Taittingers Prélude Grands Crus

„Nach dem Sieg verdienst du ihn, nach der Niederlage brauchst du ihn.“ – Napoleon Bonaparte (1769-1821)

Ein etwas ausgelutschtes und oft gehörtes Zitat von Napoleon über eines seiner Lieblingsgetränke: Champagner. Auch wenn ich grundsätzlich nicht dagegen bin Champagner zu jeder Jahreszeit und auch ohne spezifischen Anlass zu öffnen, öffnet das Gros der Menschen einen Champagner immer noch zu einem meist festlichen Anlass. Weihnachten und Silvester kommen da wie gelegen, auch wenn guter Champagner nicht gerade günstig ist.

Champagner von unabhängigen kleinen Winzern (récoltant-manipulant oder vignerons), auch Winzerchampagner genannt, ist seit Jahren stark im Kommen. Den Weltruf der Champagne, und auch dessen geografische und markenrechtliche Abgrenzung, haben jedoch die großen Handelshäuser (maisons) der Champagne begründet und errungen.

Wenn es um zuverlässige non-vintage (NV) Champagner geht (ein Champagner, der aus mehreren Jahrgängen und auch Lagen „gemischt“ wird), führt fast kein Weg an den etablierten und großen Häusern der Champagne vorbei. Gerade diese verfügen über Möglichkeiten, die ein kleiner Winzerbetrieb eben nicht hat: Eine breite Auswahl an Weinen aus dem ganzen Champagnergebiet, ausreichend Reserve-Weine, gut bezahlte Kellermeister, die ihr Handwerk verstehen und die finanziellen Mittel um einen NV-Champagner auch erst nach 3-5 Jahren auf den Markt bringen zu können.

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Die Kreideböden der Champagne sind nicht nur gut für die Reben, sondern auch für die anschließende Weinlagerung. Ausschnitt der Kreidekeller Taittingers. © Carmen Moya

Ein noch immer familiengeführtes, oder sollte man besser sagen seit 2006 wieder familiengeführtes Unternehmen, ist Taittinger (wobei der das Unternehmen seitdem Rückkauf durch Pierre-Emmanuel Taittinger wohl noch immer der Bank Crédit Agricole gehören sollte). Das „erst“ 1931 gegründete Unternehmen Taittinger besitzt heute sagenhafte 288ha eigene Weinberge in der Champagne. Keine Selbstverständlichkeit für eine relativ bekannte Champagnermarke. Und diese decken bei Weitem nicht mal den eigenen Bedarf. Rund 50% an Trauben muss zugekauft werden.

Das Haus Taittinger arbeitet seit Jahrzehnten qualitätsbewusst und verwendet für eigene Produkte nur die erste Pressung (auch cuvée genannt). Die taille (Most der zweiten und dritten Pressung) tauscht man mit anderen Erzeugern gegen die cuvée.

champagne-taittinger-prelude-brut-grand-crus_1280x1280»Prélude Grands Crus«, Taittinger, Champagne, NV, 12,5%, ca. 42€

Das im Champagner »Prélude Grands Crus« (PGC) verwendete Traubengut stammt ausschließlich von Grand Cru klassifizierten Weinbergen bzw. Gemeinden. Das klassische Champagner-Rezept (sofern es denn solch eines gibt) besteht in der Regel aus Pinot Noir, Pinot Meunier und Chardonnay. Dieses Konzept wird hier minimal gebrochen. Es werden 50% Chardonnay und 50% Pinot Noir verwendet. Der Chardonnay stammt von der »Côte des Blancs« aus den Gemeinden Avize und Le Mesnil-sur-Oger. Der Pinot Noir stammt von der »Montagne de Reims« aus dem Gemeinden Bouzy und Ambonnay. Der PGC enthält bis zu 25% Reserve-Weine. Es ist „nur“ ein non-vintage Champagner. Aber der Ruf eines Hauses gründet sich ja bekannter Weise genau auf seine „jahrgangslosen Produkte“. Taittinger gönnt diesem NV, was die meisten Häuser ihren Jahrgangsprodukten gönnen: Ganze fünf Jahre auf der Hefe… (ja, fünf Jahre gebundenes Kapital)!

Karte Champagne
Im oberen Teil der Karte, zwischen Reims und Épernay, sieht man das Herz der Champagne. © champagne.fr

Der PGC zeigt eine feine Perlage und ein mittelkräftiges, leicht grünlich wirkendes Strohgelb. Direkt nach dem Entkorken der Flasche noch leicht laktisch in der Nase, etwas würzig, reifere Frucht schimmert im Hintergrund durch. Eine leise Süße ist wahrnehmbar, die an Honig erinnert. Im Gaumen cremig agierend mit mittelkräftigem Körper.

Nach etwas mehr Zeit an der Luft erinnert mich sein Geruch auch an guten Chablis. Er wirkt immer mehr stahlig-salzig in Nase und Mund. Aromen von Brotkruste, Zitrus, Salz, Gewürzen und Feuerstein steigen aus dem Glas empor. Alles in einer eleganten Stilistik und nicht „laut“.

Was den PGC für mich so einzigartig macht, ist seine schöne Balance zwischen weinigem, körperreicherem Stil und dieser fraîcheur und Sprizigkeit, die ein guter Champanger für mich einfach haben muss. Auch die Säurestruktur des PGC zeigt diese Balance. Sie ist frisch, gleichzeitig jedoch auch angenehm weich wirkend.

Nach 24 Stunden unter dem Champagnerverschluss immer noch richtig gut in Schuss. Die Mineralität ist jetzt noch ausgeprägter als am Tag zuvor. Im Englischen würde man sagen „with striking minerality“. Jetzt zeigen sich Backwaren, Mirabellen, Limonen, etwas Apfel, Salznüsse und dezente Honignoten im Bouquet.

Ein Champagner der das Rückgrat besitzt auch als Essensbegleiter eingesetzt zu werden. Fisch, Meeresfrüchte oder Pasteten wären zum Beispiel passend. Definitiv ein NV-Champagner der ganz oben in der NV-Liga mitspielt und auch ohne Essensbegleitung einen passenden prélude für Weihnachten oder Silvester bietet. Bei vinatis.de könnt ihr Taittingers »Prélude Grands Crus« kaufen:

»Taittinger Prélude Grands Crus«

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Das erste Mal Meursault

Ich bin am 17.08.2016 Vater geworden. Um das gebührend zu feiern, habe ich was schönes für meine Frau und mich gekocht (Jakobsmuscheln mit gerösteten Tomaten, weißem Bohnenbrei, Prosciutto und Rucola) und einen besonderen Wein aufgemacht: einen Meursault. Dazu gleich vorweg: einer der größten Weißweine, die ich bisher getrunken habe. Leider nicht ganz billig.

Antoine Jobard Meursault
Antoine Jobard Meursault

„Meursault“, Antoine Jobard, 2011, 13%, ca. 55€

Meursault ist eine Stadt im Burgund und befindet sich an der Côte d’Or („Goldküste“), genauer gesagt der Côte de Beaune (etwa: „gute Küste“). Die Region um Meursault gilt als heiliger Gral für komplexe, reiche und mineralische Weißweine. Hier entstehen aus Chardonnay nach einhelliger Meinung einige der besten Weißweine der Welt. Hier wird seit Jahrhunderten Weinbau betrieben. Schon in vorchristlicher Zeit war Burgund berühmt für seine Weine. Ab dem 12. Jahrhundert arbeiteten hier Bendektiner- und Zisterziensermönche besondere Lagen (Crus) und Einzellagen (Climats) heraus. Keine andere Region der Welt ist so detailiert in seiner Qualitäts- und vor allem Lageneinstufung wie Burgund. Vereinfacht kann dies so dargestellt werden:

  1. Grand Cru (nur 30 Lagen)
  2. Premier Cru (oder 1er Cru, 622 Lagen)
  3. Village (Ortswein, z.B. „Meursault“ oder „Pommard“)
  4. Bourgogne (rouge oder blanc, also rot oder weiß)
Jakobsmuscheln
Jakobsmuscheln

Als wichtiger Hinweis für alle, die sich ins Burgund eintrinken wollen, sei hier erwähnt, dass es in erster Linie nicht so sehr auf die Lage oder die Qualitätsstufe ankommt, sondern vielmehr auf den Faktor Mensch, den jeweiligen Winzer. Es lohnt sich hier also Weinhändlern zu vertrauen, die sich im Burgund auskennen. In Meursault gibt es keinen als „Grand Cru“ klassifizierten Weinberg, sondern lediglich „Premier Crus“. Bei dem hier getrunken Wein handelt es sich „lediglich“ um einen Ortswein (Village). Dieser Ortswein hatte es jedoch schon in sich:

Kräftiges, goldenes Gelb im Glas. Erste Nase: super tiefgründiger Stoff, aber äußerst fein gewoben. Salz, Kalk, Butter, feine Bourbon-Vanille, leicht nussig, etwas Karamell, Ananas, Zabaione, Zitrus, stechendes Jod, reife Kiwi – was auch immer man alles riechen könnte: der Wein ist komplex, super tiefgründig, einfach ein großartiger Weißwein. Dabei bleibt der Wein trotz seiner Fülle immer elegant. Beim Trinken wird er durch eine äußerst feine Säureader getragen. Die Säure wird mit der Reife weicher werden. Sehr saftiger Stoff mit enormer Spannung im Gaumen und langem Zitrus-Nachhall. Gekonnt vinifiziert: dicht und persistent, dennoch immer grazil. Der Wein hat sicherlich noch 5 Jahre vor sich, in denen er gut trinkbar sein wird, vielleicht noch länger. Für mich schon groß.

 

Gute rote Bourgogne unter 20 Euro

Gibt es das überhaupt? Und überhaupt, was heißt hier „gut“? Lange habe ich daran gezweifelt in Deutschland einen guten roten Burgunder – ja, einen Pinot Noir, der auch aus dem Burgund in Frankreich stammt – für unter 20€ finden zu können. Tatsächlich muss ich sagen, dass die Ausbeute bisher nicht sehr groß war, aber da ich Pinot Noir liebe, trinke ich auch viel davon. Aus diesem Erfahrungsschatz möchte ich heute zwei Weine aus Frankreich teilen, die ein solides Weinvergnügen bieten und die in Deutschland für 15-18€ zu haben sind:

„Bourgogne“, Patrice Rion, 2012, 12,5%, ca. 18€

„Bourgogne“, Domaine Gulliot-Broux, 2013, 13%, ca. 15€

Was meine ich mit „gut“? Man sollte nicht erwarten bei diesen beiden Weinen einen sehr tiefgründigen Grand Cru oder 1er Cru im Glas zu haben. Pinot gehört zudem sowieso zu den zarten Vertretern des Rotweins. Mit Domaine Guillot-Broux Bourgogne„gut“ meine ich, dass diese beiden Weine in ihrer Machart so niemals in Deutschland – und zudem in dieser Preiskategorie – zu haben wären. Sie sind von ihrer Stilistik unterschiedlich und beide dennoch erkennbar nach Frankreich, genauer gesagt ins Burgund, verortbar. Wer abseits von deutschen Spätburgunder einen ersten Schritt in das „echte“ Burgund wagen möchte, ist mit diesen beiden Vertretern sehr gut beraten.

Patrice Rion - BourgognePatrice Rions (www.patricerion.com) Pinot wirkt wesentlich weicher und runder in Nase und Gaumen als Guillot-Brouxs. Rions Trauben stammen von der Côte d’Or, genauer gesagt aus der Gegend bei Nuits-Saint-Georges, also aus dem nördlichen Teil des Burgund. Auch farblich unterscheiden sich beide Weine voneinander. Rions Burgunder zeigt sich in einem strahlenden Rubinrot, welches mit der Reife deutlich mehr ins rostfarbene übergeht, mit mittelkräftiger Intensität. Klassisch für einen Pinot, ist der Wein gut durchschaubar.

Was Rion hier als Visitenkarte in die Flasche zaubert ist schon beachtlich. Die Nase zeigt sich sehr charmant: erinnert an klein-beerige Waldfrüchte, die zwar eine gewisse Reife in sich tragen, aber auch die nötige Säure mitbringen. Eine charmante Süße schwingt in die Nase, wirklich differenzierbar sind die Sorten von Waldfrüchten zuerst nicht, es ist ein kleiner Früchtekorb. Hagebutte (viel davon), rote Johannisbeere, etwas Süß- oder Sauerkirsche, sehr dezent lässt sich Vanille und etwas Piment erahnen. Bei aller Reife, die auch an Fruchtsaft oder rote Grütze erinnert, wird der Wein von einer „Kühle“ getragen, die ich so nur aus Burgund kenne.

Weinbaugebiet Frankreich (Burgund)
Weinbaugebiet Burgund in Frankreich

Auch beim Trinken zeigt sich Rions Einstiegswein rund und charmant ohne langweilig zu sein. Es macht einfach Spaß ihn zu trinken. Säure und Tannin sind mittelkräftig vorhanden und geben dem Wein eine gewisse Langlebigkeit. Der 2012er ist jetzt (2016) immer noch gut trinkbar und wird dies voraussichtlich auch noch in den nächsten 2-3 Jahren sein, was meines Erachtens für einen Einstiegswein schon beachtlich ist. Einfach ein schöner und runder Burgunder für unter 20 Euro! Hier kann man den Wein kaufen:

Weinhandlung Drexler Freiburg

Guillot-Brouxs (www.guillot-broux.com) Einstiegswein stammt aus dem südlichen Teil des Burgund, genauer gesagt dem Mâconnais. Farblich wirkt der Wein dunkler (wenn auch durchschaubar) und wilder als Rions Bourgogne. Die Nase ist sehr ordentlich und ebenso ansprechend: Weichselkirsche, Himbeere, Kirschsaft (wirkt animierend Süß), etwas Wald und ordentliche Würze (Zimt und Nelkenpfeffer). Das Bouquet macht Freude, da es schon eine gewisse Tiefgründigkeit aufweist. Durch seinen ätherischen Touch erinnert der Wein entfernt auch an Kinder Em-eukal.

Dem Wein fehlt leider etwas Substanz beim Trinken. Gerbstoff weist der Wein wenig auf, dafür eine angenehme Säure. Dennoch ist dies für mich eher ein Wein zum Essen, der einen tollen Trinkfluss mitbringt.

Definitiv der beste rote Burgunder, den ich für solch einen Preis (14,90€!) bisher in Deutschland gekauft habe. Hier kann man den Wein kaufen, wenn er wieder verfügbar ist:

K&U Weinhalle Nürnberg

Edition SL Spätburgunder vom Weingut Schaffner

In meinem letzten Eintrag ging es um den Flagschiffwein vom Weingut Schaffner. Heute möchte ich kurz den Wein „darunter“ vorstellen, der durchaus auch – je nach Jahrgang – einige Jahre reifen kann:

“Spätburgunder Edition SL”, Weingut Schaffner, Spätlese, 2008, 13,5% (ca. 20€)

IMAG0931Von der Farbe her geht der Wein schon ins bräunliche, besitzt aber noch farbliche Substanz. Die Nase zeigt sich wunderbar gereift. In der ersten halben Stunde zeigt der Wein leicht süßliche Noten, die an die Zeit des Barriques erinnern, in dem der Wein ausgebaut wurde. Das Holz ist jetzt jedoch klasse eingebunden und unterstützt die Frucht des Weines: tiefgründige Frucht verbindet sich mit nassem Waldboden und Pilzen, alles enorm zart und nicht drückend in der Nase. Nach längerer Zeit im Glas verändert sich der Duft: dezentes Marzipan, Balsamico und Orangenzeste.

Im Gaumen ein mittellanger Nachhall, hätte fast 1-2 Jahre früher getrunken werden können, auch wenn die Nase null Alterschwäche zeigt. Auch hier reife Noten mit Sauerkirschen, Süße und Pilzen. Das noch vorhandene Tannin deutet an, dass der Wein der Zeit auch noch länger stand gehalten hätte.

2003er Deluxxxe Spätburgunder vom Kaiserstuhl

Nicht jeden Tag darf man sich bei seinem Schwiegervater einen Wein aus dem Keller aussuchen. Ich entschied mich für den Flagschiff-Spätburgunder vom Weingut Schaffner (www.weingut-schaffner.de) aus dem heißen „Jahrhundertjahrgang“ 2003:

„Deluxxxe Spätburgunder“, Weingut Schaffner, Auslese, 2003, 14% (ca. 30€) / getrunken im Jahr 2014

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Blick aus einem Weinberg von Thomas auf einen Teil von Bötzingen.

Der „Deluxxxe“-Stoff wird nicht jedes Jahr erzeugt. Nur in Jahren, in denen Thomas Schaffner das Potential der reifenden Trauben im Weinberg vorfindet, produziert er diesen Wein. Je nach Jahrgang werden von diesem Saft, der aus den besten Lagen stammt, lediglich um die 350-400 Flaschen erzeugt. Deshalb ist der sich aktuell im Verkauf befindende Jahrgang „2009“ auch ausverkauft. Inzwischen kostet eine Flasche auch knapp 40€, was mehr als berechtigt für diesen Wein ist.

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Der kleine – aber feine – Barriquekeller von Thomas Schaffner.

In der Jugend zeigt sich der Deluxxxe noch sehr komprimiert und geprägt vom Neuholzeinfluss des Barriques. Er wartet dann direkt nach dem Öffnen mit Noten von Karamell, Vanille, Calippo-Cola und Kirsche auf. Daher sollte man diesen Stoff auf gar keinen Fall vor fünf Jahren trinken. Bei manchen Jahrgängen bin ich der Überzeugung, dass der Wein an die zehn Jahre reifen darf, um sein ganzes Potential zu entfalten. Natürlich muss man dafür Geduld mitbringen und auch reife Pinot-Noten im Wein mögen.

Wer warten kann wird nicht enttäuscht. Nach dem „Korken-Plop“ zeigt der 2003er Noten von Rauch & Speck, nassem Waldboden und im Hintergrund dunkle und reife Kirschen sowie Pflaume. Dazu gesellen sich aber auch balsamische Noten, die an Minze erinnern, Lakritz, Würze und etwas Petrol. Die 14% Alkohol steckt der Wein weg wie nichts. Der Wein verändert sich halbstündlich im Glas, zeigt mal mehr reifliche Noten von Pilzen und Erde, dann aber auch wieder frische Sauerkirschen und Cassis.

Nach ca. 3 Stunden drängen sich die Fruchtnoten (Primäraromen) wieder in den Vordergrund und tiefgründige Kirsche, Cassis und eine marzipanartige Süße mit einer Mischung aus Maronen lassen einen Pinot-Trinker sprachlos werden und schweigend genießen.

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Deluxxxe-Stoff!

Beim Trinken extrem elegant abgeschliffenes Tannin, welches jedoch auch noch angenehm präsent scheint. Minze und Sauerkirschen, Pilze und erdige Töne klingen schier endlos (minutenlang) im gesamten Gaumen nach.

Kein alltägliches Weinerlebnis, sondern besonders. Wenn ein Wein Zeit braucht und Jahre langer reife würdig ist, dann dieser Pinot. Für Weintrinker, die noch keine Erfahrungen mit (gutem!) gereiftem Wein gemacht haben, sicher auch speziell. Als Laie muss man sich in diesen Wein „eintrinken“. Ein enorm tiefgründiger Spätburgunder, dem es dennoch nicht an Eleganz mangelt, fast ein großer Wein, ein großer Spätburgunder?

Wer mir nicht glaubt, versuche es mit dem Wein „unter“ dem Flagschiffwein von Thomas, dem Spätburgunder „Edition SL“ (Spätlese) für ca. 23€ die Flasche. Schon bei diesem Wein erhält man einen Vorgeschmack auf den „Deluxxxe“. Viel Spaß beim Probieren, sofern der Deluxxxe wieder verfügbar ist, greife man auf den „Edition SL“ zurück (bestellbar auf www.weingut-schaffner.de). Nach Aussagen von Thomas soll der 2015er „Deluxxxe“ richtig gut werden. Ich bin gespannt.

Duijn „SD“ Pinot Noir 2008 für 29,95€ – Plus.de Online Shop

Das ist kein Witz. Bei plus.de gibt es aktuell den Flaggschiffwein, den „SD“ aus dem Jahr 2008, von Spitzenwinzer Jacob Duijn für lächerliche 29,95€. Wie das geht, weiß ich auch nicht, da der Wein ab Hof eigentlich 47€ kostet. Fast unglaublich, aber wahr. Eigentlich müsste der Wein aufgrund von seiner Reife inzwischen noch viel teurer als 47€ pro Flasche sein.

Marsannay oder Malterdingen?

Immer wieder liest und hört man davon, dass deutscher Spätburgunder gegenüber seinem französischen Vorbild aus dem Burgund aufgeholt hat. Und in der Tat haben mich französische Einstiegs-Burgunder unter 20 Euronen bisher leider nie überzeugt, so dass ich bei bekannten deutschen Winzerkoryphäen unter 20 Euro pro Flasche geblieben bin. Da ich aber Pinot Noir oder Spätburgunder aufgrund seiner Finesse und Feinheit sehr mag und die französische Stilistik doch einfach etwas anders ist als unsere deutsche, versuche ich immer wieder auch im unteren Preissegment für französische Burgunder fündig zu werden. Wobei man sich als „Normalsterblicher“ eigentlich fragt, warum 25€ für eine Flasche Einstiegswein einer Domaine aus Frankreich unteres Preissegment sein sollen. Aber so ist es nun mal im teuren Burgund.

Ein guter australischer Freund von mir schmunzelt häufig, wenn wir wieder einmal über deutschen „Pinot Noir“ philosophieren, da dieser für ihn häufig parfümiert und mit einem eher unangenehmen, süßlichen Aprikosenduft daher zu kommen scheint. Leider hat mein Freund in diesem Punkt Recht.

Malterdingen oder doch lieber Marsannay?
Malterdingen oder doch lieber Marsannay?

Es gibt nur wenige, wirklich gute, „burgundisch“ anmutende deutsche Spätburgunder.

So kam es, dass ich am Samstagabend zum Essen zwei „Village“-Weine aufgezogen habe, einen deutschen und einen französischen Burgunder, um diese parallel zu verkosten und zu vergleichen:

„Marsannay“, Appellation Contrôlée, Sylvain Pataille, 2011, 12,5%, ca. 25€

„Malterdinger Spätburgunder Rotwein“, Deutscher Qualitätswein, Bernhard Huber, 2011, 13,5%, ca. 18€

Einer, der es versteht, exzellenten deutschen Pinot Noir zu erzeugen, ist der kürzlich verstorbene Vorzeigewinzer Bernhard Huber aus Malterdingen in Baden. Die Böden von Bernhard Hubers Lagen sind geprägt von stark kalkhaltigem Terroir, was optimal für Spätburgunder ist. Sehr ähnliche Bodenformationen findet man auch im „Mutterland“ des Pinot Noirs, im Burgund.

Sylvain Patailles Village-Wein stammt aus einer eher unterbewerteten Region, die laut Wikipedia nicht einmal über eine Premier oder Grand Cru Lage verfügt, aus Marsannay (nördlichste Weinbaugemeinde der Côte de Nuits). Dafür verfügt Sylvain Partaille über die besten Lagen in Marsannay sowie über Erfahrung als Berater für andere renommierte Erzeuger der Region.

Um es kurz zu machen, beide Weine standen sich von der Qualität her in nichts nach. Die Frage ist nur, welche Art von Wein-Stilistik man eher bevorzugt. Bernhard Hubers Village-Wein kommt er rotfruchtig daher, Partailles Village eher schwarzfruchtig.

In der Nase besticht der Marsannay eher durch seinen Charme von dunklen Kirschen, Blaubeeren, etwas Würze (Rosmarin und Veilchen) und einer schönen Süße. Im Mund ist der Wein sehr filigran und auskleidend zu gleich. Aufgrund seiner für einen Pinot eher kräftigen Gerbstoffe zeigt der Marsannay ein gutes Entwicklungspotential für die nächsten Jahre, ist aber schon jetzt sehr gut zu genießen.

Hubers Malterdinger kommt mit etwas mehr Druck in der Nase und ist eher geprägt von einer schönen Rotfruchtigkeit von Sauerkirschen und roten Johannisbeeren (eine genaue Beschreibung von Wein findet man hier: https://wynaesli.wordpress.com/2013/12/02/gutes-aus-malterdingen). Im Gaumen zeigt Hubers Pinot eine knackige Säure und einen schönen, dezenten Nachhall von Sauerkirschen und Erdbeeren.

Leider zeigen beide Weine auch eine kleine Schwäche in der Nase, die vielleicht pinot-noir-typisch ist. So findet man in beiden Weinen einen leichten Ton von Essig, der in gewisser Weise auch etwas an Spühlmittel erinnert. Dieser Ton hält sich aber in Grenzen und ist nicht großartig störend.

Wenn man den höheren Preis des französischen Burgunders außer Acht lässt, der sicher durch den Import bedingt ist, findet man hier zwei Weine auf Augenhöhe! Die Frage ist, welche Stilistik einem Pinot-Noir-Trinker besser gefällt.

Expressiver Pinot von Jacob Duijn

So eine tiefgründige Nase hatte ich nicht erwartet, vor allem nicht von einem deutschen Spätburgunder – mit Suchtcharakter, super geil. Man bekommt den Zinken erstmal nicht mehr aus dem Glas und ist verwundert, dass man so etwas in Deutschland zu diesem Preis überhaupt bekommen kann, einfach großartig und fesselnd:

Eine kräftige Würze verbindet sich mit schöner Süße, alles sehr gut in einander verwoben. Schon ordentlich Druck in den Nasenflügeln. Ich habe das Gefühl zu fliegen. Etwas Marzipan (erinnert fast schon an Nebbiolonoten aus einem Barolo) und eher reifere Kirschen verbinden sich mit etwas Waldboden und einer, für mich nicht direkt definierbaren Kräuterwürze (wohl vom Holz).

„Pinot Noir“, Weingut Duijn, Deutscher Qualitätswein, 2011, 13%? (auf der Flasche waren 11,5% angegeben, überall im Internet 13%), ca. 9,95€

Beim ersten Schluck dann eine kleine Enttäuschung. Vielleicht hatte er auch noch nicht genügend Zeit an der Luft. Die Nase hatte einfach etwas Großartiges angedeutet, was der Gaumen nicht halten kann. Hier wirkt der Wein leider zunächst etwas „flach“ und wässrig, die umwerfende Nase hatte zu große Versprechungen gemacht. Man muss sich etwas eintrinken:

Mit ordentlichem Luftdurchzug beim Trinken entwickelt der Wein mehr Fülle und Dichte sowie Würze. Hier die typische Pinot-Sauerkirschnote und ein bisschen Pflaume. Das Holz ist sehr gut eingebunden und überzeugt mit schönen Tanninen.IMAG2905

Schon verrückt, was man da für unter 10 Euronen im Glas hat. An dieser „Visitenkarte“ des Hauses merkt man, dass sich der ehemalige Sommelier Jacob Duijn ganz dem Pinot Noir gewidmet hat. Er sagt ja über sich selbst: „Pinot Noir ist mein Leben.“ Viel erzählen über Herrn Duijn muss man nicht mehr, man kann es auch hier nachlesen: Captain Cork.

Jacob Duijn baut seinen Einstiegs-Pinot, der aus jungen Rebanlagen von unter 10 Jahren stammt, nur 5 Monate, dafür in zweitbelegten Barriques, aus. Vergoren wird natürlich „spontan“, also mit wilden Hefen und langen Maischestandzeiten. Jacob Duijn betreibt seit 2004 aus persönlicher Überzeugung biodynamischen Weinbau und ist Demeter zertifiziert.

Ich persönlich halte nur begrenzt etwas vom biodynamischen Weinbau und möchte hier eigentlich keine Diskussion dazu anstoßen. Dennoch kann ich mir nicht verkneifen zu behaupten, dass vieles, was ursprünglich aus dem anthroposophischen Gedankengut von Rudolf Steiner her rührt, wirklich auch esoterisch anmutet. Es ist für mich keine Frage, dass beispielsweise Mondphasen Einfluss auf den Wasserhaushalt im Boden und in Pflanzen haben können, dass hat mit Physik zu tun. Wenn es jedoch darum geht, im Winter Kuhmist in Hörnern zu vergaben, homöopathisch zu düngen oder Wasser zu „dynamisieren“, so tue ich mich einfach schwer, an eine konkrete Wirkung zu glauben.

Viel interessanter als alles Geschwafel über Biodynamik ist jedoch die Frage: Wie spricht man eigentlich Jacob Duijns Nachnamen richtig aus?

Dieser Artikel erschien auch, in leicht abgeänderter Form, auf Captain Cork.

Hauser-Bühlers Herrenstück

Manchmal hat man auch in der Gastronomie das Glück, einen interessanten, preisgünstigen Wein zu finden. Gut, in diesem Fall hatte das entsprechende Landhaus (www.landhaustrautwein.de) auch eine kleine Vinothek, mit einer netten Auswahl an hauptsächlich kaiserstühler Weinen (kein Wunder, ich war ja in Vogtsburg-Oberrotweil im IMAG2230Kaiserstuhl). Die Küche dort ist zu empfehlen, so wie auch das Ambiente. Im Frühling, Sommer und im Herbst sollte man bei entsprechendem Wetter den traumhaften (!) Kastaniengarten vom Landhaus Trautwein zum Essen oder Trinken nutzen. Einfach ein wunderschöner Ort zum Genießen und Feiern.

Nun aber zum Wein, den ich dort gefunden habe:

„Spätburgunder: Bickensohler Herrenstück“, Deutscher Prädikatswein, 2010, 13,5%, ca. 8,50€

Das 1923 gegründete Weingut Hauser-Bühler in Bickensohl (ein Ortsteil von Vogtsburg) bewirtschaftet 10ha Rebfläche, davon nur 5ha in Eigenvermarktung, ist also ein Familienbetrieb im besten Sinne. Bickensohl befindet sich mitten im Kaiserstuhl und ist eine schöne, urige und kleine Winzerstadt mit ca. 400 Einwohnern. Im und am Kaiserstuhl (ein alter Vulkan) gibt es auf einem engen Raum (15km Länge und bis ca. 12km Breite) verhältnismäßig viele gute bis sehr gute Erzeuger von hochwertigen deutschen Weinen. Eingebettet zwischen dem Schwarzwald und den französischen Vogesen bieten die eher trockenen klimatischen Bedingungen der Rheinebene sehr gute Voraussetzungen für den Weinbau.IMAG2743

Das „Herrenstück“ ist eine Lage des Weinguts, welche soweit ich weiß auch von der Bickensohler Winzergenossenschaft bewirtschaftet wird. Die dortigen Reben der Hauser-Bühlers sind mehr als 45 Jahre alt und wachsen auf kalkhaltigen Lößböden. Kalkhaltige Böden sind ja bekanntermaßen sehr gut für den Pinot Noir (Spätburgunder).

Der hier beschriebene Spätburgunder ist der Basisrotwein des Hauses. Farblich ist das „Herrenstück“ ein typischer Vertreter seiner Art: ein weinroter und ins bräunliche gehender Spätburgunder mit seiner typischen Transparenz.

Im Bouquet zeigt der Wein eine leichte Fruchtsüße und eine schöne, angenehme Würze (der Alkohol kommt etwas durch). Er duftet nach süßlichen Kirschen, schwarzem Pfeffer und etwas Zimt. Mich persönlich erinnert er wirklich ein wenig an Müller Milchreis mit Zimt (und Kirschsoße), lecker.

Der Wein hat eine angenehme Struktur im Gaumen und ist eher ein wärmender Typ für kalte (Frühlings-)Tage. Auch hier zeigt er Kirschnoten und Würze, die dezent in einem mittellangen Nachhall von Sauerkirschen, herber Würze und etwas Zimt ausklingen.

Für 8,50€ ist das viel deutscher Spätburgunder, für wenig Geld.

Dieser Artikel erschien auch, in leicht abgeänderter Form, auf Captain Cork.

Der wilde Rhini

IMAG2579Eigentlich wollte das wynäsli den ersten Schluck „Ziereisen“ direkt am Hof in Efringen-Kirchen nehmen. Im Gegensatz zu den meisten Deutschen hat das wynäsli es nicht weit zur schweizer Grenze. Doch die Vorfreude war wieder mal zu groß, die Zeit zu knapp und das Weihnachtsgeld noch auf dem Konto (zumindest ein bisschen).

Und so konnte ich bei einem freitäglichen Stadtbummel in der Freiburger Innenstadt und dem Schmöckern in einem lokalen Weinladen nicht widerstehen, einen Wein von Ziereisen (www.weingut-ziereisen.de) einzusacken:

„2009 Rhini“, Spätburgunder, Badischer Landwein, 13%, ca. 20-25€

Über Hanspeter Ziereisen wurde schon des Öfteren geschrieben. Schon eine kurze Eingabe von „Ziereisen“ auf der Seite von Captain Cork bringt ein paar interessante Beiträge ans Licht, die sich entweder direkt oder indirekt auf Hanspeter beziehen. Das Besondere an Ziereisen ist wahrscheinlich Hanspeter selbst, ohne ihm überhaupt jemals persönlich begegnet zu sein.

Bei seinen Weinen setzt Hanspeter Ziereisen auf Zeit. Ja, dass wovon wir alle so wenig haben. Lange Maischestandzeiten von 6-8 Wochen (!) sind hier Standard. So weit ich weiß, werden alle Weine im Hause Ziereisen Spontanvergoren, also mit natürlichen Hefen aus Weinberg und Keller. Beim Rhini betrug die Maischestandzeit 6 Monate. Den „kräftigen“ Burgundern gönnt Hanspeter danach bis zu 20 Monaten in Barriques inklusive langem Hefelager. Im IMAG2580Falle Rhini 18 Monate in 30% neuen und 70% gebrauchten Fässern. Um alle Aromen zu wahren, wird unfiltriert abgefüllt.

Zeit muss man den Weinen von Ziereisen wohl größtenteils auch auf der Flasche geben, dem Rhini wohl einige Jahre (!). Also erstmal weglegen den Stoff, auch wenn’s schwer fällt. Die folgenden Verkostungsnotizen zeigen warum:

Optisch zeigt sich der Rhini auf jeden Fall als einer der dunkleren Pinots. Am Rand zeichnet den Wein ein wässriger Ring.

Direkt nach dem Karaffieren ist der Wein sehr verschlossen und „wild“ in der Nase: eine heftige Ladung Speck und Rauch strömen einem entgegen. Im Gaumen spielt sich das Ganze identisch zur Nase ab, mit einem Hauch von Kirsche. In Nase und Mund wirkt der Wein fast schon etwas animalisch, so wie ich es von Martin Waßmers Einstiegsburgundern kenne (die ich aufgrund von ihrer individuellen Stilistik und Kräftigkeit sehr schätze). Schon beim ersten Schluck merkt man, dass der Wein eine wunderbare Balance aus kompakten Tanninen und einer IMAG2591schönen Säure mitbringt.

Erst nach 4 Stunden in der Karaffe beginnt sich der Wein in der Nase zu öffnen. Jetzt zeigen sich – wie auf dem Rückenetikett beschrieben – in der Tat „dunkle, schwarze Beerenfrüchte“ (vor allem Kirsche) und etwas Himbeere, aber auch noch immer Rauch und Speck (jetzt aber im Hintergrund). Primär begeistert der Wein an diesem Punkt mit einer tiefgründigen Süße von dunklen Früchten, die ein weinliebhaber Herz höher schlagen lassen.

Allerdings zeigt sich der Wein in Nase und Gaumen völlig unterschiedlich, in einer ziemlichen Diskrepanz. Im Gaumen dominieren noch immer die rauchig animalischen Aromen, im Gegensatz dazu in der Nase eine betörende Fruchtsüße.

Der Rhini liegt im Abgang lange am Gaumen, aber hier überzeugt der Wein meiner Meinung nach – an dem Punkt, in dem er in seiner aktuellen Entwicklung steht – noch nicht. Man wünscht sich ein wenig, dass der Wein die Nase auch im Mund widerspiegelt. Ob der Rhini die „Nase“ noch irgendwann auf den Gaumen zaubert vermag man nicht zu sagen, es wäre aber großartig.

Der Wein schmeckt in seiner momentanen Phase auf jeden Fall nach ehrlichem, rauen „Handwerk“. Es bleibt die Vermutung, dass hier ein geniales Stöffchen heranreift, das sich in die oberen Pinot Noirs aus Deutschland einreihen wird.

3sat kann wieder mal etwas beisteuern: