Marsannay oder Malterdingen?

Immer wieder liest und hört man davon, dass deutscher Spätburgunder gegenüber seinem französischen Vorbild aus dem Burgund aufgeholt hat. Und in der Tat haben mich französische Einstiegs-Burgunder unter 20 Euronen bisher leider nie überzeugt, so dass ich bei bekannten deutschen Winzerkoryphäen unter 20 Euro pro Flasche geblieben bin. Da ich aber Pinot Noir oder Spätburgunder aufgrund seiner Finesse und Feinheit sehr mag und die französische Stilistik doch einfach etwas anders ist als unsere deutsche, versuche ich immer wieder auch im unteren Preissegment für französische Burgunder fündig zu werden. Wobei man sich als „Normalsterblicher“ eigentlich fragt, warum 25€ für eine Flasche Einstiegswein einer Domaine aus Frankreich unteres Preissegment sein sollen. Aber so ist es nun mal im teuren Burgund.

Ein guter australischer Freund von mir schmunzelt häufig, wenn wir wieder einmal über deutschen „Pinot Noir“ philosophieren, da dieser für ihn häufig parfümiert und mit einem eher unangenehmen, süßlichen Aprikosenduft daher zu kommen scheint. Leider hat mein Freund in diesem Punkt Recht.

Malterdingen oder doch lieber Marsannay?
Malterdingen oder doch lieber Marsannay?

Es gibt nur wenige, wirklich gute, „burgundisch“ anmutende deutsche Spätburgunder.

So kam es, dass ich am Samstagabend zum Essen zwei „Village“-Weine aufgezogen habe, einen deutschen und einen französischen Burgunder, um diese parallel zu verkosten und zu vergleichen:

„Marsannay“, Appellation Contrôlée, Sylvain Pataille, 2011, 12,5%, ca. 25€

„Malterdinger Spätburgunder Rotwein“, Deutscher Qualitätswein, Bernhard Huber, 2011, 13,5%, ca. 18€

Einer, der es versteht, exzellenten deutschen Pinot Noir zu erzeugen, ist der kürzlich verstorbene Vorzeigewinzer Bernhard Huber aus Malterdingen in Baden. Die Böden von Bernhard Hubers Lagen sind geprägt von stark kalkhaltigem Terroir, was optimal für Spätburgunder ist. Sehr ähnliche Bodenformationen findet man auch im „Mutterland“ des Pinot Noirs, im Burgund.

Sylvain Patailles Village-Wein stammt aus einer eher unterbewerteten Region, die laut Wikipedia nicht einmal über eine Premier oder Grand Cru Lage verfügt, aus Marsannay (nördlichste Weinbaugemeinde der Côte de Nuits). Dafür verfügt Sylvain Partaille über die besten Lagen in Marsannay sowie über Erfahrung als Berater für andere renommierte Erzeuger der Region.

Um es kurz zu machen, beide Weine standen sich von der Qualität her in nichts nach. Die Frage ist nur, welche Art von Wein-Stilistik man eher bevorzugt. Bernhard Hubers Village-Wein kommt er rotfruchtig daher, Partailles Village eher schwarzfruchtig.

In der Nase besticht der Marsannay eher durch seinen Charme von dunklen Kirschen, Blaubeeren, etwas Würze (Rosmarin und Veilchen) und einer schönen Süße. Im Mund ist der Wein sehr filigran und auskleidend zu gleich. Aufgrund seiner für einen Pinot eher kräftigen Gerbstoffe zeigt der Marsannay ein gutes Entwicklungspotential für die nächsten Jahre, ist aber schon jetzt sehr gut zu genießen.

Hubers Malterdinger kommt mit etwas mehr Druck in der Nase und ist eher geprägt von einer schönen Rotfruchtigkeit von Sauerkirschen und roten Johannisbeeren (eine genaue Beschreibung von Wein findet man hier: https://wynaesli.wordpress.com/2013/12/02/gutes-aus-malterdingen). Im Gaumen zeigt Hubers Pinot eine knackige Säure und einen schönen, dezenten Nachhall von Sauerkirschen und Erdbeeren.

Leider zeigen beide Weine auch eine kleine Schwäche in der Nase, die vielleicht pinot-noir-typisch ist. So findet man in beiden Weinen einen leichten Ton von Essig, der in gewisser Weise auch etwas an Spühlmittel erinnert. Dieser Ton hält sich aber in Grenzen und ist nicht großartig störend.

Wenn man den höheren Preis des französischen Burgunders außer Acht lässt, der sicher durch den Import bedingt ist, findet man hier zwei Weine auf Augenhöhe! Die Frage ist, welche Stilistik einem Pinot-Noir-Trinker besser gefällt.

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