreifer Grapefruit und etwas Zitrone.

Am Gaumen frisch und energetisch, wie so viele Weine aus Savoyen. Mineralisch. Festsetzende Säure und Zitrusaromen am Gaumen. Präzise. Geradlinig. Perfekt für Käsefondue, Käseplatten, Raclette und auch Meeresfrüchte, wenn man einen stahligen, kargen und säurebetonten Wein dafür bevorzugt (was ich persönlich tue).

Gamay_VV_2»Gamay Vieilles Vignes«, Cave de Chautagne, Vin de Savoie, 2016, 12,5%, ca. 9€

Ich lebe im südlichen Baden. Hier gibt es die ein oder andere Genossenschaft. Das heißt einen Verband von mehreren Weinbauern, die ihr Traubengut an eine Kooperative liefern, die dann wiederum den Wein daraus erzeugt. Oft krankt es – unter anderem – an zu hohen Erträgen und der Qualität des Ausgangsmaterials (den Trauben), was meist zu völlig charakterlosen Weinen führt, die – so leid es mir tut – eigentlich niemand wirklich braucht. Daher ist meine Einstellung zu Genossenschaften in den seltensten Fällen von Wohlwollen geprägt.

Anders verhält es sich mit diesem mehr als überzeugenden Gamay von alten Reben der Kooperative »Cave de Chautagne« aus Ruffieux mit ihren ca. 135ha Weinbergen von 50 zulieferndern Weinbauern. Das ist wirklich richtig viel Spaß im Glas für knapp 8€ nochwas! Die Reben für diesen Wein sind ca. 35 bis 40 Jahre alt, wobei es in der Genossenschaft bis zu 70 Jahre alte Gamaystöcke gibt.

Super saftiger Stoff, sehr saubere und duftige Frucht, die eine gewisse Tiefgründigkeit in die Nase transportiert und sofort Spaß macht. So ein bisschen zum Reinspringen. Direkt nach dem Öffnen eine sehr pfeffrige Nase. Erinnert mich auch an Gamay der Côte du Forez (Loire), kommt aber wesentlich duftiger und mit mehr Substanz daher, was wohl auch an den alten Reben und der Höhenlage liegen mag. Erste Assoziationen sind Pfeffer und Kirsch(saft). Später auch etwas Zimt, Nelke und Veilchen.

Am Gaumen saftig und trinkig, fast schon süffig (wenn auch trocken wirkend). Hammer Wein im Sommer leicht gekühlt zum Grillen! Ein außergewöhnliches Preis-Genuss-Verhältnis. Eine Gamay-Perle für 8,86€ (7,53€ ab 3 georderten Flaschen pro Bestellung), die sowohl Weinfreaks als auch Weinnoobs glücklich macht.

Beide Weine zeigen, dass es nicht viel Alkohol braucht, um interessante und ansprechende Weine zu erzeugen. Beide Weine sind für mich passend zu dieser Jahreszeit. Beide Weine könnt ihr bei dem in Savoyen ansässigen Weinhändler vinatis kaufen:

»Domaine de Rouzan Apremont 2016«

»Cave de Chautagne Gamay Vieilles Vignes 2016«

Verführerischer Gevrey-Chambertin

Meine eigentliche Liebe gehört dem »Spanna«, wie ein Klon der Nebbiolo-Traube im Nordpiemont (»Alto Piemonte«) auch genannt wird, und dem »Pinot Noir«. Weder einen Nebbiolo, noch einen Pinot Noir habe ich hier seit längerer Zeit vorgestellt. Umso mehr freut es mich, heute mal wieder über einen Pinot aus dem Burgund zu schreiben, und zwar einen »Gevrey-Chambertin«.

Die Lagenbezeichnung in Burgund orientiert sich an den umliegenden Städten, in diesem Fall der Stadt Gevrey-Chambertin, die etwa 14km südlich von Dijon – mitten im Filetstück der »Côte de Nuits« – liegt. Hier werden einige der teuersten und angesehensten Pinot Noirs der Welt gekeltert. Wer sich etwas in Burgund auskennt, weiß, dass hier die meisten Grand-Cru-Lagen zu finden sind (9 verschiedene). Aber auch die Village-Weine aus Gevrey-Chambertin sind bekannt dafür in einer hohen Liga zu spielen. Nicht umsonst spricht man bei einem Gevrey-Chambertin auch vom König der Burgunder. Napoleon Bonaparte (1769-1821) trank ihn vermutlich regelmäßig, auch wenn er sich daraus eine Schorle machte, d.h. ihn mit Wasser verdünnte. Unvorstellbar für einen heutigen Weinliebhaber.

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Bodenbearbeitung mit Pferden auf der Domaine de la Vougeraie. Pferde verdichten den Boden nicht so stark wie Maschinen, was zu einer besseren Drainage führt. © Domaine de la Vougeraie

Der Wein, den ich heute vorstelle, stammt von keiner dieser berühmten Grand-Cru-Lagen, noch ist er ein 1er Cru, sondern „lediglich“ ein Ortswein – ein »Gevrey-Chambertin« (darunter kommt von der Klassifizierung her quasi nur noch der »Bourgogne Rouge«). Aber er verdient es hier erwähnt zu werden.

Er stammt von der »Domaine de la Vougeraie«, die unter diesem Namen im Prinzip eigentlich erst seit 1999 existiert. Dort werden sage und schreibe 42ha, die auf 74 verschiedene Lagen in Burgund verteilt sind, biodynamisch (somit der 3. biodynamische Erzeuger in Folge in diesem Blog) bewirtschaftet, was für das Burgund schon eine enorme Größe ist. Die Tradition reicht jedoch etwas weiter in die Vergangenheit zurück, genauer gesagt auf das Jahr 1964, da die Domaine der Familie Boisset gehört, die 1999 lediglich Lagen aus der Familie zusammenführte, sowie zusätzlich erworbene Lagen von zugekauften Weingütern (Claudine Deschamps, Pierre Ponnelle, Louis Voilland und L’Héritier-Guyot) unter der neuen Domaine zusammenfasste, um eine hochwertige „Super-Domaine“ – quasi aus dem Nichts – zu kreieren.

Der aus dem Burgund stammenden Familie gehören inzwischen weltweit 27 verschiedene Weingüter in Frankreich, Kalifornien, Kanada und England. Sehr beachtlich wenn man bedenkt, dass das Unternehmen erst 1961 ohne ein einziges Weingut gestartet ist. Mit einem Jahresumsatz von ca. 200 Millionen Euro ist das Familienunternehmen nicht unbedingt die kleine alteingesessene Domaine, wie man sie sehr häufig in Burgund antrifft, sondern das genaue Gegenteil. Es ist so gesehen der größte Player im Burgund. Da fällt es kaum noch ins Gewicht zu erwähnen, dass Jean-Claude Boisset (heutiger Geschäftsführer des Unternehmens) mit Gina Gallo, Tochter von Bob Gallo und Urenkelin des Mitgründers der amerikanischen Weinfirma Gallo Family Vineyards – dem weltgrößten Weinproduzenten in Familienbesitz – verheiratet ist.

Für romantisierende und schwärmerische Weintrinker hört sich das alles zusammen ziemlich unromantisch an, der Wein war trotzdem nicht schlecht.

»Gevrey-Chambertin«, Domaine de la Vougeraie, Burgund, 13%, ca. 50€

Auf der Homepage der Domaine wird detailliert angegeben, von welchen Parzellen die Trauben für diesen Village-Wein stammen:

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Die Parzellen und Lagen von denen der Village-Wein der Domaine de la Vougeraie stammt. © Domaine de la Vougeraie

Betrachtet man das Durchschnittsalter der Reben, stellt man fest, dass diese zwischen 1949 und 1980 gepflanzt wurden, also inzwischen 38 bis 69 Jahre alt sind. Sehr alte Reben für einen „einfachen“ Village-Wein, auch wenn auf die Angabe »vieilles vignes« (alte Reben) auf der Flasche verzichtet wurde.

Nur 8904 Flaschen wurden 2015 von diesem Wein erzeugt. Spontan vergoren und 16 Monate in Barriques ausgebaut, davon 30% Neuholz mit mittelkräftiger Toastung, keine Schönung sowie nur eine leichte Filtration vor der Abfüllung. Das Ergebnis ist verführerisch.gevrey-chambertin-2015-domaine-de-la-vougeraie

Farblich ein eher kräftigerer Pinot mit himbeer- und kirschfarbenen Stich. Das erste Reinriechen in den Wein hört sich für den einen oder anderen vielleicht nicht so „verführerisch“ an, war es aber: Erinnernd an reife Kirschen, Cherry Coke und etwas Bazooka Joe, Gewürze. Zart-kräftige Frucht strömt einem in die Nasenflügel.

Das wärmere Jahr 2015 ist dezent spürbar in der Nase. Ganz ganz leicht gekochte Frucht. Der Wein wirkt nicht so typisch burgundisch kühl, wie man es in anderen Jahren vielleicht gewohnt wäre. Am Gaumen samtig und mittelkräftig mit süß-würzigem und finessenreichem Fruchtspiel.

Nach 24 Stunden an der Luft noch würziger in der Nase. Ein tolles Spiel aus Süße und Gewürzen: 5-Spice (Fünf-Gewürze-Pulver), Süßkirsche, auch etwas Zwetchge, metallischer als am ersten Tag, kleine reife zermatschte »framboises« (Himbeeren), wie der Franzose sagen würde und auch etwas Kokos. Sehr spicy, sehr duftig, eine echte Gewürzkiste.

Am Gaumen mit kräftigem Zug. Süßlich wirkend, mit genügend stützender Säure und Saftigkeit. Zupackend und kompakt. Hier feine Vanille, Zimt, Pfeffer, Nelke, Anis, reife Himbeeren und Kirschen. Auch etwas Malz und Lakritz ist wahrnehmbar.

Schon jetzt wunderbar genießbar, wenn auch viel zu jung. Holz und Frucht sind noch nicht in perfekter Harmonie miteinander verwoben, was aber mit der Flaschenreife kommen wird. Dennoch bereits ein sehr offener Burgunder, der schon in seiner Jugend zeigt, warum ich Pinot Noir so liebe und warum Pinots aus dem Burgund zu den schönsten Weinen der Welt gehören.

Leider ist dieser Village 2015 bereits bei vinatis.de vergriffen:

»Domaine de la Vougeraie Gevrey-Chambertin 2015«

Alle Weine der Domaine de la Vougeraie findet ihr hier:

»Domaine de la Vougeraie«

Die Einstiegsdroge von Thierry Germain

Ich habe etwas länger als gewöhnlich überlegt, wie ich diesen kleinen Artikel beginnen soll, aber ich kann irgendwie nicht anders, als so anzufangen: Weine wie dem »Les Roches« von der »Domaine des Roches Neuves« begegne ich sehr selten. Das letzte Mal, dass mich ein Wein in der Preiskategorie um 10,-€ so ins Staunen versetzt hat, ist schon etwas her. Dieser »Saumur-Champigny« ist ein echter Weinwert im Vergleich zu seinem Preis. Oder um es mit anderen Worten zu formulieren: Er ist eine echte Bank!

F1382_2016NM_cAuch wenn ich zugeben muss, dass ich mich an der Loire nicht sehr gut auskenne, vermute ich, dass Germains »Les Roches« mit einer der denkbar besten Einstiegsweine in die Welt des Cabernet Franc von der Loire sein könnte.

»Les Roches«, Domaine des Roches Neuves, Saumur-Champigny, 2016, 12,5%, ca. 13€

2016 war kein einfaches Jahr an der Loire (Frostschäden), so dass Germain sich gezwungen sah für diesen Jahrgang sogar Trauben zuzukaufen. Aber man sagt ja so schön, dass Winzer, die ihr Handwerk beherrschen, auch in schwierigen Jahren herausragende Weine produzieren können. Thierry Germain scheint sein Handwerk zu beherrschen und dazu noch sehr sehr gut mit Cabernet Franc umgehen zu können. Dies beweist schon sein „einfachster“ Wein, der allerdings alles andere als einfach ist.

Germain stammt eigentlich aus dem Bordelais und kam erst Anfang der 90er Jahre an die Loire. Nach und nach folgte ihm auch seine Familie. Seit 2000 arbeitet er biodynamisch, d.h. unter anderem basierend auf der anthroposophischen Philosophie Rudolf Steiners (1861-1925). Er selbst sagt, dass die Umstellung auf biodynamischen Weinbau erst ab 2008 wirklich „Früchte“ getragen hat.

Ich persönlich habe ja so meine Probleme mit der esoterischen Philosophie, die hinter dem Gedankengut von Rudolf Steiner steht, kann mir aber sehr gut vorstellen, dass ein zuvor konventionell behandelter Weinberg einige Jahre Zeit benötigt, bis sich der Boden und das gesamte Ökosystem von der chemischen Keule erholt hat. Ob biodynamisch oder „nur“ biologisch arbeitend, dies wird Auswirkungen auf die entstehenden Trauben im Weinberg haben, und aus diesen wird ja dann schließlich der Wein gemacht.

Wie auch immer man über Biodynamie denkt, der Wein schmeckt verdammt gut. Das wird allerdings auch daran liegen, dass Thierry sein Handwerk als Winzer beherrscht. Denn ein schlechter Winzer macht auch aus guten und gesunden Trauben mit Sicherheit keinen herausragenden Wein. Vielleicht kann man das auch so umschreiben: Ein teurer Grand Cru aus Burgund wird kein herausragender Wein sein, wenn der Winzer im Weinberg und im Keller nicht gut reagiert und begleitet. Einfach nur eine Grand-Cru-Lage zu besitzen, bedeutet noch nicht, dass der Wein, der am Ende auf die Flasche gezogen wird, auch ein echter Grand Cru sein wird.

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Thierry Germain und Pferd. Pferde werden auf der Domaine fast ausschließlich für die Bodenbearbeitung eingesetzt. © by Facebook Domaine des Roches Neuves.

Aber wie schmeckt er denn nun? Auffallend für mich war vor allem die Textur, die der Wein auf die Zunge und an den Gaumen bringt: Er ist eher leicht, aber mit genügend Rückgrat, einer weichen, fast schon cremigen Textur und verfügt gleichzeitig über eine angenehme Säurestruktur, die dem Wein einen gewissen Lift verpasst. Das ist sehr trinkanimierender Stoff, der vielseitig kulinarisch einsetzbar ist (passt sehr gut zur gerade beginnenden Grillsaison). Er hat nur 12,5% Umdrehungen und ist dennoch – trotz seiner Leichtigkeit – niemals banal oder langweilig. Finessenreich, frisch und dennoch mit Geschmackstiefe beschreibt es sicherlich gut.

Aus dem ersten Glas, direkt nach dem Öffnen der Flasche, steigen Noten von Pfeffer und Paprika auf (die niemals störend und laut, sondern bereichernd ist), begleitet von Frucht (schwarz und rotfruchtig). Könnte auch etwas an die Nordrhône und schwarze Oliven erinnern, denn bei den ersten Schlücken wird auch verbranntes Fleisch schmeckbar. Nach ein paar Minuten wird der Wein etwas „weicher“ in der Nase und offeriert feuchte, nasse Erde.

Ich hatte ihn zuerst im Gabriel Glas, bin dann aber umgeschwenkt auf das Zalto Bordeaux Glas, was ihm noch besser gestanden hat. Vielleicht sollte man es sogar mal in einem noch bauchigeren Glas wie einem Burgunderglas probieren.

Am zweiten Tag deutliche Noten von Brombeeren, Cassis, Hagebutte, Veilchen, schwarzem Pfeffer und Kräutern. Dazu kommt aber auch etwas Schießpulver (China Böller), was mir persönlich sehr gut gefällt. Die erdigen Noten sind jetzt noch präsenter und erinnern mich tatsächlich zeitweise auch etwas an feuchte, mit schwarzer Erde überzogene, Kartoffeln.

Er klingt leicht herb, kräuterig und schwarzfruchtig im Gaumen aus. Da ist auch etwas Lakritz wahrnehmbar. Klasse Wein! Tolle Visitenkarte von Thierry Germain, die Lust auf die ganze Palette macht.

Ich habe bereits – was sehr selten der Fall ist – nachbestellt. Ich konnte nicht anders. Zumal es bei vinatis.de diesen Wein für unschlagbare 12,43€ die Flasche gibt. Ich habe nicht bewusst danach gegoogelt, aber sonst sieht man diesen Wein meist für um die 18,-€ in deutschen Weinläden. Wenn man den Preisunterschied bei der Bestellung von 6 Flaschen, was man bei diesem Wein getrost machen sollte, einberechnet, fallen auch die anfallenden Versandkosten von knapp 6,-€ kaum noch ins Gewicht. Wer diesen Wein nicht selbst probiert, ist selber schuld.

»Domaine des Roches Neuves Les Roches 2016«

Die ganze Palette seiner Weine findet ihr hier:

»Domaine des Roches Neuves«

Weihnachtliche Rhône

Wir steuern mit ziemlicher Sicherheit auf Weihnachten zu. In weniger als zwei Wochen ist es wieder einmal soweit. Dann kommt auch schon Silvester und wir befinden uns schneller als wir gucken können im Jahr 2018. Zumindest für mich als Pastor fühlt es sich so an, als wenn die letzten zwei Monate des Jahres an mir am vorbeirauschen sind. Pastoren arbeiten? Ja! Auch an Tagen die man nicht als „Sonntag“ bezeichnet? Jup!

Während der kommenden Feiertage gönnt man sich für gewöhnlich ja Mal etwas, z.B. einen guten Wein oder Schaumwein zu einem festlichen Essen. Welch besseres Fest gibt es dafür als Weihnachten (auch wenn die Umstände der Geburt Jesu alles andere als „festlich“ waren) und die darauf folgenden Feiertage?

Aus gegebenem Anlass möchte ich gleich drei Weine teilen, die meines Erachtens nach sehr gut zu klassischen weihnachtlichen Festtagsgerichten passen. Alle drei kommen aus dem Rhônetal und decken geografisch betrachtet quasi die Nord- bis Südachse ab. Die Weine der Nordrhône (Hauptrebsorte: Syrah) unterscheiden sich in ihrer Stilistik von denen der Südrhône (Hauptrebsorte: Grenache) nicht unerheblich. Und auch innerhalb dieser mehr als groben Aufteilung ist die Rhône äußerst vielfältig.

Die Weine der Rhône stehen anderen großen Weinregionen in nichts nach. Dennoch scheinen sie meiner Einschätzung nach beim allgemeinen Volk gegenüber Burgund oder Bordeaux irgendwie hinten dran zu sein. Warum ist für mich nicht ganz nachvollziehbar, handelt es sich doch um einzigartige Weine und um Weine, die ein winterliches Festessen bestens komplementieren.

»Côte-Rôtie Village«, Stéphane Ogier, Rhône, 2014, 12,5%, ca. 38€

Der erste Wein kommt ganz aus dem Norden, direkt unter der Stadt Vienne gelegen, von der »Côte-Rôtie«. »Côte-Rôtie« bedeutet so viel wie „geröstete Hänge/Küste“. Eine Anspielung auf die steilen und sonnendurchfluteten Hänge, die teilweise ähnlich steil sind wie an der Mosel. Der Côte-Rôtie gehört mit dem Condrieu und dem Hermitage zu den bekanntesten und nobelsten Appellationen der nördlichen Rhône. Hier spielt fast ausschließlich die Rebsorte Syrah die Hauptrolle, die mit etwas Viognier (weiß) verschnitten werden darf.

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Hänge der Côte-Rôtie

Die Nordrhône wird von ein paar großen Handelshäusern dominiert (z.B. E. Guigal oder M. Chapoutier). Die Domaine Ogier spielt hier wirtschaftlich betrachtet eher eine kleine Rolle, auch wenn Stéphane Ogier dabei ist, in andere Regionen des Rhônetals zu expandieren.

Stéphane Ogiers »Côte-Rôtie Village« wird aus 100% Syrah gekeltert und für 18 Monate im Barrique (davon zu 1/3 in Neuholz) ausgebaut. Es handelt sich um eine Blend aus verschiedenen Lagen und eher jüngeren Reben. Es ist der „kleinste“ Côtie-Rôtie von Ogier. Farblich ist der Wein ziemlich dunkel, fast ins schwarz-lila gehend, mit hellerem Rand.

cote-rotie-village-2015-domaine-ogier-d-ampuisAm ersten Tag zeigt sich dieser Côte-Rôtie sehr frisch und pfeffrig zugleich, mit schwarz-grünen Oliven, eher roten Früchten und etwas verbranntem Fleisch. Im Trunk und in der Nase schon erstaunlich zugänglich für einen so jungen Côte-Rôtie.

Vom Mundgefühl her zeigt sich dieser Syrah kühl und dennoch persistent mit einem mittel-langen Nachhall. Der Wein ist nicht breit und dennoch eng gewoben. Er wird getragen von der Säure, ist fest und strukturiert, vielleicht noch etwas zu jung, um sich in seiner ganzen Pracht zu zeigen.

Mich persönlich erinnert er tatsächlich etwas an den Côtes du Rhône der Domaine Jamet (ebenso ein sehr bekannter und kleinerer Erzeuger in der Appellation Côte-Rôtie). Nur das Ogiers Village etwas länger und tiefer ist, als Jamets Côtes du Rhône.

Am zweiten Tag in der Karaffe deutlich würziger und kräutriger. Das Bouquet hat sich mehr geöffnet und wird auch schwarzfruchtiger: Reife Blaubeeren, Pflaumen, Nelken, Paprikapulver, dezente Lakritze, dezent schokoladig mit etwas Kakao, schwarzer Pfeffer, leicht rauchig und verbrannt und etwas Oliventapenade.

Ein sehr guter Begleiter zu verschiedenen, eher gehaltvolleren Gerichten und nicht nur zu rotem Fleisch einsetzbar. Sehr gut denkbar wäre hier auch die klassische Weihnachtsgans und anderes, auch geschmortes Geflügel oder kräftige vegetarische Küche. Hier kann man den Wein kaufen:

»Domaine Ogier Côte-Rôtie Village 2015«

Hinweis: Es handelt sich bei dem Link um den aktuellen Jahrgang 2015. Beschrieben wurde hier der Jahrgang 2014. Beide Jahrgänge waren große Jahrgänge an der nördlichen Rhône!

»Hermitage«, E. Guigal, Rhône, 2011, 14%, ca. 38€

Die Domaine Guigal ist eine von den oben bereits erwähnten großen Handelshäusern der Nordrhône und wie die Domaine Ogier ansässig in der Appellation Côte-Rôtie in Ampuis. Guigal ist hier der Platzhirsch, der hier seit 2003 sogar eine eigene Tonnellerie (Küferei/Fassbinderei) betreibt. Unter anderem eben ein Händler, der Weine auch zukauft, aber bis zum einfachen »Côtes du Rhône« gute bis sehr gute Qualitäten erzeugt.

Richtig bekannt geworden ist Guigal durch seine für die Côte-Rôtie eher untypischen LaLaLa-Weine (La Landonne, La Moulin und La Turque). Diese Weine werden knapp vier Jahre lang in Neuholz ausgebaut und kosten um die 300,-€ die Flasche.

Guigal produziert jedoch auch Weine aus anderen Appellationen der Nordrhône, unter anderem einen „kleinen“ »Hermitage«, den ich hier gerne vorstellen möchte. Die Marktmacht von Guigal ist hier noch nicht ganz so groß wie an der Côte-Rôtie.

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Blick vom Hermitage-Hang auf die Stadt Tain

Der Hermitage-Hügel liegt ca. 50km südlich von der Côte-Rôtie und gebiert seit Jahrzehnten einen der berühmtesten Weine Frankreichs. Er stammt im Gegensatz zu anderen Appellationen vom gegenüberliegenden Ostufer der Rhône, die an dieser Stelle eine deutliche Kurve Richtung Osten zieht. Der Untergrund besteht hier zu einem großen Teil aus Granit, Feuer- und Kalkstein. Es ist eine kleine Region mit ca. 140ha Anbaufläche und im Prinzip ein einziger Hang mit Südausrichtung, der eben »Hermitage« heißt. Von Fotos ist vielen sicherlich die kleine Kapelle »L’Hermite«, aus dem 17. Jh. oben auf dem Kamm des Hügels, bekannt.

Guigals Hermitage hat eine sehr kräftige und dunkle Robe, auch hier ins schwarz gehend. Direkt nach dem Karaffieren sehr vom Neuholz geprägt: Vanillig und dennoch sehr charmant, ja geradezu betörend und irgendwie „sexy“.

Guigal-Web-Hermitage-RGNach fast 12 Stunden an der Luft ein super nobles Bouquet, das sich von der Beschreibung her vielleicht nicht so nobel anhören mag: Verbranntes pfeffriges Rinderfleisch, ätherisch und minzig, schwarze Oliven, Kräuter (Thymian), getragen von einer steinigen Mineralität, Lakritz und reife, saftige, schwarze Früchte. Wow!

Im Gaumen kühl und lang, aber nicht wirklich fett oder satt machend. Auch hier verbranntes Fleisch, Lakritz, reife Blaubeeren und Oliven. Der Nachhall ist sehr lang mit einer leicht bitter-süßen Note, steinig und etwas salzig, erinnernd an Lakritzpastillen. Enorme Tiefe und dennoch super Finessenreich! Der Spagat zwischen Eleganz, Wildheit und Konzentration, ja irgendwie männlich-elegant und kraftvoll. Das Tannin ist zwar immer noch vordergründig spürbar, aber nicht zu stark.

Dieser Hermitage war definitiv ein genialer Begleiter zu einem guten dry aged T-Bone-Steak. Er hat sicherlich noch mindestens 10-15 Jahre Potential zur weiteren Reife. Ein super komprimierter Wein, der dennoch nicht sattmachend ist. Fast schon ein großer Rotwein? Auf jeden Fall ist ihm schwer zu widerstehen.

Bitte mindestens 3 Stunden vor Genuss karaffieren, damit sich das volle Bouquet entfalten kann!

Den 2011er Hermitage gibt es aktuell im Weihnachtsangebot bei vinatis.de für ca. 38,-€, was ein sehr guter Preis für diesen Wein von Guigal ist:

»Domaine E. Guigal Hermitage 2011«

»Aux Lieux-Dits Gigondas«, Domaine Santa Duc, Rhône, 2013, 14%, ca. 20€

Der letzte Wein, den ich für die Fest- und Feiertage empfehlen möchte, kommt von der Südrhône, genauer gesagt von einem der »Crus« der südlichen Rhône, aus »Gigondas« und keinem geringeren als Yves Gras und der Domaine Santa Duc. Inzwischen ist auch Benjamin Gras, ein Sohn von Yves mit für die Weine verantwortlich. Bereits in der 6. Generation werden hier rund 30ha Weinberge biologisch von der Familie Gras in Gigondas bewirtschaftet.

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Yves Gras am Fuße des „Dentelles de Montmirail“

In Gigondas spielt die Rebsorte Grenache die erste Geige, die diese Cuvée zu 75% ausmacht, ergänzt durch 10% Syrah, 13% Mourvèdre und 2% Cinsault von ca. 40 Jahre alten Weinstöcken. »Aux lieux-dits« bedeutet „von verschiedenen Ortschaften“. Und so stammen die Trauben für diesen Wein aus 8 verschiedenen Ortschaften in der Region Gigondas, ausgebaut im großen Holzfass.AuxLieuxDits2014

Wie zu erwarten eine kräftige, ebenso ins schwarz gehende Farbe und direkt nach dem Öffnen leicht verhalten mit schwarzen und roten Waldbeeren, vor allem Johannisbeeren und einer schönen Würzigkeit.

Nach ca. 4 Stunden an der Luft richtig da, aber wie: Cassis, Menthol, Lakritz, Kräuter und sehr steinig. Im Mund nachhaltig und lang, aber nicht schwer, sondern richtig trinkfreudig (trotz der 14% Alkohol). Der Wein füllt alles im Mund aus und zieht sich kühl und immer kräftiger aufbauend am Gaumen entlang. Mittelkräftige und leicht mehlige Tannine lassen ihn etwas archaisch anmuten und dennoch auf einer feinen Minzenote ausklingen.

Für mich ein Wein erschaffen zu Wildgerichten, vor allem aber auch geschmorten Gerichten. Wie den Hermitage gibt es aktuell auch den Gigondas bei vinatis.de im Weihnachtsangebot für ca. 21,-€:

»Domaine Santa Duc Aux Lieux-Dits Gigondas 2013«

Joyeux Noël!

Morgon 2016 von Mathieu & Camille Lapierre

Das Beaujolais ist nicht unbedingt die Weinregion, die sehr bekannt in Deutschland ist. Im Gegenteil, viele werden nicht einmal genau wissen, wo diese Weinregion in Frankreich genau liegt (nördlich von Lyon). Nach Johnson und Robinson zählt das Beaujolais zur Region Burgund, wobei sich die Weine hinsichtlich Weinbereitung und Rebsorte doch deutlich vom restlichen Burgund unterscheiden (können). Statt Pinot Noir (nördliches Burgund), spielt hier die Rebsorte Gamay die Hauptrolle, die im 15. Jhd. von Philipp dem Kühnen aus dem Norden verbannt wurde.

Auch wenn sich Rebsorte und Weinbereitung oft sehr unterscheiden, muss man zugeben, dass die besten Beaujolais-Weine in Sachen Preis-Genuss-Verhältniss so manchem teurem Burgunder den Rang ablaufen und ihnen auch sehr ähneln können.

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Camille & Mathieu Lapierre

Hinzu kommt jedoch, dass diese Region durch einen gewissen Weinstil – den Beaujolais Nouveau – seit Ende der 70ger bzw. Beginn der 80ger Jahre nicht unbedingt durch qualitative Weine hervorstach.

Gott sei Dank ist es heute nicht mehr ganz so schlecht um das Beaujolais bestellt. Die Produktion von hochwertigen, qualitativen Weinen ist deutlich gestiegen. Weltweit werden in der gehobeneren Gastronomie wieder mehr Weine aus dem Beaujolais getrunken. Auch Weintrinker bevorzugen wieder einen leichteren Weinstil und keine sirupartigen Essenzen, die man nach einen Glas nicht mehr trinken kann.

Nicht unwesentlich dazu beigetragen haben Winzer wie Marcel Lapierre, der mit Namen wie Jean Foillard ein Vorreiter der Naturweinszene („vin naturel“ oder „vin nature“) war. Leider ist Marcel Lapierre im Herbst 2010 verstorben. Man darf jedoch deutlich sagen, dass seine Kinder, Camille und Mathieu Lapierre, das Weingut mit hoher Qualität und gleicher Philosophie weiterführen. Das heißt: Macération semi-carbonique (halbe Kohlensäuremaischegärung), Spontangärung, geringe Schwefelung der Weine, keine Chaptalisierung (keine Aufzuckerung des Mostes, was weit verbreitet im Beaujolais wie im Burgund ist), behutsamer Ausbau im großen und kleinen Holzfass und keine Filtration, der auf die Flasche gezogenen Weine. Bewirtschaftet werden inzwischen ca. 16 ha Weinberge auf zertifizierte, biologische Art und Weise.

„Morgon“, M. & C. Lapierre, Beaujolais, 2016, 13%, ca. 20€

Der Wein, den ich heute vorstelle, ist so etwas wie eine Visitenkarte für das Beaujolais geworden, denn Marcel Lapierre war eine Beaujolais-Ikone. Er stammt von einem der 10 Crus des Beaujolais, Morgon. Morgon ist der zweitgrößte Cru des Beaujolais. Er verfügt über sehr interessante Bodenformationen, manganreichen Schieferböden. Die Weine aus dem Cru Morgon haben Substanz und eine gewisse Fleischigkeit. So auch der Cru von Lapierre. Die Rebstöcke sind durchschnittlich 60 Jahre alt!

domaine-marcel-lapierre-morgon-2016.jpgDer Wein besitzt eine wunderschöne und ansprechende Farbe. Man sieht sofort, dass er nicht filtriert ist. Dunkel-Lila und dennoch durschschaubar, etwas himbeer- oder granatfarben. Sehr ansprechend.

Obwohl der Wein noch sehr sehr jung ist, ist die Nase nach dem karaffieren sofort relativ offen: zu Beginn Himbeeren, sehr saftig und etwas Lakritz. Sehr einladend. Später Hagebutte, rote Waldbeeren und Gewürze. Dann auch Kirschen, Veilchen, kandierte Pralinen, Fruchtsaft. Meine Frau erinnerte der Wein an Weihnachten. „Weihnachten“ beschreibt es nach 1-2 Tagen an der Luft sehr gut.

Der Wein besitzt einen wunderbaren Trinkfluss und ein unheimlich charmantes Mundgefühl: Weich, saftig, samtiges Tannin und genügend Säure. Irgendwie schlank ohne richtig schlank zu sein. Erstaunlich langer Abgang.

Der Wein ist meiner Meinung nach äußerst vielfältig zu verschiedenen Gerichten einsetzbar. Dies passt dann sehr gut zu Mathieu Lapierres ehemaligen Beruf als Koch. Bei vinatis.de kann man sich dann auch gleich eine Magnum oder eine Doppelmagnum zulegen. Leer werden die auf jeden Fall…

»M. & C. Lapierre Morgon 2016«

»M. & C. Lapierre Morgon 2016 Magnum«

»M. & C. Lapierre Morgon 2016 Doppelmagnum / Jeroboam«

Gute rote Bourgogne unter 20 Euro

Gibt es das überhaupt? Und überhaupt, was heißt hier „gut“? Lange habe ich daran gezweifelt in Deutschland einen guten roten Burgunder – ja, einen Pinot Noir, der auch aus dem Burgund in Frankreich stammt – für unter 20€ finden zu können. Tatsächlich muss ich sagen, dass die Ausbeute bisher nicht sehr groß war, aber da ich Pinot Noir liebe, trinke ich auch viel davon. Aus diesem Erfahrungsschatz möchte ich heute zwei Weine aus Frankreich teilen, die ein solides Weinvergnügen bieten und die in Deutschland für 15-18€ zu haben sind:

„Bourgogne“, Patrice Rion, 2012, 12,5%, ca. 18€

„Bourgogne“, Domaine Gulliot-Broux, 2013, 13%, ca. 15€

Was meine ich mit „gut“? Man sollte nicht erwarten bei diesen beiden Weinen einen sehr tiefgründigen Grand Cru oder 1er Cru im Glas zu haben. Pinot gehört zudem sowieso zu den zarten Vertretern des Rotweins. Mit Domaine Guillot-Broux Bourgogne„gut“ meine ich, dass diese beiden Weine in ihrer Machart so niemals in Deutschland – und zudem in dieser Preiskategorie – zu haben wären. Sie sind von ihrer Stilistik unterschiedlich und beide dennoch erkennbar nach Frankreich, genauer gesagt ins Burgund, verortbar. Wer abseits von deutschen Spätburgunder einen ersten Schritt in das „echte“ Burgund wagen möchte, ist mit diesen beiden Vertretern sehr gut beraten.

Patrice Rion - BourgognePatrice Rions (www.patricerion.com) Pinot wirkt wesentlich weicher und runder in Nase und Gaumen als Guillot-Brouxs. Rions Trauben stammen von der Côte d’Or, genauer gesagt aus der Gegend bei Nuits-Saint-Georges, also aus dem nördlichen Teil des Burgund. Auch farblich unterscheiden sich beide Weine voneinander. Rions Burgunder zeigt sich in einem strahlenden Rubinrot, welches mit der Reife deutlich mehr ins rostfarbene übergeht, mit mittelkräftiger Intensität. Klassisch für einen Pinot, ist der Wein gut durchschaubar.

Was Rion hier als Visitenkarte in die Flasche zaubert ist schon beachtlich. Die Nase zeigt sich sehr charmant: erinnert an klein-beerige Waldfrüchte, die zwar eine gewisse Reife in sich tragen, aber auch die nötige Säure mitbringen. Eine charmante Süße schwingt in die Nase, wirklich differenzierbar sind die Sorten von Waldfrüchten zuerst nicht, es ist ein kleiner Früchtekorb. Hagebutte (viel davon), rote Johannisbeere, etwas Süß- oder Sauerkirsche, sehr dezent lässt sich Vanille und etwas Piment erahnen. Bei aller Reife, die auch an Fruchtsaft oder rote Grütze erinnert, wird der Wein von einer „Kühle“ getragen, die ich so nur aus Burgund kenne.

Weinbaugebiet Frankreich (Burgund)
Weinbaugebiet Burgund in Frankreich

Auch beim Trinken zeigt sich Rions Einstiegswein rund und charmant ohne langweilig zu sein. Es macht einfach Spaß ihn zu trinken. Säure und Tannin sind mittelkräftig vorhanden und geben dem Wein eine gewisse Langlebigkeit. Der 2012er ist jetzt (2016) immer noch gut trinkbar und wird dies voraussichtlich auch noch in den nächsten 2-3 Jahren sein, was meines Erachtens für einen Einstiegswein schon beachtlich ist. Einfach ein schöner und runder Burgunder für unter 20 Euro! Hier kann man den Wein kaufen:

Weinhandlung Drexler Freiburg

Guillot-Brouxs (www.guillot-broux.com) Einstiegswein stammt aus dem südlichen Teil des Burgund, genauer gesagt dem Mâconnais. Farblich wirkt der Wein dunkler (wenn auch durchschaubar) und wilder als Rions Bourgogne. Die Nase ist sehr ordentlich und ebenso ansprechend: Weichselkirsche, Himbeere, Kirschsaft (wirkt animierend Süß), etwas Wald und ordentliche Würze (Zimt und Nelkenpfeffer). Das Bouquet macht Freude, da es schon eine gewisse Tiefgründigkeit aufweist. Durch seinen ätherischen Touch erinnert der Wein entfernt auch an Kinder Em-eukal.

Dem Wein fehlt leider etwas Substanz beim Trinken. Gerbstoff weist der Wein wenig auf, dafür eine angenehme Säure. Dennoch ist dies für mich eher ein Wein zum Essen, der einen tollen Trinkfluss mitbringt.

Definitiv der beste rote Burgunder, den ich für solch einen Preis (14,90€!) bisher in Deutschland gekauft habe. Hier kann man den Wein kaufen, wenn er wieder verfügbar ist:

K&U Weinhalle Nürnberg