Blanc de Blancs brut nature von Huber

Mal wieder Huber, dieses Mal allerdings Deutscher Sekt nach dem Champagnerverfahren (hanIMAG0264dgerüttelt und durch zweite Gärung in der Flasche vergoren).

„Blanc de Blancs brut nature“, Deutscher Sekt, Bernhard Huber, 2008, 12,5%, 25€ ab Hof

100% aus Chardonnay des Jahres 2008 vinifiziert, ohne Dosage und somit weniger als 3g/l Restzucker. Leider der letzte Jahrgangssekt des im Juni 2014 verstorbenen Kultwinzers Bernhard Huber.

Sehr kräftige und goldene Farbe im Glas, in der Nase Noten von weißen Trockenfrüchten (komplex), sehr dezente Hefenoten, Noten die an weißen Portwein erinnern (gereift). Im Gaumen knochentrocken wie ein Strahl, recht kräftig, auch hier erinnernd an weißen Portwein, aber ohne dessen Süße.

Frohe Weihnachten an alle, macht euch etwas Anständiges auf!

Die Menschwerdung [Jesu/Gottes] zeigt dem Menschen die Größe seines Elends durch die Größe des Heilmittels, das nötig war, [ihn zu erlösen].“ – Blaise Pascal (aus seinen Pensées, Fragment 229).

Guter deutscher Chardonnay? Ja.

Was den Spätburgunder angeht, hat Deutschland – sofern man zu den richtigen Winzern geht – wirklich enorm aufgeholt. Aber guten deutschen Chardonnay, gibt es den wirklich?

Drei deutsche Chardonnays stehen dazu auf dem Tisch:

„Kirchberg Chardonnay“, Deutscher Qualitätswein, Weingut Klumpp, 2012, 13,5%, ca. 20€

„Chardonnay“, Deutscher Qualitätswein, Bernhard Huber, 2007, 13,5%, ca. 28€

„Hard“, Badischer Landwein, Hanspeter Ziereisen, 2011, 13,5%, ca. 26€

Alle drei Chardonnays kommen aus dem badischen, was nicht bedeutet, dass hier völlig einheitliche Weine im Glas schwimmen. Wenn man das gesamte Anbaugebiet Baden betrachtet, stellt man schnell fest, wie unhomogen und riesig dieses Gebiet eigentlich ist. Hinzu kommt, dass Chardonnay das Kamelion der Rebsorten ist und auch extrem „zugeholzt“ werden kann.

Im Prinzip haben wir mit den drei oben genannten Weinen einen Längstschnitt vollzogen und decken damit exemplarisch das gesamte badische Anbaugebiet ab (sofern man den Bodensee mal außen vor lässt).

Zum Wein:

Klumpps Chardonnay (nördlich von Karlsruhe) zeigt ein eher helles und dennoch gesättigtes Gelb in der Farbe. Die Nase ist überraschend grandios für einen deutschen Chardonnay: leicht salzig und gelbfruchtig, leicht nussig, sehr sehr dezente Vanilletöne, etwas Birne untermalt von Mineralität und eine dezente, burgundisch anmutende Zitrusnote. Einfach große Klasse! Das Mundgefühl ist gut, da der Wein unterstützend von einer schönen Säure getragen wird. Er ist nicht zu fett. Da weiß jemand, wie man mit Holz bei Chardonnay umzugehen hat! Für diesen Preis einer der besten deutschen Chardonnays, die bisher den Weg in mein Glas gefunden haben. Chapeau!

der Huber Chardonnay 2009 stand nur fürs Foto bereit, getrunken wurde der 2007er
der Huber Chardonnay 2009 stand nur fürs Foto bereit, getrunken wurde der 2007er

Hubers Chardonnay (nördlich von Freiburg im Breisgau) aus dem Jahr 2007 hat schon ein paar Jahre Flaschenreife auf dem Buckel, was einen direkten Vergleich eher schwierig macht. Der Wein zeigt eine klare, gold-gelbe Farbe. Die Nase: Butterscotch und Lemonen, dezentes Karamell und Zitrusnoten, Hasel- und Macadamianüsse, eher dezent salzig. Der Wein zeigt sich in der Nase eher stiller und cremiger. Im Gaumen ein enorm fülliger Körper, der immer noch von einer schönen Säure getragen wird. Zu Lachs ein vorzüglicher Wein!

Ziereisens Chardonnay (nördlich von Basel) zeigt eine wunderbar kräftige, leicht getrübte, goldgelbe Farbe (unfiltriert!). Der Wein ist im Glas enorm „schwer“ und zeigt schon beim Schwenken, dass er einen enormen Körper hat. Beim ersten Reinriechen verschlossen (auch nach Tagen des Wartens), einfach zu jung geöffnet! Hier: herbe Grapefruit, birnig und Mineralität von Feuerstein, die eher an Sancerre oder Pouilly Fumé erinnert. Leider ist der Wein, trotz seiner Mineralität, zurzeit recht eindimensonial. Ich vermute aber, dass sich dieser Wein erst in einigen Jahren in allen Facetten zeigen wird. Im Gaumen dann eine überraschend schöne Säure, die den vollen Körper des Weines auf Fingerspitzen trägt. Hier zeigt der Wein ein enormes Alterungspotential! Er braucht definitiv noch einige Jahre auf der Flasche, wie so viele Weine von Hanspeter Ziereisen.

Es gibt ihn, guten deutschen (badischen) Chardonnay! Im Gegensatz zum Pinot Noir aus dem Burgund muss ich allerdings die These aufstellen, dass es im Einstiegssegment von weißen Burgundern (aus Frankreich) qualitativ – und in Ihrer Stilistik – einzigartigere Weine in Frankreich zu finden sind. Für um die 20 Euronen findet man „made in Burgundy“ Chardonnay, der nach meinem Geschmack besser und etwas anders ist, als unsere badischen Chardonnays. Viele französische Burgunder zeigen eine schönere Zitrusaromatik, die sich mit salzigen und kalksteinigen Nuancen verbindet und nicht so reif daher kommt. Dies mag vielleicht am wärmeren Klima in Baden liegen?

 

Marsannay oder Malterdingen?

Immer wieder liest und hört man davon, dass deutscher Spätburgunder gegenüber seinem französischen Vorbild aus dem Burgund aufgeholt hat. Und in der Tat haben mich französische Einstiegs-Burgunder unter 20 Euronen bisher leider nie überzeugt, so dass ich bei bekannten deutschen Winzerkoryphäen unter 20 Euro pro Flasche geblieben bin. Da ich aber Pinot Noir oder Spätburgunder aufgrund seiner Finesse und Feinheit sehr mag und die französische Stilistik doch einfach etwas anders ist als unsere deutsche, versuche ich immer wieder auch im unteren Preissegment für französische Burgunder fündig zu werden. Wobei man sich als „Normalsterblicher“ eigentlich fragt, warum 25€ für eine Flasche Einstiegswein einer Domaine aus Frankreich unteres Preissegment sein sollen. Aber so ist es nun mal im teuren Burgund.

Ein guter australischer Freund von mir schmunzelt häufig, wenn wir wieder einmal über deutschen „Pinot Noir“ philosophieren, da dieser für ihn häufig parfümiert und mit einem eher unangenehmen, süßlichen Aprikosenduft daher zu kommen scheint. Leider hat mein Freund in diesem Punkt Recht.

Malterdingen oder doch lieber Marsannay?
Malterdingen oder doch lieber Marsannay?

Es gibt nur wenige, wirklich gute, „burgundisch“ anmutende deutsche Spätburgunder.

So kam es, dass ich am Samstagabend zum Essen zwei „Village“-Weine aufgezogen habe, einen deutschen und einen französischen Burgunder, um diese parallel zu verkosten und zu vergleichen:

„Marsannay“, Appellation Contrôlée, Sylvain Pataille, 2011, 12,5%, ca. 25€

„Malterdinger Spätburgunder Rotwein“, Deutscher Qualitätswein, Bernhard Huber, 2011, 13,5%, ca. 18€

Einer, der es versteht, exzellenten deutschen Pinot Noir zu erzeugen, ist der kürzlich verstorbene Vorzeigewinzer Bernhard Huber aus Malterdingen in Baden. Die Böden von Bernhard Hubers Lagen sind geprägt von stark kalkhaltigem Terroir, was optimal für Spätburgunder ist. Sehr ähnliche Bodenformationen findet man auch im „Mutterland“ des Pinot Noirs, im Burgund.

Sylvain Patailles Village-Wein stammt aus einer eher unterbewerteten Region, die laut Wikipedia nicht einmal über eine Premier oder Grand Cru Lage verfügt, aus Marsannay (nördlichste Weinbaugemeinde der Côte de Nuits). Dafür verfügt Sylvain Partaille über die besten Lagen in Marsannay sowie über Erfahrung als Berater für andere renommierte Erzeuger der Region.

Um es kurz zu machen, beide Weine standen sich von der Qualität her in nichts nach. Die Frage ist nur, welche Art von Wein-Stilistik man eher bevorzugt. Bernhard Hubers Village-Wein kommt er rotfruchtig daher, Partailles Village eher schwarzfruchtig.

In der Nase besticht der Marsannay eher durch seinen Charme von dunklen Kirschen, Blaubeeren, etwas Würze (Rosmarin und Veilchen) und einer schönen Süße. Im Mund ist der Wein sehr filigran und auskleidend zu gleich. Aufgrund seiner für einen Pinot eher kräftigen Gerbstoffe zeigt der Marsannay ein gutes Entwicklungspotential für die nächsten Jahre, ist aber schon jetzt sehr gut zu genießen.

Hubers Malterdinger kommt mit etwas mehr Druck in der Nase und ist eher geprägt von einer schönen Rotfruchtigkeit von Sauerkirschen und roten Johannisbeeren (eine genaue Beschreibung von Wein findet man hier: https://wynaesli.wordpress.com/2013/12/02/gutes-aus-malterdingen). Im Gaumen zeigt Hubers Pinot eine knackige Säure und einen schönen, dezenten Nachhall von Sauerkirschen und Erdbeeren.

Leider zeigen beide Weine auch eine kleine Schwäche in der Nase, die vielleicht pinot-noir-typisch ist. So findet man in beiden Weinen einen leichten Ton von Essig, der in gewisser Weise auch etwas an Spühlmittel erinnert. Dieser Ton hält sich aber in Grenzen und ist nicht großartig störend.

Wenn man den höheren Preis des französischen Burgunders außer Acht lässt, der sicher durch den Import bedingt ist, findet man hier zwei Weine auf Augenhöhe! Die Frage ist, welche Stilistik einem Pinot-Noir-Trinker besser gefällt.

Gutes aus Malterdingen

Der erste Wein, den ich vorstellen möchte, kommt von keinem geringeren als Bernhard Huber (www.weingut-huber.com). Bernhard Huber gilt als der (Spät-)Burgunderkönig von Baden. Aber auch deutschlandweit zählen Hubers Spätburgunder zu dem Besten, was Deutschland bieten kann. In einigen Proben schnitten seineBernhard Huber Malterdinger Spätburgunder 2011 - 1 Top-Gewächse besser ab, als viele burgundische Pinot Noirs, und dass zu einem deutlich besseren Preis.

Zu den Vergleichen mit französischen Burgundern kann das wynäsli nichts sagen, sie kann sich diese nämlich nicht leisten. Außerdem trinkt das wynäsli gerne das, was vor der Haustür wächst. Zu den französischen Burgundern ist es noch nicht vorgedrungen.

Also Anlass genug einen von Hubers Einstiegsweinen das erste Mal zu verkosten, den

„2011er Malterdinger Spätburgunder Rotwein“, Deutscher Qualitätswein, 13,5%, ca. 15-20€

Der Malterdinger Spätburgunder liegt preislich eine Kategorie über dem Gutswein, der ca. 10-15€ kostet. Er stammt aus 12-20 jährigen Rebanlagen. Schon bei diesem Wein wurde der Ertrag reduziert, damit die Trauben, die hängen bleiben dürfen, die bessere Reife erreichen können und mehr Extrakt bringen. Nach der traditionellen Maischegärung (Vergärung des Weines mit den angequetschten Traubenhäuten, in diesem Fall mit 15-20% ganzen Trauben, um die Gärung zu verlangsamen und die Frucht des Weines noch besser zu waren) wurde der Wein in zweit- und drittbelegten Barriques ausgebaut. Sprich, der Wein Bernhard Huber Malterdinger Spätburgunder 2011 - 1sollte nicht „überholzt“ wirken, sondern eine gewisse Frucht waren.

Im Glas zeigt der Wein eine traumhafte Farbe, die immer noch die typische Transparenz eines Spätburgunders mit sich bringt, dennoch kräftig und rubin-lila gesätigt.

Vom Bouquet her zeigt sich der Wein sehr präsent, kräftig und straff, ein kleiner „Überfall“ für die Nase. Wach werden ist angesagt. Etwas Sauerkirschen, rote Johannisbeeren, aber auch ein etwas unangenehmer – wenn auch leichter – Essigcharakter.

Auf der Zunge kräftig, füllig, ja geradezu knackig, schon ein gewisser Gaumenkick. Geschmacklich schon das, was sich in der Nase andeutet (Sauerkirschen, rote Johannisbeeren), allerdings auch hier – für meinen Geschmack – etwas undefiniert. Im Abgang leicht süßlich, mit einem dezenten Abklang von Erdbeeren.

Für einen „Einstiegs“-Wein von unter 20 Euronen (dazu noch von einem sehr bekannten Winzer) ein toller Spannungsbogen im Glas und meiner Meinung nach sein Geld wert.

Hier noch ein kleines Video zum Winzer von 3sat: