Fetter Chablis

Technisch gesehen gehört »Chablis« – wie auch das ganz im Süden gelegene Beaujolais – noch zur Region Burgund. Dabei ist Chablis ca. 150-160km weit vom Herzen des Burgunds, nämlich dessen Filetstück, der so genannten »Côte d’Or«, entfernt. Klima und Böden sind in Chablis etwas anders und unterscheiden sich vom restlichen Burgund, obwohl auch hier die weiße Rebsorte Chardonnay angebaut wird. Die kühleren Wetterverhältnisse, die von fossilen Muschelschalen (vielleicht haben deshalb Austern und Chablis so eine enge kulinarische Verbindung) geprägten Ton- und Kalksteinböden (Kimmeridge-Kalkmergel) bringen Weine hervor, die, wenn sie authentisch vinifiziert werden um ihr Terroir widerzuspiegeln, einzigartig sind.

Ein guter (Petit-)Chablis hat deshalb etwas karges, steinig-mineralisches, ja salziges und in seiner Jugend auch etwas robustes an sich. Lediglich die besten Premier-Cru- (40) und Grand-Cru-Lagen (7) bringen Weine hervor, die kräftiger, oft auch fruchtbetonter und langanhaltender am Gaumen sind. Guter Chablis kann lange reifen und ist geprägt von einer strahlenden Säureader.

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Fossile Böden in Chablis (© by chablis-weine.de)

Wie wetterabhängig Chablis ist, sieht man vor allem daran, wie sehr sich einzelne Jahrgänge unterscheiden können. Wer das mal praktisch ausprobieren möchte, sollte sich einen Chablis aus 2014 und 2015 vom gleichen Winzer, in gleicher Qualitätsstufe besorgen und diese parallel verkosten. Einen Premier Cru aus dem sonnenverwöhnten und etwas ungewöhnlichem Chablis-Jahr 2015 möchte ich hier gerne vorstellen:

»Vaillons«, Premier Cru, Domaine Jean Dauvissat, Chablis, 2015, 13%, ca. 37€

Zunächst einmal: Die Domaine Jean Dauvissat ist nicht zu verwechseln mit der Domaine Vincent Dauvissat. Vincent Dauvissat gilt für viele Chablis-Liebhaber zusammen mit François Raveneau als einer der besten Produzent in Chablis. Und sie ist auch nicht zu verwechseln mit der ebenso etablierten Domaine Jean et Sebastien Dauvissat (auch aus Chablis). Kompliziert, wie immer in Burgund!

Seit 2010 hat Fabien Dauvissat das Ruder auf dem Weingut in der Hand. Jean Dauvissat lieferte die Trauben noch an größere Handelshäuser, füllte selber nicht ab. Und auch heute wird nicht alles selber abgefüllt, nur die besten Parzellen. chablis-1er-cru-vaillons-2015-dauvissat-jean-filsDas Weingut muss einen enormen logistischen Aufwand bewältigen, da es 53 Parzellen (!) über 22 ha verteilt zu pflegen hat. Den größten Teil davon machen „einfache“ Chablis-Village-Lagen aus, etwas Petit-Chablis und fünf verschiedene Premier-Cru-Lagen. Der hier vorgestellte Wein kommt von einer der größten und bekanntesten Premier-Cru-Lagen: Vaillons (110 ha).

Im Glas ein eher kräftigeres Strohgelb mit leicht grünlichem Stich. Man sieht bereits an der Farbe dieses Chablis die Wärme des Jahres. Wer bei 2015 die Sprizigkeit und Säure von 2014 sucht, wird etwas enttäuscht sein. 2015 ist deutlich gefälliger.

2015 eignet sich daher ideal für Chablis-Einsteiger. Die eher zugängliche Nase erinnert zunächst nicht ausschließlich an Chablis. Gelb- und weißfruchtig (kandierte Frucht), getragen von einer leichten Salzigkeit (Jod) und einer kreidigen Art. Auch wenn die Säurestruktur vielleicht nicht typisch für einen klassischen Chablis-Jahrgang ist, ist dennoch genügend Frische vorhanden.

Vom Mundgefühl her für einen 1er Cru Chablis überraschend vollmundig, cremig, ja fast schon etwas opulent. Hat ordentlich Fleisch auf den Rippen. Mehr etwas zur Begleitung von weißem Fleisch in sahnigen Saucen oder eher öligen Fischen. Wir hatten dazu grünen Spargel, Krevetten, Baguette, Salat und eine selbst kreierte Knoblauch-Senf-Hollondaise. Ging auch gut.

Der Abgang ist enorm, sehr lang anhaltend mit einem kreidig-fruchtigem Nachklang. Kandierte Birne, mineralisch, etwas Feuerstein, aber auch etwas würziges, was mich persönlich an Anis oder Fenchelsamen erinnert. Etwas später dann metallisch-kühl und erinnerd an frischen Teig (weit hinter der reifen Opulenz, die noch immer vordergründig ist).

Am zweiten Tag dann noch würziger, in der Nase jetzt erinnernd an Schießpulver (oder China-Böller) und weißen Pfeffer. Die Frucht ist nicht mehr ganz so vordergründig. Gefällt mir an Tag zwei deutlich besser. Eine schöne Ballance zwischen Frucht und Mineralität.

Wäre interessant zu wissen wo die Reise in den nächsten Jahren bei diesem Wein hin geht. Er ist schon jetzt sehr gut trinkbar. Luft tut ihm gut. Bei vinatis.de kann man den Wein kaufen:

»Domaine Jean Dauvissat 1er Cru Vaillons 2015«

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