Gold aus dem Jura

Ausgefallene, kleine und etwas ins Hintertreffen geratene Weinbauregionen der Welt erleben aktuell eine echte Renaissance. Dazu gehört auch die kleine französische Weinregion »Jura« mit ihren lediglich 2000 ha Anbaufläche. Es ist eines der ältesten Weinanbaugebiete von Frankreich. Nicht ganz unschuldig an dem Revival der Weine des Jura wird das im Jahr 2014 erschiene Buch „Jura Wine“ der britischen Weinjournalistin Wink Lorch sein. Ein weiteres Buch mit dem Titel „Wines of the French Alps“ soll nächstes Jahr erscheinen.

Geografisch äußerst interessant zwischen Burgund und französischen bzw. schweizer Alpen (Juragebirge) gelegen, und durch die Reblauskatastrophe Ende des 19. Jhds. auf heute 1/10 der Anbaufläche dezimiert. Wie der Name schon andeutet prägt hier Jurakalk – ähnlich wie in Burgund – die Böden. Trotz der Herausforderungen in der Vergangenheit hat sich das Jura weiterhin kontinuierlich an ihren alten Traditionen orientiert. Dazu gehört auch der »Vin Jaune« (gelber Wein).

vin-jaune-2010-domaine-badozVin Jaune ist ein echtes Unikat aus der französischen Weinregion Jura und dem Otto Normalverbraucher in Deutschland nicht bekannt. Dies hat sicher auch mit der urfranzösischen Natur dieser Rarität zu tun, die nur ca. 5% der gesamten Produktion im Jura ausmacht. Er wird ausschließlich aus der Rebsorte Savagnin gekeltert, die außer in der Schweiz kaum noch irgendwo anzutreffen ist.

Der Wein wird oxidativ ausgebaut und muss mindestens 6 Jahre (!) im Fass reifen, bevor er auf den Markt kommen darf. Zumeist tut er dies in alten burgundischen Fässern, die von Beginn an nicht gänzlich gefüllt werden. Die Besonderheit dabei ist, dass er eben nicht wie z.B. bei einem Sherry, aufgesprittet wird, sondern unter seiner eigenen und natürlichen Florhefeschicht (franz. voile = Schleier), die eine Art Schutzfilm bildet, vor weiterer Oxidation geschützt ist. Der Inhalt der Fässer reduziert sich über die Jahre um bis zu 20-40%. Vielleicht wird er aus diesem Grund in der besonderen Flaschenform (»Clavelin«) mit einem Füllinhalt von 0,62 ml abgefüllt. Ein guter Vin Jaune kann länger als ein Menschenleben andauert gelagert werden!

„Vin Jaune“, Domaine Badoz, Côtes de Jura, 2010, 14,5%, ca. 30€

domaine-badoz-galerie-05Die Trauben für den Vin Jaune der Domaine Badoz kommen aus dem Herzen des Juragebietes um die Stadt Poligny, der Côtes de Jura. Tradition ist hier das Stichwort, denn hier wird bereits in der zehnten Generation Weinbau betrieben (seit 1659!).

Bevor Benoît Badoz im Jahre 2003 die Verantwortung für die Domaine übernahm, sammelte er zuvor Erfahrung bei Carillon in Burgund (Puligny-Montrachet) und in Bordeaux bei Château Pétrus (!) in Pomerol.

Der Vin Jaune der Domaine Badoz hat eine irre kräftige, ja tief goldene, fast schon bernsteinfarbene Robe. Direkt nach dem Karaffieren zeigt er eine sehr strenge und auch etwas alkoholische Sherrynase, Noten von Curry und Nüssen. Der Wein erinnert tatsächlich sofort an Sherry ohne ein Sherry zu sein.

Erst nach mehreren Stunden in der Karaffe beginnt sich der Stoff zu harmonisieren. Witziger Weise wird der Wein immer „frischer“. Er offeriert ein total irres Bouquet: Gewürze (Curry und Senf), Walnüsse, Honig, überreifer Apfel, aber auch knackig grüner Apfel, getrocknete Früchte wie Rosinen und auch Karamell.

Dann der erste Schluck. Verunsicherung. Im Gaumen ist der Wein ganz anders, als man ihn sich vorgestellt hat: Eine wahnsinns präzise, fast schon läserstrahlartige Säure. Auch hier Noten von grünem Apfel, Curry, anderen Gewürzen und Nüssen. Irrer Stoff! Anfänger oder unerfahrene Weintrinker wird dieser Wein zunächst verstören. Sie werden ihn nicht „verstehen“, auch wenn sich über Geschmack streiten lässt. Ein Wein für Freaks!

Nach 1-2 Tagen an der Luft wird der Wein immer weicher. Er zieht sich schlank und etwas sauer am Gaumen hinunter und endet dennoch in einem unendlich langen salzigen Abgang. Man sollte den Vin Jaune nicht zu kalt trinken, irgendwo zwischen Weiß- und Rotweintemperatur (15C°). Tut euch einen Gefallen und karaffiert den Wein mindestens 2 Stunden vor Genuss.

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Reben der Domaine Badoz

Kulinarisch total genial zu unterschiedlichsten Gerichten einsetzbar. Wir hatten ihn zuerst mit Kalbsfleisch und an einem anderen Tag mit indischer Linsensuppe, was beides sehr gut ging. Klassisch wäre Huhn bzw. ein Hahn mit Morcheln („Coq au vin jaune et morilles“), der in Vin Jaune gegart wurde. Man sagt so schön: „Das bestmögliche Ende für einen Hahn (bzw. ein Huhn).“.

Wie sehr in der Familie Badoz Essen und Wein miteinander verwoben sind, wird auch daran deutlich, dass sie eine eigene Fromagerie (Käsegeschäft) in Poligny betreiben und, wenn ich mich nicht täusche, ihr Käse bereits seit 1830 sogar aus eigener Produktion kommt (www.fromagerie-badoz.com). Ihr Wein, vor allem der Vin Jaune, ist mit ziemlicher Sicherheit ein exzellenter Begleiter des einheimischen Comté.

Dem langen Ausbau entsprechend sind diese speziellen Essenzen nicht unbedingt „günstig“. Schnell liegt bei einem Vin Jaune bei 50,-€ die Clavelin-Flasche. Der Vin Jaune der Domaine Badoz ist mit seinen 30 Euronen ein sehr gutes Preis-Genuss-Verhältnis! Man kann ihn in Deutschland, soweit ich weiß, bisher ausschließlich bei vinatis.de kaufen:

»Domaine Badoz Vin Jaune 2010«

 

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