Edition SL Spätburgunder vom Weingut Schaffner

In meinem letzten Eintrag ging es um den Flagschiffwein vom Weingut Schaffner. Heute möchte ich kurz den Wein „darunter“ vorstellen, der durchaus auch – je nach Jahrgang – einige Jahre reifen kann:

“Spätburgunder Edition SL”, Weingut Schaffner, Spätlese, 2008, 13,5% (ca. 20€)

IMAG0931Von der Farbe her geht der Wein schon ins bräunliche, besitzt aber noch farbliche Substanz. Die Nase zeigt sich wunderbar gereift. In der ersten halben Stunde zeigt der Wein leicht süßliche Noten, die an die Zeit des Barriques erinnern, in dem der Wein ausgebaut wurde. Das Holz ist jetzt jedoch klasse eingebunden und unterstützt die Frucht des Weines: tiefgründige Frucht verbindet sich mit nassem Waldboden und Pilzen, alles enorm zart und nicht drückend in der Nase. Nach längerer Zeit im Glas verändert sich der Duft: dezentes Marzipan, Balsamico und Orangenzeste.

Im Gaumen ein mittellanger Nachhall, hätte fast 1-2 Jahre früher getrunken werden können, auch wenn die Nase null Alterschwäche zeigt. Auch hier reife Noten mit Sauerkirschen, Süße und Pilzen. Das noch vorhandene Tannin deutet an, dass der Wein der Zeit auch noch länger stand gehalten hätte.

2003er Deluxxxe Spätburgunder vom Kaiserstuhl

Nicht jeden Tag darf man sich bei seinem Schwiegervater einen Wein aus dem Keller aussuchen. Ich entschied mich für den Flagschiff-Spätburgunder vom Weingut Schaffner (www.weingut-schaffner.de) aus dem heißen „Jahrhundertjahrgang“ 2003:

„Deluxxxe Spätburgunder“, Weingut Schaffner, Auslese, 2003, 14% (ca. 30€) / getrunken im Jahr 2014

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Blick aus einem Weinberg von Thomas auf einen Teil von Bötzingen.

Der „Deluxxxe“-Stoff wird nicht jedes Jahr erzeugt. Nur in Jahren, in denen Thomas Schaffner das Potential der reifenden Trauben im Weinberg vorfindet, produziert er diesen Wein. Je nach Jahrgang werden von diesem Saft, der aus den besten Lagen stammt, lediglich um die 350-400 Flaschen erzeugt. Deshalb ist der sich aktuell im Verkauf befindende Jahrgang „2009“ auch ausverkauft. Inzwischen kostet eine Flasche auch knapp 40€, was mehr als berechtigt für diesen Wein ist.

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Der kleine – aber feine – Barriquekeller von Thomas Schaffner.

In der Jugend zeigt sich der Deluxxxe noch sehr komprimiert und geprägt vom Neuholzeinfluss des Barriques. Er wartet dann direkt nach dem Öffnen mit Noten von Karamell, Vanille, Calippo-Cola und Kirsche auf. Daher sollte man diesen Stoff auf gar keinen Fall vor fünf Jahren trinken. Bei manchen Jahrgängen bin ich der Überzeugung, dass der Wein an die zehn Jahre reifen darf, um sein ganzes Potential zu entfalten. Natürlich muss man dafür Geduld mitbringen und auch reife Pinot-Noten im Wein mögen.

Wer warten kann wird nicht enttäuscht. Nach dem „Korken-Plop“ zeigt der 2003er Noten von Rauch & Speck, nassem Waldboden und im Hintergrund dunkle und reife Kirschen sowie Pflaume. Dazu gesellen sich aber auch balsamische Noten, die an Minze erinnern, Lakritz, Würze und etwas Petrol. Die 14% Alkohol steckt der Wein weg wie nichts. Der Wein verändert sich halbstündlich im Glas, zeigt mal mehr reifliche Noten von Pilzen und Erde, dann aber auch wieder frische Sauerkirschen und Cassis.

Nach ca. 3 Stunden drängen sich die Fruchtnoten (Primäraromen) wieder in den Vordergrund und tiefgründige Kirsche, Cassis und eine marzipanartige Süße mit einer Mischung aus Maronen lassen einen Pinot-Trinker sprachlos werden und schweigend genießen.

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Deluxxxe-Stoff!

Beim Trinken extrem elegant abgeschliffenes Tannin, welches jedoch auch noch angenehm präsent scheint. Minze und Sauerkirschen, Pilze und erdige Töne klingen schier endlos (minutenlang) im gesamten Gaumen nach.

Kein alltägliches Weinerlebnis, sondern besonders. Wenn ein Wein Zeit braucht und Jahre langer reife würdig ist, dann dieser Pinot. Für Weintrinker, die noch keine Erfahrungen mit (gutem!) gereiftem Wein gemacht haben, sicher auch speziell. Als Laie muss man sich in diesen Wein „eintrinken“. Ein enorm tiefgründiger Spätburgunder, dem es dennoch nicht an Eleganz mangelt, fast ein großer Wein, ein großer Spätburgunder?

Wer mir nicht glaubt, versuche es mit dem Wein „unter“ dem Flagschiffwein von Thomas, dem Spätburgunder „Edition SL“ (Spätlese) für ca. 23€ die Flasche. Schon bei diesem Wein erhält man einen Vorgeschmack auf den „Deluxxxe“. Viel Spaß beim Probieren, sofern der Deluxxxe wieder verfügbar ist, greife man auf den „Edition SL“ zurück (bestellbar auf www.weingut-schaffner.de). Nach Aussagen von Thomas soll der 2015er „Deluxxxe“ richtig gut werden. Ich bin gespannt.

Duijn „SD“ Pinot Noir 2008 für 29,95€ – Plus.de Online Shop

Das ist kein Witz. Bei plus.de gibt es aktuell den Flaggschiffwein, den „SD“ aus dem Jahr 2008, von Spitzenwinzer Jacob Duijn für lächerliche 29,95€. Wie das geht, weiß ich auch nicht, da der Wein ab Hof eigentlich 47€ kostet. Fast unglaublich, aber wahr. Eigentlich müsste der Wein aufgrund von seiner Reife inzwischen noch viel teurer als 47€ pro Flasche sein.

Blanc de Blancs brut nature von Huber

Mal wieder Huber, dieses Mal allerdings Deutscher Sekt nach dem Champagnerverfahren (hanIMAG0264dgerüttelt und durch zweite Gärung in der Flasche vergoren).

„Blanc de Blancs brut nature“, Deutscher Sekt, Bernhard Huber, 2008, 12,5%, 25€ ab Hof

100% aus Chardonnay des Jahres 2008 vinifiziert, ohne Dosage und somit weniger als 3g/l Restzucker. Leider der letzte Jahrgangssekt des im Juni 2014 verstorbenen Kultwinzers Bernhard Huber.

Sehr kräftige und goldene Farbe im Glas, in der Nase Noten von weißen Trockenfrüchten (komplex), sehr dezente Hefenoten, Noten die an weißen Portwein erinnern (gereift). Im Gaumen knochentrocken wie ein Strahl, recht kräftig, auch hier erinnernd an weißen Portwein, aber ohne dessen Süße.

Frohe Weihnachten an alle, macht euch etwas Anständiges auf!

Die Menschwerdung [Jesu/Gottes] zeigt dem Menschen die Größe seines Elends durch die Größe des Heilmittels, das nötig war, [ihn zu erlösen].“ – Blaise Pascal (aus seinen Pensées, Fragment 229).

Guter deutscher Chardonnay? Ja.

Was den Spätburgunder angeht, hat Deutschland – sofern man zu den richtigen Winzern geht – wirklich enorm aufgeholt. Aber guten deutschen Chardonnay, gibt es den wirklich?

Drei deutsche Chardonnays stehen dazu auf dem Tisch:

„Kirchberg Chardonnay“, Deutscher Qualitätswein, Weingut Klumpp, 2012, 13,5%, ca. 20€

„Chardonnay“, Deutscher Qualitätswein, Bernhard Huber, 2007, 13,5%, ca. 28€

„Hard“, Badischer Landwein, Hanspeter Ziereisen, 2011, 13,5%, ca. 26€

Alle drei Chardonnays kommen aus dem badischen, was nicht bedeutet, dass hier völlig einheitliche Weine im Glas schwimmen. Wenn man das gesamte Anbaugebiet Baden betrachtet, stellt man schnell fest, wie unhomogen und riesig dieses Gebiet eigentlich ist. Hinzu kommt, dass Chardonnay das Kamelion der Rebsorten ist und auch extrem „zugeholzt“ werden kann.

Im Prinzip haben wir mit den drei oben genannten Weinen einen Längstschnitt vollzogen und decken damit exemplarisch das gesamte badische Anbaugebiet ab (sofern man den Bodensee mal außen vor lässt).

Zum Wein:

Klumpps Chardonnay (nördlich von Karlsruhe) zeigt ein eher helles und dennoch gesättigtes Gelb in der Farbe. Die Nase ist überraschend grandios für einen deutschen Chardonnay: leicht salzig und gelbfruchtig, leicht nussig, sehr sehr dezente Vanilletöne, etwas Birne untermalt von Mineralität und eine dezente, burgundisch anmutende Zitrusnote. Einfach große Klasse! Das Mundgefühl ist gut, da der Wein unterstützend von einer schönen Säure getragen wird. Er ist nicht zu fett. Da weiß jemand, wie man mit Holz bei Chardonnay umzugehen hat! Für diesen Preis einer der besten deutschen Chardonnays, die bisher den Weg in mein Glas gefunden haben. Chapeau!

der Huber Chardonnay 2009 stand nur fürs Foto bereit, getrunken wurde der 2007er
der Huber Chardonnay 2009 stand nur fürs Foto bereit, getrunken wurde der 2007er

Hubers Chardonnay (nördlich von Freiburg im Breisgau) aus dem Jahr 2007 hat schon ein paar Jahre Flaschenreife auf dem Buckel, was einen direkten Vergleich eher schwierig macht. Der Wein zeigt eine klare, gold-gelbe Farbe. Die Nase: Butterscotch und Lemonen, dezentes Karamell und Zitrusnoten, Hasel- und Macadamianüsse, eher dezent salzig. Der Wein zeigt sich in der Nase eher stiller und cremiger. Im Gaumen ein enorm fülliger Körper, der immer noch von einer schönen Säure getragen wird. Zu Lachs ein vorzüglicher Wein!

Ziereisens Chardonnay (nördlich von Basel) zeigt eine wunderbar kräftige, leicht getrübte, goldgelbe Farbe (unfiltriert!). Der Wein ist im Glas enorm „schwer“ und zeigt schon beim Schwenken, dass er einen enormen Körper hat. Beim ersten Reinriechen verschlossen (auch nach Tagen des Wartens), einfach zu jung geöffnet! Hier: herbe Grapefruit, birnig und Mineralität von Feuerstein, die eher an Sancerre oder Pouilly Fumé erinnert. Leider ist der Wein, trotz seiner Mineralität, zurzeit recht eindimensonial. Ich vermute aber, dass sich dieser Wein erst in einigen Jahren in allen Facetten zeigen wird. Im Gaumen dann eine überraschend schöne Säure, die den vollen Körper des Weines auf Fingerspitzen trägt. Hier zeigt der Wein ein enormes Alterungspotential! Er braucht definitiv noch einige Jahre auf der Flasche, wie so viele Weine von Hanspeter Ziereisen.

Es gibt ihn, guten deutschen (badischen) Chardonnay! Im Gegensatz zum Pinot Noir aus dem Burgund muss ich allerdings die These aufstellen, dass es im Einstiegssegment von weißen Burgundern (aus Frankreich) qualitativ – und in Ihrer Stilistik – einzigartigere Weine in Frankreich zu finden sind. Für um die 20 Euronen findet man „made in Burgundy“ Chardonnay, der nach meinem Geschmack besser und etwas anders ist, als unsere badischen Chardonnays. Viele französische Burgunder zeigen eine schönere Zitrusaromatik, die sich mit salzigen und kalksteinigen Nuancen verbindet und nicht so reif daher kommt. Dies mag vielleicht am wärmeren Klima in Baden liegen?

 

Expressiver Pinot von Jacob Duijn

So eine tiefgründige Nase hatte ich nicht erwartet, vor allem nicht von einem deutschen Spätburgunder – mit Suchtcharakter, super geil. Man bekommt den Zinken erstmal nicht mehr aus dem Glas und ist verwundert, dass man so etwas in Deutschland zu diesem Preis überhaupt bekommen kann, einfach großartig und fesselnd:

Eine kräftige Würze verbindet sich mit schöner Süße, alles sehr gut in einander verwoben. Schon ordentlich Druck in den Nasenflügeln. Ich habe das Gefühl zu fliegen. Etwas Marzipan (erinnert fast schon an Nebbiolonoten aus einem Barolo) und eher reifere Kirschen verbinden sich mit etwas Waldboden und einer, für mich nicht direkt definierbaren Kräuterwürze (wohl vom Holz).

„Pinot Noir“, Weingut Duijn, Deutscher Qualitätswein, 2011, 13%? (auf der Flasche waren 11,5% angegeben, überall im Internet 13%), ca. 9,95€

Beim ersten Schluck dann eine kleine Enttäuschung. Vielleicht hatte er auch noch nicht genügend Zeit an der Luft. Die Nase hatte einfach etwas Großartiges angedeutet, was der Gaumen nicht halten kann. Hier wirkt der Wein leider zunächst etwas „flach“ und wässrig, die umwerfende Nase hatte zu große Versprechungen gemacht. Man muss sich etwas eintrinken:

Mit ordentlichem Luftdurchzug beim Trinken entwickelt der Wein mehr Fülle und Dichte sowie Würze. Hier die typische Pinot-Sauerkirschnote und ein bisschen Pflaume. Das Holz ist sehr gut eingebunden und überzeugt mit schönen Tanninen.IMAG2905

Schon verrückt, was man da für unter 10 Euronen im Glas hat. An dieser „Visitenkarte“ des Hauses merkt man, dass sich der ehemalige Sommelier Jacob Duijn ganz dem Pinot Noir gewidmet hat. Er sagt ja über sich selbst: „Pinot Noir ist mein Leben.“ Viel erzählen über Herrn Duijn muss man nicht mehr, man kann es auch hier nachlesen: Captain Cork.

Jacob Duijn baut seinen Einstiegs-Pinot, der aus jungen Rebanlagen von unter 10 Jahren stammt, nur 5 Monate, dafür in zweitbelegten Barriques, aus. Vergoren wird natürlich „spontan“, also mit wilden Hefen und langen Maischestandzeiten. Jacob Duijn betreibt seit 2004 aus persönlicher Überzeugung biodynamischen Weinbau und ist Demeter zertifiziert.

Ich persönlich halte nur begrenzt etwas vom biodynamischen Weinbau und möchte hier eigentlich keine Diskussion dazu anstoßen. Dennoch kann ich mir nicht verkneifen zu behaupten, dass vieles, was ursprünglich aus dem anthroposophischen Gedankengut von Rudolf Steiner her rührt, wirklich auch esoterisch anmutet. Es ist für mich keine Frage, dass beispielsweise Mondphasen Einfluss auf den Wasserhaushalt im Boden und in Pflanzen haben können, dass hat mit Physik zu tun. Wenn es jedoch darum geht, im Winter Kuhmist in Hörnern zu vergaben, homöopathisch zu düngen oder Wasser zu „dynamisieren“, so tue ich mich einfach schwer, an eine konkrete Wirkung zu glauben.

Viel interessanter als alles Geschwafel über Biodynamik ist jedoch die Frage: Wie spricht man eigentlich Jacob Duijns Nachnamen richtig aus?

Dieser Artikel erschien auch, in leicht abgeänderter Form, auf Captain Cork.

Hauser-Bühlers Herrenstück

Manchmal hat man auch in der Gastronomie das Glück, einen interessanten, preisgünstigen Wein zu finden. Gut, in diesem Fall hatte das entsprechende Landhaus (www.landhaustrautwein.de) auch eine kleine Vinothek, mit einer netten Auswahl an hauptsächlich kaiserstühler Weinen (kein Wunder, ich war ja in Vogtsburg-Oberrotweil im IMAG2230Kaiserstuhl). Die Küche dort ist zu empfehlen, so wie auch das Ambiente. Im Frühling, Sommer und im Herbst sollte man bei entsprechendem Wetter den traumhaften (!) Kastaniengarten vom Landhaus Trautwein zum Essen oder Trinken nutzen. Einfach ein wunderschöner Ort zum Genießen und Feiern.

Nun aber zum Wein, den ich dort gefunden habe:

„Spätburgunder: Bickensohler Herrenstück“, Deutscher Prädikatswein, 2010, 13,5%, ca. 8,50€

Das 1923 gegründete Weingut Hauser-Bühler in Bickensohl (ein Ortsteil von Vogtsburg) bewirtschaftet 10ha Rebfläche, davon nur 5ha in Eigenvermarktung, ist also ein Familienbetrieb im besten Sinne. Bickensohl befindet sich mitten im Kaiserstuhl und ist eine schöne, urige und kleine Winzerstadt mit ca. 400 Einwohnern. Im und am Kaiserstuhl (ein alter Vulkan) gibt es auf einem engen Raum (15km Länge und bis ca. 12km Breite) verhältnismäßig viele gute bis sehr gute Erzeuger von hochwertigen deutschen Weinen. Eingebettet zwischen dem Schwarzwald und den französischen Vogesen bieten die eher trockenen klimatischen Bedingungen der Rheinebene sehr gute Voraussetzungen für den Weinbau.IMAG2743

Das „Herrenstück“ ist eine Lage des Weinguts, welche soweit ich weiß auch von der Bickensohler Winzergenossenschaft bewirtschaftet wird. Die dortigen Reben der Hauser-Bühlers sind mehr als 45 Jahre alt und wachsen auf kalkhaltigen Lößböden. Kalkhaltige Böden sind ja bekanntermaßen sehr gut für den Pinot Noir (Spätburgunder).

Der hier beschriebene Spätburgunder ist der Basisrotwein des Hauses. Farblich ist das „Herrenstück“ ein typischer Vertreter seiner Art: ein weinroter und ins bräunliche gehender Spätburgunder mit seiner typischen Transparenz.

Im Bouquet zeigt der Wein eine leichte Fruchtsüße und eine schöne, angenehme Würze (der Alkohol kommt etwas durch). Er duftet nach süßlichen Kirschen, schwarzem Pfeffer und etwas Zimt. Mich persönlich erinnert er wirklich ein wenig an Müller Milchreis mit Zimt (und Kirschsoße), lecker.

Der Wein hat eine angenehme Struktur im Gaumen und ist eher ein wärmender Typ für kalte (Frühlings-)Tage. Auch hier zeigt er Kirschnoten und Würze, die dezent in einem mittellangen Nachhall von Sauerkirschen, herber Würze und etwas Zimt ausklingen.

Für 8,50€ ist das viel deutscher Spätburgunder, für wenig Geld.

Dieser Artikel erschien auch, in leicht abgeänderter Form, auf Captain Cork.

Der kleine Bär

Heute ist es soweit. Endlich mal ein Wein vom Weingut Schaffner. Die Schaffners gehören über zwei Ecken ein Stück weit zu meiner Familie. Durch sie habe ich den badischen Wein außerhalb vom Supermarkt als Erstes so richtig kennen gelernt.

Schaffners bewirtschaften ca. 6,5 ha (davon lediglich 4,5 Rebfläche) in Bötzingen am Kaiserstuhl, arbeiten aus persönlicher Überzeugung streng biologisch und gehören dem ECOVIN-Verband an. Ein kleiner Familienbetrieb, der im Herbst und im Frühling zusätzlich eine urige Straußenwirtschaft im Weingut betreibt. Dort kann man die Weine in Verbindung mit leckerer badischer Küche am besten genießen. Auch hier kommt ausschließlich Top-Bioware auf den Tisch!

Thomas Schaffner baut schon seit einigen Jahren so genannte PIWI-Rebsorten an. PIWI ist die Abkürzung für pilzwiderständige Rebsorten. Diese ermöglichen einem biologisch arbeitenden Winzer die Spritzmittel fast ganz IMAG2730wegzulassen, da diese Rebsorten eben pilzwiderständig sind. Im Vergleich zu anderen landwirtschaftlichen Produkten sind Spritzmittel im Weinbau nämlich ganz vorne dabei. So muss auch nicht ständig ein Traktor durch die Reben brettern, um zu spritzen. Natürlich bringt biologischer Weinbau nicht gleich wohlschmeckendere Weine hervor, wohl aber meist reichlich schadstoffärmere. Da es sich bei vielen PIWIs um noch recht junge Neuzüchtungen handelt, steckt vieles was den Erntezeitpunkt und die Vinifizierung betrifft noch in den „Kinderschuhen“.

Beim „Orsino“ handelt es sich um Cuvée aus drei PIWIs, die je nach Jahrgang zwischen 20-40% Anteil in der Cuvée finden und in mehrfach belegten Barriques ausgebaut werden. Dabei sorgt einer der PIWIs für die Würze im Wein, aber auch für die super schöne Cassis-Nase, die sich in Verbindung mit der Würze deutlich hervortut. Die anderen beiden PIWIs dienen eher zur Harmonisierung im Wein. Nun aber zum Wein:

„Orsino: Kleiner Bär“, Deutscher Qualitätswein, Weingut Schaffner, keine Jahrgangsangabe, 12%, ca. 8€

Ein recht dunkles Weinrot schimmert im Glas, inklusive eines leichten Wasserrands.

Das erste Reinriechen offenbart sehr präsent Cassis (schwarze Johannesbeere) und Cassislikör in Verbindung mit einer schönen Würze (schwarzer Pfeffer), dann auch grüne Paprika und Bohnen. Schon ziemlich tiefgründig für den Preis, wenn auch nicht komplex, eben ein „kleiner“ Bär.

Im Gaumen eine deutliche Säure (die vielleicht viele weichgespühlte Weintrinker zunächst abschrecken wird) gepaart mit obigen Aromen und etwas Blaubeere. Je mehr man davon trinkt, desto mehr Trinkfluss kommt bei diesem Wein. Die Flasche bleibt heute Abend nicht voll.

Fazit: Ein schöner, kräftiger Vesperwein, der aber auch – trotz seiner Säure – zu rotem Fleisch Freude bereiten kann. Schön, was so ein günstiger PIWI schon kann.

Der wilde Rhini

IMAG2579Eigentlich wollte das wynäsli den ersten Schluck „Ziereisen“ direkt am Hof in Efringen-Kirchen nehmen. Im Gegensatz zu den meisten Deutschen hat das wynäsli es nicht weit zur schweizer Grenze. Doch die Vorfreude war wieder mal zu groß, die Zeit zu knapp und das Weihnachtsgeld noch auf dem Konto (zumindest ein bisschen).

Und so konnte ich bei einem freitäglichen Stadtbummel in der Freiburger Innenstadt und dem Schmöckern in einem lokalen Weinladen nicht widerstehen, einen Wein von Ziereisen (www.weingut-ziereisen.de) einzusacken:

„2009 Rhini“, Spätburgunder, Badischer Landwein, 13%, ca. 20-25€

Über Hanspeter Ziereisen wurde schon des Öfteren geschrieben. Schon eine kurze Eingabe von „Ziereisen“ auf der Seite von Captain Cork bringt ein paar interessante Beiträge ans Licht, die sich entweder direkt oder indirekt auf Hanspeter beziehen. Das Besondere an Ziereisen ist wahrscheinlich Hanspeter selbst, ohne ihm überhaupt jemals persönlich begegnet zu sein.

Bei seinen Weinen setzt Hanspeter Ziereisen auf Zeit. Ja, dass wovon wir alle so wenig haben. Lange Maischestandzeiten von 6-8 Wochen (!) sind hier Standard. So weit ich weiß, werden alle Weine im Hause Ziereisen Spontanvergoren, also mit natürlichen Hefen aus Weinberg und Keller. Beim Rhini betrug die Maischestandzeit 6 Monate. Den „kräftigen“ Burgundern gönnt Hanspeter danach bis zu 20 Monaten in Barriques inklusive langem Hefelager. Im IMAG2580Falle Rhini 18 Monate in 30% neuen und 70% gebrauchten Fässern. Um alle Aromen zu wahren, wird unfiltriert abgefüllt.

Zeit muss man den Weinen von Ziereisen wohl größtenteils auch auf der Flasche geben, dem Rhini wohl einige Jahre (!). Also erstmal weglegen den Stoff, auch wenn’s schwer fällt. Die folgenden Verkostungsnotizen zeigen warum:

Optisch zeigt sich der Rhini auf jeden Fall als einer der dunkleren Pinots. Am Rand zeichnet den Wein ein wässriger Ring.

Direkt nach dem Karaffieren ist der Wein sehr verschlossen und „wild“ in der Nase: eine heftige Ladung Speck und Rauch strömen einem entgegen. Im Gaumen spielt sich das Ganze identisch zur Nase ab, mit einem Hauch von Kirsche. In Nase und Mund wirkt der Wein fast schon etwas animalisch, so wie ich es von Martin Waßmers Einstiegsburgundern kenne (die ich aufgrund von ihrer individuellen Stilistik und Kräftigkeit sehr schätze). Schon beim ersten Schluck merkt man, dass der Wein eine wunderbare Balance aus kompakten Tanninen und einer IMAG2591schönen Säure mitbringt.

Erst nach 4 Stunden in der Karaffe beginnt sich der Wein in der Nase zu öffnen. Jetzt zeigen sich – wie auf dem Rückenetikett beschrieben – in der Tat „dunkle, schwarze Beerenfrüchte“ (vor allem Kirsche) und etwas Himbeere, aber auch noch immer Rauch und Speck (jetzt aber im Hintergrund). Primär begeistert der Wein an diesem Punkt mit einer tiefgründigen Süße von dunklen Früchten, die ein weinliebhaber Herz höher schlagen lassen.

Allerdings zeigt sich der Wein in Nase und Gaumen völlig unterschiedlich, in einer ziemlichen Diskrepanz. Im Gaumen dominieren noch immer die rauchig animalischen Aromen, im Gegensatz dazu in der Nase eine betörende Fruchtsüße.

Der Rhini liegt im Abgang lange am Gaumen, aber hier überzeugt der Wein meiner Meinung nach – an dem Punkt, in dem er in seiner aktuellen Entwicklung steht – noch nicht. Man wünscht sich ein wenig, dass der Wein die Nase auch im Mund widerspiegelt. Ob der Rhini die „Nase“ noch irgendwann auf den Gaumen zaubert vermag man nicht zu sagen, es wäre aber großartig.

Der Wein schmeckt in seiner momentanen Phase auf jeden Fall nach ehrlichem, rauen „Handwerk“. Es bleibt die Vermutung, dass hier ein geniales Stöffchen heranreift, das sich in die oberen Pinot Noirs aus Deutschland einreihen wird.

3sat kann wieder mal etwas beisteuern:

 

Gutes aus Malterdingen

Der erste Wein, den ich vorstellen möchte, kommt von keinem geringeren als Bernhard Huber (www.weingut-huber.com). Bernhard Huber gilt als der (Spät-)Burgunderkönig von Baden. Aber auch deutschlandweit zählen Hubers Spätburgunder zu dem Besten, was Deutschland bieten kann. In einigen Proben schnitten seineBernhard Huber Malterdinger Spätburgunder 2011 - 1 Top-Gewächse besser ab, als viele burgundische Pinot Noirs, und dass zu einem deutlich besseren Preis.

Zu den Vergleichen mit französischen Burgundern kann das wynäsli nichts sagen, sie kann sich diese nämlich nicht leisten. Außerdem trinkt das wynäsli gerne das, was vor der Haustür wächst. Zu den französischen Burgundern ist es noch nicht vorgedrungen.

Also Anlass genug einen von Hubers Einstiegsweinen das erste Mal zu verkosten, den

„2011er Malterdinger Spätburgunder Rotwein“, Deutscher Qualitätswein, 13,5%, ca. 15-20€

Der Malterdinger Spätburgunder liegt preislich eine Kategorie über dem Gutswein, der ca. 10-15€ kostet. Er stammt aus 12-20 jährigen Rebanlagen. Schon bei diesem Wein wurde der Ertrag reduziert, damit die Trauben, die hängen bleiben dürfen, die bessere Reife erreichen können und mehr Extrakt bringen. Nach der traditionellen Maischegärung (Vergärung des Weines mit den angequetschten Traubenhäuten, in diesem Fall mit 15-20% ganzen Trauben, um die Gärung zu verlangsamen und die Frucht des Weines noch besser zu waren) wurde der Wein in zweit- und drittbelegten Barriques ausgebaut. Sprich, der Wein Bernhard Huber Malterdinger Spätburgunder 2011 - 1sollte nicht „überholzt“ wirken, sondern eine gewisse Frucht waren.

Im Glas zeigt der Wein eine traumhafte Farbe, die immer noch die typische Transparenz eines Spätburgunders mit sich bringt, dennoch kräftig und rubin-lila gesätigt.

Vom Bouquet her zeigt sich der Wein sehr präsent, kräftig und straff, ein kleiner „Überfall“ für die Nase. Wach werden ist angesagt. Etwas Sauerkirschen, rote Johannisbeeren, aber auch ein etwas unangenehmer – wenn auch leichter – Essigcharakter.

Auf der Zunge kräftig, füllig, ja geradezu knackig, schon ein gewisser Gaumenkick. Geschmacklich schon das, was sich in der Nase andeutet (Sauerkirschen, rote Johannisbeeren), allerdings auch hier – für meinen Geschmack – etwas undefiniert. Im Abgang leicht süßlich, mit einem dezenten Abklang von Erdbeeren.

Für einen „Einstiegs“-Wein von unter 20 Euronen (dazu noch von einem sehr bekannten Winzer) ein toller Spannungsbogen im Glas und meiner Meinung nach sein Geld wert.

Hier noch ein kleines Video zum Winzer von 3sat: